Bundesliga

Gesundheitliche Probleme: Stevens tritt zurück

Hoffenheim: Kommt Nagelsmann vorzeitig?

Gesundheitliche Probleme: Stevens tritt zurück

"Der Knurrer ist nicht mehr da": Huub Stevens am Mittwoch auf der Pressekonferenz der TSG Hoffenheim.

"Der Knurrer ist nicht mehr da": Huub Stevens am Mittwoch auf der Pressekonferenz der TSG Hoffenheim. picture alliance

"Die Gesundheit geht immer vor", sagte Huub Stevens auf einer am Nachmittag einberufenen Pressekonferenz Hoffenheims. Die Herzbeschwerden verfolgen Stevens nach eigener Aussage bereits seit einiger Zeit. In Begleitung von Vereinsarzt Dr. Thomas Fröhlich hat sich der Niederländer deshalb am Montag an der Uniklinik Heidelberg einer sogenannten Kardioversion unterzogen. Wegen der festgestellten Herzrhythmusstörungen rieten die Uni-Ärzte Stevens zu einem Rücktritt.

Am Mittwochmorgen informierte Stevens den Verein, dass er dem Anraten der Ärzte Folge leisten und sein Amt zur Verfügung stellen wird. "Das Risiko ist zu groß", sagte Stevens. Nicht nur für ihn sondern auch für den Verein: "Ich weiß, dass ich in einer solchen Situation 120 Prozent fit sein muss, um alles für den Verein, alles für die Mannschaft zu geben." Da ihm dies nicht mehr möglich sei, habe er sich zum Rücktritt entschieden. "Da musst du ehrlich gegenüber dir selbst sein, auch wenn es hart ist". Stevens muss sich wegen der Herzprobleme in der nächsten Zukunft eventuell sogar einer Operation unterziehen.

Ich habe nicht mehr so viele Jahre. Aber die Jahre, die mir noch zur Verfügung stehen, will ich versuchen zu genießen.

Huub Stevens

Zwar wusste Sportchef Alexander Rosen seit letzter Woche von den Beschwerden Stevens', doch das Rücktrittsgesuch hat die TSG-Verantwortlichen völlig überraschend getroffen. "Stevens ist heute Morgen gegen zehn Uhr in mein Büro gekommen, um uns seine Entscheidung mitzuteilen", berichtete Rosen: "Wir haben noch versucht, ihn umzustimmen, doch es ist uns nicht gelungen", sagte er. "Wir müssen seine Entscheidung respektieren".

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"Das Risiko ist zu groß" - Der Rücktritt von Stevens

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Schreuder und Reutershahn leiten Training - Übernimmt Nagelsmann?

Der Vormittag in Hoffenheim sei "sehr emotional" gewesen, fuhr Rosen weiter fort. Viel Zeit, die Konsequenzen aus der überraschenden Entwicklung zu ziehen, blieb den TSG-Verantwortlichen nicht. Das Training am Nachmittag werden die bisherigen Assistenten Alfred Schreuder und Armin Reutershahn leiten. Wie es danach weitergeht, steht noch nicht fest. "Wir können keine Ad-Hoc-Entscheidung aus dem Hut zaubern, wir haben unserer Sorgfaltspflicht Folge zu leisten", sagte Rosen. Allerdings spiele in den Überlegungen, wie der Abstiegskampf erfolgreich bestritten werden könne, auch Julian Nagelsmann eine Rolle. Der bisherige A-Jugend-Trainer sollte im Sommer ohnehin die Nachfolge von Stevens antreten. Nun bemüht die TSG sich darum, den 28-Jährigen bereits jetzt in den Trainingsablauf einzubinden. Nagelsmann befindet sich derzeit noch in der Prüfungsphase seiner Fußballlehrerlizenz, laut Rosen ist "ein Ende aber abzusehen".

Stevens' Bilanz eher dürftig

Huub Stevens übernahm Ende Oktober 2015 als Nachfolger von Markus Gisdol das Traineramt bei der TSG Hoffenheim. Damals waren die Kraichgauer nach einer 0:1-Heimpleite gegen den Hamburger SV auf den vorletzten Platz abgerutscht. Stevens sollte 1899 Hoffenheim vor dem Absturz in die zweite Liga bewahren. Eine Aufgabe, die er zuvor beim VfB Stuttgart in den Spielzeiten 2014/15 und 2015/16 zweimal erfolgreich bewältigt hatte.

Gisdol musste nach nur einem Sieg aus zehn Partien (1/3/6) gehen, der vermeintliche Retter Stevens übernahm. Doch die Bilanz von 1899 blieb auch in den zehn Partien unter der Regie des Niederländers überschaubar und war kaum besser: Die Hoffenheimer verbuchten lediglich einen Sieg und nur acht Zähler. Der Rückstand auf den Relegationsplatz, den der kommende Gegner Werder Bremen innehat, beträgt fünf Punkte, das rettende Ufer ist bereits sieben Zähler entfernt.

Die Hoffnung auf einen Wendepunkt im Abstiegskampf hatte sich zuletzt am Sonntag nicht erfüllt, als die TSG das Heimspiel gegen den Aufsteiger und direkten Konkurrenten Darmstadt 98 mit 0:2 verlor.

Stevens geht vom Ende seiner Trainerkarriere aus

Stevens geht mit seinem durch gesundheitliche Probleme erzwungenen Abschied aus Hoffenheim von einem Ende seiner Trainerkarriere aus. "Ich denke schon", antwortete der Niederländer am Mittwoch auf eine entsprechende Frage und fügte mitgenommen hinzu. "Schade!" Zwar werde er das Fußball-Geschehen und insbesondere Hoffenheim weiter intensiv verfolgen. "Aber um auf dem Platz zu stehen und zu reagieren, da glaube ich, dass das Risiko zu groß ist."

jer

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