Bundesliga

Yannik Keitel: "Vielleicht kam die Verletzung genau richtig"

Freiburgs Eigengewächs über sein "Lehrjahr", seinen Startplatz und die U21

Keitel: "Vielleicht kam die Verletzung genau richtig"

Hat einen Stammplatz bei Freiburg und die U-21-EM mit der DFB-Auswahl im Blick: Yannik Keitel.

Hat einen Stammplatz bei Freiburg und die U-21-EM mit der DFB-Auswahl im Blick: Yannik Keitel. imago images/Beautiful Sports

Yannik Keitel, waren Sie in den letzten Tag ein bisschen traurig?

Traurig? Hat es vielleicht mit Herrn Kuntz zu tun?

Genau.

Traurig würde ich nicht sagen. Ich finde es spannend, welchen Weg er einschlägt.

Finden Sie es dennoch schade, dass er nicht mehr Ihr U-21-Trainer ist?

Ich finde, dass er ein cooler Trainer ist, zwischenmenschlich versteht man sich mit ihm super und seine Erfolge mit der U 21 sprechen für sich. Daher ist es schon schade, aber ich freue mich auch für ihn, dass er jetzt A-Nationaltrainer in der Türkei ist.

Seine Art als Trainer, wie er sich gegeben hat und wie er mit uns umgegangen ist, das war schon echt cool.

Yannik Keitel

Kuntz geht, bevor Sie wohl so richtig loslegen in der U 21. Sie haben drei Einsätze im Herbst 2020 absolviert, waren für die EM-Endrunde im Juni als Nachrücker eingeladen, verletzten sich aber schnell im Training und mussten wieder nach Hause. Was nehmen Sie mit aus der bisherigen Zusammenarbeit mit Kuntz?

Ich nehme einiges mit, habe super Erfahrungen gesammelt, nicht nur in den Einsätzen. Eine EM-Teilnahme wäre natürlich geil gewesen. Seine Art als Trainer, wie er sich gegeben hat und wie er mit uns umgegangen ist, das war schon echt cool. Ich bin gespannt, wer ihm nachfolgt.

Unabhängig vom Trainer, was sind Ihre Ansprüche in der U 21, wo Sie inzwischen zum ältesten Jahrgang zählen?

Mein Ziel ist es, dort immer spielen zu können.

Das gelingt seit Sommer beim SC Freiburg, Sie starteten bislang in allen sechs Pflichtspielen. Warum hat das vergangene Saison noch nicht funktioniert, als Sie sich auch über die Vorbereitung einen Startplatz im ersten Pflichtspiel im Pokal erarbeitet hatten, dann aber für Wochen und Monate von der Bildfläche verschwanden?

In einem Jahr kann man eben einen großen Schritt machen, fußballerisch und was die Persönlichkeit betrifft. Ich habe mich gut entwickelt seitdem, letztes Jahr wäre es wohl noch ein bisschen zu früh gewesen, durchzustarten. Ich hatte dann noch ein wenig Verletzungspech, aber jetzt versuche ich Woche für Woche Gas zu geben und den Startelfplatz zu verteidigen.

Was ging Ihnen im November 2020 durch den Kopf, als Christian Streich öffentlich ihre Trainingsleistungen bemängelte und Ihren "Welpenschutz" für beendet erklärte?

Er hatte vielleicht nicht Unrecht. Es war wie eine kleine Spirale, ich wollte unbedingt wieder angreifen und rein in die Mannschaft, weil ich ja anfangs reingeschnuppert hatte und dann wollte ich vielleicht zu viel, was am Ende kontraproduktiv war. Klar habe ich mir meine Gedanken gemacht und war ein bisschen negativer gestimmt. Daran sieht man aber, dass man nie den Kopf hängen lassen, sondern immer weiterarbeiten sollte.

Ich habe einfach den Kopf ausgeschaltet und wieder Fußball gespielt.

Yannik Keitel

Kurz nach Streichs Rüffel zogen Sie sich auch noch eine Innenbandverletzung im Knie zu und fehlten bis Jahresende. Wie ist es Ihnen gelungen, aus diesem Tal herauszufinden?

Gute Frage, vielleicht kam die Verletzung auch genau richtig, um im Kopf nochmal abzuschalten, nochmal Kraft zu sammeln und mental in sich reinzuhören. Als ich von der Verletzung zurückkam, konnte ich befreit aufspielen und hatte, etwas übertrieben gesagt, nichts mehr zu verlieren. Ich habe einfach den Kopf ausgeschaltet und wieder Fußball gespielt. Dann habe ich meine Chance in der Rückrunde wieder bekommen.

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In welcher Kategorie verbuchen Sie die Saison 2020/21 für sich?

Es war auf jeden Fall ein wichtiges Lehrjahr. Es kann in beide Richtungen schnell gehen und man sollte nicht verkopfen, sondern manchmal einfach Fußball spielen, den eigenen Stärken vertrauen und Spaß haben. Es bringt nichts, sich dauernd Gedanken zu machen, was könnte passieren, wenn … Das gelingt mir aktuell ganz gut.

Die gesamte Mannschaft ist gut gestartet mit neun Punkten aus fünf Partien. Was läuft gut, in welchen Bereichen sollte sich Ihr Team noch steigern?

Wir müssen weiter versuchen, so gut zu punkten. Bei den letzten beiden Spielen gegen Köln und in Mainz hatten wir in Sachen Offensivspiel im Allgemeinen, Ballsicherheit und letzte Pässe vor dem Tor im Speziellen noch Luft nach oben. Das müssen wir verbessern. Defensiv läuft es hingegen schon ganz gut.

Welche Bereiche versuchen Sie gerade in Ihrem eigenen Spiel am meisten zu verbessern?

In letzter Zeit geht es vor allem um die kleinen unnötigen Fehler, wo ich manchmal ein bisschen zu leichtsinnig bin. Die will ich abstellen, defensiv noch mehr Zweikämpfe gewinnen und vor allem noch torgefährlicher werden, endlich die erste Kiste in der Bundesliga machen.

Klar haben wir das altbekannte Ziel Nicht-Abstieg als Erstes im Blick.

Yannik Keitel

Wie lauten Ihre Ziele für den Rest der Saison, persönlich und mit der Mannschaft?

Mein Ziel ist es, beim SC Stammspieler zu werden, weiter in der Startelf zu bleiben und mit dem Verein so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Klar haben wir das altbekannte Ziel Nicht-Abstieg als Erstes im Blick.

Zum Abschluss: Waren Sie schon mal in Rumänien und Georgien?

Nein, noch nicht.

Stehen diese beiden Länder auf Ihrer Wunschliste?

Urlaubsmäßig hatte ich es noch nicht vor.

In beiden Ländern findet aber 2023 im Sommer die U-21-EM statt.

Oh, dass wusste ich noch gar nicht, da habe ich mich noch nicht informiert. Die EM ist natürlich ein klares Ziel für mich.

Interview: Carsten Schröter-Lorenz

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