2. Bundesliga

"Verräter": Warum Darmstadts Seung-Ho Paik bisher nicht gewechselt ist

Vertrackte Situation für den Südkoreaner

"Verräter": Warum Darmstadts Paik noch immer nicht gewechselt ist

Im teils selbstverschuldeten Dilemma: Seung-Ho Paik.

Im teils selbstverschuldeten Dilemma: Seung-Ho Paik. imago images

Die Sache schien klar zu sein. "Es ist kurz davor, dass der Wechsel perfekt ist", hatte Lilien-Trainer Markus Anfang vor knapp zwei Wochen gesagt. Aber obwohl sich der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler seit längerem in der Heimat aufhält, ist eine Vertragsunterzeichnung bei Jeonbuk höchst unrealistisch geworden.

Denn eine Vereinbarung aus dem Jahr 2010 fliegt Paik nun um die Ohren. Als der begabte Techniker sich Anfang 2011 der berühmten La Masia des FC Barcelona anschloss, traf er mit seinem Jugendverein, den Suwon Blue Wings, eine Vereinbarung: Sollte Paik irgendwann vorhaben, in die einheimische K League 1 zu wechseln, hätten die Blue Wings ein Erstzugriffsrecht. Unter dieser Bedingung kam der Wechsel nach Europa zustande.

SV Darmstadt 98 - Vereinsdaten
SV Darmstadt 98

Gründungsdatum

22.05.1898

Vereinsfarben

Blau-Weiß

Suwon Blue Wings - Vereinsdaten
Suwon Blue Wings
Jeonbuk Hyundai - Vereinsdaten
Jeonbuk Hyundai
Spielersteckbrief Paik
Paik

Paik Seung-Ho

Südkoreanischen Medienberichten zufolge unterstützte Suwon seinen vorerst verlorenen Sohn finanziell massiv, damit dieser seinen Traum von Europa wahr machen konnte. Bei den Barça-Profis konnte sich Paik schließlich wie so viele andere vor und nach ihm nicht durchsetzen. Über den FC Girona ging es 2019 am "Deadline Day" nach Darmstadt. Dort pendelte die Nummer 14 immer wieder zwischen Startelf und Ersatzbank.

Paik müsste Suwon aus eigener Tasche entschädigen

Um aber gute Karten auf einen Platz in Südkoreas Olympia-Team in der Hand zu halten, bräuchte es mehr. Am besten eine Schlüsselrolle im Verein. Gewänne Paik mit der U-23-Nationalmannschaft in Tokio 2021 nämlich eine Medaille, bliebe ihm der 20 Monate lange Wehrdienst erspart - eine lohnende Aussicht. "Es wäre fatal, wenn du Spieler daran hinderst, dass sie ihre Karriere für sich planen können", hatte Darmstadts Trainer Anfang Ende Februar über den Transfer gemeint, der sich anbahnte und überraschend schnell wieder an Gestalt verlor.

Denn offenbar informierte Paik seinen Jugendklub Suwon nicht über die Verhandlungen mit dem finanzstarken Top-Klub Jeonbuk, der den Lilien eine Ablöse mindestens im hohen sechsstelligen Bereich geboten hatte. Als der bevorstehende Deal bekannt wurde, fiel die Enttäuschung bei den Blue Wings groß aus, wie einheimische Medien berichteten. Suwon erwog sogar rechtliche Schritte, Jeonbuk schreckte auf und nahm Abstand von der Verpflichtung.

Um doch noch beim Meister zu unterschreiben, bei dem auch der frühere Zweitliga-Profi Stanislav Iljutcenko und der Ex-Augsburger Jeong-Ho Hong unter Vertrag stehen, müsste Paik nun Suwon aus eigener Tasche entschädigen - dem Vernehmen nach mit rund 250.000 Euro. Als Alternative bleibt nur noch ein Wechsel zurück zur alten Liebe Suwon - was allerdings auf eine Vernunftehe hinauslaufen würde.

In Darmstadt gibt man sich ahnungslos

Denn zum einen können die Blue Wings weder hohe Gehälter noch Ablösen zahlen. Und zum anderen regt sich im Vereinsumfeld heftiger Gegenwind. "Lieber einen treuen Hund als den Verräter Seung-Ho", stand auf einem Transparent geschrieben, das die Fans beim Saisonauftaktspiel gegen Gwangju (1:0) hochhielten.

Bei Darmstadt 98 gehen die Verantwortlichen weiter von einem Wechsel aus. "Unser Stand zu der Thematik ist unverändert", sagte der Sportliche Leiter Carsten Wehlmann am Montag dem kicker. Bis zum 31. März haben alle Parteien noch Zeit für eine Lösung - wie auch immer diese aussehen soll. Dann schließt das Transferfenster in Südkorea. Womöglich steht Paik dann wieder in Darmstadt auf der Matte.

pab/SK

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