Bundesliga

1. FC Köln: Thielmann bringt die Hierarchie ins Wanken

Neue Optionen durch die Versetzung beim 1. FC Köln

Thielmann bringt die Hierarchie der Rechtsverteidiger ins Wanken

Erstmals als Rechtsverteidiger in der Startelf: Jan Thielmann machte seinen Job auf der neuen Position passabel.

Erstmals als Rechtsverteidiger in der Startelf: Jan Thielmann machte seinen Job auf der neuen Position passabel. picture alliance / Eibner-Pressefoto

In der 70. Minute konnte Jan Thielmann besonders glänzen. Bei einem Vorstoß des FC Augsburg war der 21-Jährige nicht nur vorbildlich mit zurück geeilt, sondern auch gedanklich hellwach gewesen: Als Dion Beljo ein Zuspiel von Fredrik Jensen mit der Hacke hinter dem bereits geschlagenen FC-Torhüter Marvin Schwäbe ins Tor stupsen wollte, rutschte Thielmann gerade noch rechtzeitig in den Ball und schlug ihn von der Torlinie.

"Ich habe gesehen, dass der Ball im Zentrum war und bin auf die Linie, um ihn vielleicht noch klären zu können", wird Thielmann auf der Klub-Website zitiert. "Zum Glück ist mir das gelungen." Es lag auch an seiner Rettungstat, dass der 1. FC Köln beim 1:1 immerhin einen Punkt mit aus Augsburg nehmen konnte.

Hinten rechts ist der Bedarf am Größten

Auch deswegen zog Thielmann hinterher wohl ein positives Fazit, denn am Ostersonntag hatte er zum ersten Mal als Rechtsverteidiger der Kölner in der Startelf gestanden. "Ich habe mich wohlgefühlt, es hat Spaß gemacht und ich kann mir das gut vorstellen", sagt der gelernte Offensivspieler über seine neue Rolle. Die hatte bereits der deutsche U-21-Nationaltrainer Antonio Di Salvo mit ihm ausprobiert und Thielmann gegen den Kosovo (0:0) und Israel (2:0) als Rechtsverteidiger aufgeboten.

Eine Variante mit Zukunft? Gut möglich. Denn im Sturm wird das Gedränge nach der Rückkehr von Davie Selke und Luca Waldschmidt wieder stärker. Und rechts setzt FC-Coach Timo Schultz auf Faride Alidou, dem nicht alles gelingt, der aber immerhin vier Tore in seinen zehn Einsätzen in diesem Jahr beisteuerte. Hinten rechts dagegen wechselten sich zuletzt Benno Schmitz (kicker-Notenschnitt 4,1) und Rasmus Carstensen (4,34) mit eher mittelmäßig bis unauffälligen Leistungen ab.

Welche Folgen hat die neue Rangordnung?

Thielmann nun machte es gegen Augsburg gut, erhielt die Note 3 und gewann 71 Prozent seiner Zweikämpfe. Dass der 1,78 Meter große Flügelspieler es "defensiv stabil" gemacht hat, sah auch Schultz. Die Hoffnung ist nun, dass der U-21-Nationalspieler auch offensiv einen Schub geben kann. Denn da hat der schlechteste Angriff der Liga großen Nachholbedarf.

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Weder der defensiv orientierte Schmitz noch der fehleranfällige Carstensen hatten dieses Problem beheben können. Nun bringt Thielmann die interne Hierarchie auf dieser Position ins Wanken. Gut möglich, dass er sich als Rechtsverteidiger Nummer 1 etabliert. Was für die beiden Konkurrenten Folgen haben könnte: Schmitz' Vertrag in Köln läuft im Sommer aus, Carstensen ist von KRC Genk geliehen. Die Kaufoption für ihn soll zwar gezogen werden, offiziell verkündet wurde dieser Schritt aber noch nicht. Zum Hintergrund: Köln darf zwar laut UEFA-Strafe keine neuen Spieler holen, jedoch dürften Spieler, die schon beim 1. FC Köln registriert sind, fest verpflichtet werden.

Er kann uns einen Riesenimpuls geben.

Timo Schultz über Jan Thielmann

Die kommenden Kölner Aufgaben

Das Eine ist die langfristige Perspektive, das andere der akute Überlebenskampf im Tabellenkeller. "Nach vorne haben wir alle - nicht nur Jan - deutlich Steigerungspotenzial", weiß der Coach. "Wenn er da häufiger zum Einsatz kommt, entwickelt er eine gewisse Routine und ist in den Abläufen besser drin. Gerade auch im Zusammenspiel mit seinem Vordermann, sodass er da einen Riesenimpuls für die Mannschaft geben kann, was unser Spiel im letzten Drittel angeht."

Im Saisonendspurt hat sich der 1. FC Köln ja schließlich auch mehr Drang nach vorne auf die Fahnen geschrieben. Und steht nun vor dem Heimspiel gegen den VfL Bochum (Samstag, 15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) schon gehörig unter Siegzwang. "Du musst dir seiner Rolle bewusst werden und erst einmal defensiv stabil sein", sagt Thielmann, weiß aber auch: "Unser Anspruch ist, gegen Bochum zu gewinnen. Es zählen nur noch Siege."

Jim Decker

Timo Schultz (1.FC Köln, Cheftrainer)

Schultz plant den Angriff: "Gibt nur Dreier"

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