2. Bundesliga

Relegation 2020: "Druck hat der Milchmann" - und Heidenheim nicht?

FCH-Coach übt auch Selbstkritik

"Druck hat der Milchmann" - und Heidenheim nicht?

Frank Schmidt

Versunken in der Denkerpose: Frank Schmidt (li.) beim 0:3 in Bielefeld. picture alliance

Einen Tag, nachdem Frank Schmidt seinen Dienst als Cheftrainer des Oberligisten 1. FC Heidenheim antrat, verlor der SV Werder Bremen denkbar knapp mit 1:2. In der Champions League. Bei Real Madrid. Im Estadio Santiago Bernabeu. Schmidt gewann sein Trainerdebüt einige Tage später hingegen mit 2:1. In der Oberliga Baden-Württemberg. Bei Normannia Gmünd. Im Jahnstadion. Knapp dreizehn Jahre später kann Schmidt Werder Bremen nun in die Zweitklassigkeit stürzen - und den FCH in die Bundesliga bringen.

Trotz eines 0:3 in Bielefeld schaffte es die Schmidt-Elf tatsächlich in die Relegation zur Bundesliga, weil auch der Verfolger aus Hamburg im Parallelspiel verlor. "Sportlich war das für uns ein bitterer Nachmittag", befand Schmidt bei "Sky". "Aber es war nur ein Spiel. Die Saison ist jetzt zu Ende, wir sind Dritter und wer nach 34 Spieltagen Dritter ist, der hat sich die Relegation verdient." Wie ein Bundesligist hatte seine Mannschaft am Sonntag wahrlich nicht gespielt, beim Zweitliga-Meister aus Bielefeld war Heidenheim weitgehend chancenlos und kam über 90 Minuten aus dem Spiel heraus zu keiner einzigen echten Torchance.

Selbstkritik nach 0:3: "Hätten vielleicht früher umstellen müssen"

Da die deutliche Niederlage wegen der Hamburger Niederlage ohne Folgen blieb, konnte Schmidt der Partie aber sogar Positives abgewinnen. "Wenn das Spiel etwas Gutes gehabt hat, dann, dass wir gesehen haben, wie es nicht geht", stellte er klar - und nahm auch sich selbst nicht aus der Verantwortung. "Wir im Trainerteam haben uns für eine mutigere Variante entschieden, hätten nach dem 0:1 aber vielleicht früher umstellen müssen."

Wohl auch aufgrund der eher dürftigen Leistung im Finale geht Heidenheim als klarer Außenseiter in die Relegationsspiele, der Druck dürfte auf Seiten von Werder liegen. Oder? "Druck hat der Milchmann", schmunzelte Schmidt. "Das hier ist Fußball. Wer uns kennt, der weiß aber, dass wir mit nichts zufrieden sind. Wir haben nicht nur Spaß, sondern sind auch sehr ehrlich. Nach dem Spiel war noch keine Freude da, sondern Enttäuschung über die Niederlage heute. Wir werden jetzt unsere Wunden lecken und uns auf Bremen einstellen. Wir haben in dieser Saison ja schon gegen sie gespielt."

Damals endete die Partie nicht mit dem gewünschten Ergebnis. In der zweiten Runde des DFB-Pokals unterlag der FCH im Weserstadion deutlich mit 1:4. Nach nicht einmal 20 Minuten stand es bereits 3:0 für Bremen. "Unser Anspruch ist es, im Hinspiel viel länger drin zu sein, es ausgeglichener zu gestalten, um im Rückspiel an das Wunder zu glauben", meinte Schmidt - und dürfte auf eine Wiederholung eines Coups von 2011 hoffen. Damals siegte Heidenheim, damals noch Drittligist, in der ersten Runde des DFB-Pokals mit 2:1 gegen Bremen. Auf der Bank: Natürlich Frank Schmidt. Siegtorschütze damals: Marc Schnatterer, der auf der Alm als Joker reinkam.

mib

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