Bundesliga

Weinzierls Rückkehr zum FC Augsburg mit Reue

Augsburg: Zwist mit Reuter beim Abschied 2016 ausgeräumt

"Wie nach Hause kommen": Weinzierls Rückkehr mit Reue

Augsburgs Trainer-Rückkehrer Markus Weinzierl.

Augsburgs Trainer-Rückkehrer Markus Weinzierl. imago images

"Für mich war es wie nach Hause kommen. Es ist kein Geheimnis, dass ich es bereut habe, damals wegzugehen und froh bin, wieder hier zu sein", sagte Weinzierl am Dienstag, nachdem er vormittags die erste Trainingseinheit geleitet hatte. Von 2012 bis 2016 prägte der 46-Jährige die erfolgreichste Ära der Vereinsgeschichte inklusive Europa-League-Teilnahme in der Saison 2015/16.

"Oft merkt man erst, wenn man weg ist, was man alles hatte", sagte Weinzierl, der bei seinen folgenden Engagements auf Schalke und beim VfB Stuttgart nicht glücklich wurde. "Zwei große Vereine mit vielen Nebengeräuschen und schwierigen Bedingungen" seien das gewesen. Nun setzt der Straubinger beim FCA auf den "Wohlfühlfaktor" und den "Nach-Hause-Kommer-Effekt".

Weinzierl: "110-prozentige Entscheidung innerhalb von ein paar Sekunden"

Der Entschluss zur Rückkehr sei für ihn "eine 110-prozentige Entscheidung innerhalb von ein paar Sekunden" gewesen, betonte Weinzierl. Am Samstag und Sonntag hatte er sich zu intensiven Gesprächen mit den Augsburger Verantwortlichen getroffen und am Montag einen Vertrag bis Juni 2022 als Nachfolger des entlassenen Heiko Herrlich unterschrieben. "Für uns war ganz wichtig zu spüren, dass Markus brennt, dass er frisch ist, dass er Lust hat auf die Aufgabe", sagte Reuter.

Manager und Trainer arbeiteten beim FCA vier Jahre lang eng und vertrauensvoll zusammen, ehe sie im Sommer 2016 im Zwist über Weinzierls Wechsel zu Schalke auseinandergingen. "Das war keine Auseinandersetzung zwischen Markus Weinzierl und Stefan Reuter. Wir beim FC Augsburg waren unglücklich über die Art und Weise, wie es abgelaufen ist. Aber das liegt viele Jahre zurück", sagte Reuter. Es habe inzwischen einige Treffen gegeben.

Reuter: "Die Vergangenheit darf die Zukunft in keiner Weise tangieren"

Weinzierl sprach von "Nebengeräuschen" und einer "Meinungsverschiedenheit" und gab zu: "Ich habe natürlich Fehler gemacht. Es war schwierig, den goldenen Weg zu finden." Man habe nach dem ersten Duell mit Schalke in Augsburg im Herbst 2016 ein langes Gespräch geführt, seitdem sei die Sache ausgeräumt und inzwischen "sowieso auch schon verjährt". Reuter ergänzte, man habe das Thema im Zuge der aktuellen Gespräche "im Grunde komplett chronologisch aufgearbeitet. Weil wir die feste Überzeugung haben: Die Vergangenheit darf die Zukunft in keiner Weise tangieren."

Weinzierl: "Jetzt stehe ich auf der richtigen Seite"

"Es war eine Entscheidung, mit der ich viele FCA-Fans enttäuscht habe. Ich hoffe, dass sie mir verzeihen und mir die zweite Chance geben", sagte Weinzierl, der zuletzt fast genau zwei Jahre ohne Job war. Sein letztes Bundesligaspiel war ein 0:6 mit dem VfB in Augsburg am 20. April 2019. Das sei für ihn "ein sehr bitterer Nachmittag" gewesen, aber wenigstens habe er den Augsburger Zuschauern "eine Freude bereitet", scherzte Weinzierl im Rückblick. Ausgerechnet mit einem Spiel in Stuttgart beginnt für ihn nun am 7. Mai die Rettungsmission mit dem FCA. "Jetzt stehe ich auf der richtigen Seite", betonte der Coach.

Weinzierl: "Es ist eine brenzlige Situation"

Bei aktuell vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz sei die Situation "sehr gefährlich", die Tabelle aufgrund ausstehender Nachholspiele "trügerisch", warnte Manager Reuter. Man habe "der Mannschaft verdeutlicht, dass wir alle in der Pflicht sind". Die Spieler seien "unzufrieden und gefordert", betonte Weinzierl: "Es ist eine brenzlige Situation, die man mit keiner Faser des Körpers unterschätzen darf." Er habe aber "den Eindruck, dass sie es kapiert haben, dass sie bereit sind, so schnell wie möglich den Deckel drauf zu machen". Das müssen Weinzierl und sein Team nun beweisen.

David Bernreuther