Bundesliga

Tuchel stellt sich vor: Mehr Ratio als Abenteuer

Kommentar von kicker-Reporter Thomas Hennecke

Tuchel stellt sich vor: Mehr Ratio als Abenteuer

Der neue Architekt auf einer Baustelle, auf der zuletzt vieles zum Erliegen kam: Thomas Tuchel (M.) mit Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc.

Der neue Architekt auf einer Baustelle, auf der zuletzt vieles zum Erliegen kam: Thomas Tuchel (M.) mit Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc. Getty Images

Tuchel findet in Dortmund bessere Voraussetzungen als Jürgen Klopp vor sieben Jahren vor - blühende Landschaften sind es nicht. Dass die Borussia nicht unverschuldet in Turbulenzen geraten ist und den Anschluss nach oben verloren hat, wurde noch einmal exemplarisch deutlich in Berlin, wo das Pokalendspiel zu einem Spiegelbild einer über lange Strecken verkorksten Saison geriet.

Der BVB verteidigte schlecht, kassierte billige Gegentreffer, wirkte ausgebrannt und zahnlos. Mit der grandiosen Mannschaft, die zwischen 2010 und 2013 erst Deutschland und dann ganz Europa in ihren Bann zog, besaß die von Berlin nur noch in Spurenelementen Ähnlichkeit. Tuchel, der am Mittwoch ausdrücklich die "herausragende Trainer-Leistung" seines Vorgängers würdigte , betritt als Architekt eine Baustelle, auf der manches zum Erliegen gekommen ist.

Von ihm werden in erster Linie strategische Reformen und taktische Innovationen erwartet, ein reiferer Fußball, ganz allgemein: mehr Ratio und weniger Abenteuer auf dem Rasen. Das wird Zeit brauchen, möglicherweise mehr als die durch eine Asien-Reise und voraussichtlich vier Qualifikationsspiele zur Europa League verknappte Vorbereitung ihm lässt.

Welches Gesicht sein Kader haben wird, weiß Tuchel noch nicht genau

Thomas Hennecke

kicker-Reporter Thomas Hennecke

Welches Gesicht sein Kader besitzen wird, davon besitzt Tuchel dreieinhalb Wochen vor dem Vorbereitungsstart nur eine ungefähre Vorstellung. Michael Zorc als Chefeinkäufer stehen über die 17,5 Millionen Euro hinaus, die die Transfers von Gonzalo Castro, Julian Weigl und wohl auch Roman Bürki verschlingen werden, keine Mittel zur Verfügung, mit denen sich große Sprünge machen ließen. Außerdem galten schon die zwölf Millionen Euro, die Kevin Kampl im Januar kostete, als Vorgriff auf die neue Saison.

Bevor weitere Investitionen bewilligt werden, müsste Dortmund wohl selbst nennenswerte Transfererlöse erzielen. Zur Schlüsselfigur wird dabei ausgerechnet Ilkay Gündogan, der seinen 2016 auslaufenden Vertrag partout nicht verlängern - und wechseln wollte, bisher aber keinen neuen Arbeitgeber gefunden hat. Erst seine Ablöse, die oberhalb von 20 Millionen Euro liegen soll, versetzt den BVB in die Lage, den Kader noch einmal spürbar aufzuhübschen.

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