Bundesliga

Streich schwärmt von Kwon - und könnte ihn bald ganz verlieren

Wegen der Militärpflicht droht Freiburgs Offensivmann die Abberufung

Streich schwärmt von Kwon - und könnte ihn bald ganz verlieren

In Freiburg so richtig angekommen, aber es droht der langfristige Abschied im Sommer: Freiburgs Chang-Hoon Kwon.

In Freiburg so richtig angekommen, aber es droht der langfristige Abschied im Sommer: Freiburgs Chang-Hoon Kwon. picture-alliance

Mitte November hatte der kicker ausführlich über die Tücken der südkoreanischen Wehrpflicht für Fußballprofis und mögliche Aus- und Umwege mit Blick auf die bisherigen Südkoreaner in der Bundesliga berichtet. Ein Aufhänger war damals der am 30. April 1994 geborene Freiburger Offensivmann Kwon, da gesunde Männer in der Regel bis 26 Jahre nach dem Geburtsjahr antreten müssen.

Verletzung verhindert Teilnahme an Asienspiele

Die SC-Verantwortlichen versuchen für eine Dienstbefreiung respektive einen möglichen Aufschub der Militärpflicht bis nach der Karriere unter anderem Kwons im Mai 2018 bei Ex-Klub Dijon FCO erlittenen Achillessehnenriss geltend zu machen. Wegen dieser Verletzung hatte Kwon seinerseits die Asienspiele verpasst, die Südkoreas Nationalauswahl gewann. Durch diesen Triumph bekamen die teilnehmenden Spieler, zum Beispiel Tottenham-Star Heung-Min Son, den regulären, 20 Monate währenden Dienst an der Waffe erlassen und mussten nur vier Wochen Grunddienst absolvieren, der ohne Probleme in die Sommerpause eines Fußballers passt.

SC kämpft um Aufhebung der 20-monatigen Militärpflicht

Schon andere Profis, wie etwa der Ex-Augsburger Jeong-Ho Hong (Kreuzbandriss 2012), wurden wegen einer schweren Verletzung vom langen Militärdienst befreit. Im Falle von Kwon sieht es nach kicker-Informationen aber eher nicht danach aus, als ob ihn sein Achillessehnenriss vor dem Antritt beim Militär bewahren würde. Dann wäre wohl im kommenden Sommer nach nur zwei Jahren schon wieder Schluss für die Nummer 28 beim Sport-Club. "Das könnte sein, weil er vielleicht zum Militär muss, weil die politischen Verhältnisse anders sind. Das ist nicht auszuschließen", sagte Trainer Christian Streich am Freitag und fügte hinzu: "Wenn er über den Sommer hinaus weiter bei uns spielen könnte, wäre es aber eine extrem freudige Nachricht."

Aufgegeben haben die SC-Verantwortlichen um die Sportchefs Jochen Saier und Klemens Hartenbach diese Hoffnung also noch nicht. Sie waren sich des Szenarios eines möglichen vorzeitigen Abschieds aber schon bei der Verpflichtung 2019 bewusst. Vergleichsweise überschaubare zwei Millionen Euro Ablöse überwiesen sie nach Dijon für den wendigen Dribbler, der sich allerdings noch nicht nachhaltig durchsetzen konnte beim SC. Vor allem wegen Verletzungen. Nach der Ankunft aus Frankreich hemmten ihn zunächst noch die Folgen einer Halswirbelblessur. Im Verlauf der Premierensaison bremsten ihn zwei Muskelfaserrisse aus, so dass am Ende nur zwei Tore und eine Vorlage in 23 Einsätzen in die Statistik eingingen.

In diese Spielzeit startete Kwon mit einem sehenswerten Treffer beim 2:1-Sieg im Pokal bei Waldhof Mannheim, in der Liga blieb ihm an den ersten sieben Spieltagen aber nur die Jokerrolle. Im November infizierte er sich im Kreise der Nationalmannschaft dann als erster und bisher einziger SC-Profi mit COVID-19. Der 1,73-Meter-Mann litt unter leichten Symptomen, kämpfte sich Mitte Dezember zurück in den Kader, stand beim Wiederauftakt am 2. Januar überraschend in der Startelf und zeigte eine erfreuliche Leistung beim 3:1-Sieg über Hoffenheim. In der vergangenen Woche erlitt er bei einem Zusammenprall im Training allerdings eine Verletzung im Bereich des Wadenbeinköpfchens und wird nach SC-Angaben voraussichtlich sechs Wochen ausfallen. Sehr zum Bedauern von Streich.

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"Bei Chang-Hoon ist es extrem ärgerlich, weil er so lange ausgefallen war und so toll gespielt hat in Hoffenheim. Er hat sich brutal rangekämpft und ist von der Persönlichkeit her wirklich ein außergewöhnlicher Mensch, mit einer Zurückhaltung und einem Sinn für die Gesamtheit und die Mannschaft. Das habe ich nicht oft erlebt in meinem Leben und dann tut es doppelt weh, dass er jetzt wieder diese Verletzung hat", brachte der Trainer am Freitag große Anerkennung und sein Mitgefühl zum Ausdruck: "Fußballerisch gesehen ist es echt ein bisschen tragisch. Über Weihnachten konnte er nicht heim. Es ist nicht so einfach. Aber er trägt das mit einer Selbstlosigkeit, daraus kann man nur lernen, das muss ich wirklich sagen."

Rückkehr zu Ex-Klub Suwon Blue Wings?

Um nicht nur menschlich, sondern auch fußballerisch nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen, bleibt Kwon nach seiner Genesung wahrscheinlich nur noch die Rückrunde der laufenden Saison. Das südkoreanische Medium "Besteleven" berichtet bereits von einem klaren Plan für den Sommer 2021: Demnach soll Kwon dann zu seinem Ex-Klub Suwon Blue Wings in die erste Liga seines Heimatlandes zurückkehren, um nach dem nötigen halben Jahr Einsatzzeit in den ersten beiden Spielklassen Südkoreas im Winter zum zweitklassigen Militärklub Gimcheon Sangmu weiterzuziehen. Dort lassen sich Wehrdienst und professioneller Fußball parallel absolvieren - wenngleich das Niveau selbstredend ein gutes Stück unterhalb der Bundesliga anzusiedeln ist. Voraussetzung für diesen Verlauf, der einen Ausstieg aus dem bestehenden Arbeitsvertrag mit dem SC Freiburg beinhaltete, wäre aber wohl eine Einberufung der südkoreanischen Regierung im Sommer.

Hintertür Olympia

Noch aber ist die Zukunft von Kwon nicht endgültig geklärt und ein Verbleib beim SC nicht gänzlich ausgeschlossen. Eine mögliche Hintertür: Kwon gewinnt mit Südkoreas Auswahl im August eine olympische Medaille bei den Spielen in Tokio. Dazu müsste der Freiburger aber erst einmal als einer von nur drei Ü-24-Spielern nominiert werden ...

Carsten Schröter-Lorenz/pab

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