Bundesliga

Jerome Boateng im Interview: "Ich kann noch vielen Mannschaften weiterhelfen"

35-Jähriger über seine Fitness, die Bayern und den DFB

Jerome Boateng im Interview: "Ich kann noch vielen Mannschaften weiterhelfen"

Hält sich in München fit: Jerome Boateng.

Hält sich in München fit: Jerome Boateng. IMAGO/Sven Simon

Wie halten Sie sich aktuell fit, Herr Boateng?

Ich trainiere in München bei der U 23 des FC Bayern mit, zuletzt auch wieder einmal bei den Profis. Dazu arbeite ich mit meinem Privattrainer. Ich befinde mich auf einem sehr guten Fitnesslevel, sonst hätte ich im Training bei den Bayern nicht überzeugen können, was Thomas Tuchel ja bestätigt hat.

Kurzzeitig stand eine Rückkehr zum FC Bayern im Raum, die jedoch nicht zustande kam. Hegen Sie Groll?

Im Gegenteil. Ich bin dankbar, dass ich mittrainieren und mich beweisen durfte. Das wird sich in Zukunft vielleicht noch für mich auszahlen. Aber ich kann sagen, dass ich es gerne gemacht hätte.

Welche sportlichen Pläne haben Sie?

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Ich sehe mich künftig eher im Ausland, nachdem es mit dem FC Bayern nicht geklappt hat, gerne schon ab der Rückrunde. Italien, Spanien, ich bin für vieles offen. Ich habe in den Trainingsspielen beim FC Bayern gemerkt, dass ich vom Niveau her noch mithalten kann, will spielen und in den Rhythmus kommen. Dann kann ich noch vielen Mannschaften weiterhelfen und bin motiviert, meine Trophäensammlung weiter auszubauen. Das war immer mein Anspruch, bei jedem Verein, Titel zu holen.

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Sind die USA ein Thema?

Ich wäre nicht abgeneigt, wenn sich etwas ergeben würde, das habe ich immer gesagt. Andererseits muss dieser Schritt jetzt noch nicht sein, wenn ich auch in Europas Topligen noch mithalten kann.

Sind Sie in Deutschland auch wegen Ihrer Gerichtsprozesse und privater Schlagzeilen schwer vermittelbar?

Ich kann nur sagen, dass die Unschuldsvermutung in diesem Land auch für mich gilt.

Wie lange wollen Sie noch spielen?

Ich bin mental und körperlich auf einem hohen Level, zwei, drei oder vier Jahre, wenn es geht. Solange ich mich halt nicht über den Platz schleppen muss oder Schmerzen habe. Auf welchem Niveau das dann ist, muss man sehen. Wenn es nicht mehr geht, muss und werde ich so ehrlich sein.

Sie sind und waren seit Wochen nah an der Bayern-Mannschaft. Was trauen Sie Tuchels Team zu?

Die Meisterschaft ist bei Bayern immer Pflicht und muss der Anspruch mit dieser Mannschaft sein, auch wenn Xabi Alonso mit Leverkusen es überragend macht. Die Bayern kommen aber im Vergleich medial zu schlecht weg, ihre Bilanz spricht - mit Ausnahme des Ausscheidens im DFB-Pokal für sie.

Und in der Champions League?

Die Gruppenphase war gut, nicht überragend, vor allem aber kein Gradmesser. Ab dem Achtelfinale wird es spannend. Manchester City steht wohl etwas über allen anderen, dann kommen Real Madrid, der FC Bayern und vielleicht der FC Arsenal.

Es liegt nicht immer nur an der Abwehr.

Jerome Boateng über das DFB-Team

Sie bildeten 2014 mit Mats Hummels ein Weltklasse-Duo in der Innenverteidigung beim WM-Gewinn. Warum mangelt es mittlerweile an Elite auf dieser Position?

Mit Antonio Rüdiger haben wir einen Stammspieler bei Real Madrid, Jona Tah hat großen Anteil daran, dass Leverkusen ganz oben in der Liga steht. Und Mats Hummels wurde diese Woche erst zum Man of the Match bei Dortmunds Sieg in Mailand. Ich finde, die Mannschaft als Ganzes kann und muss den Turnaround mit Julian Nagelsmann schaffen, es liegt nicht immer nur an der Abwehr. Generell sollte es eine Ehre sein, für sein Land zu spielen. Dazu gehören Engagement, Mentalität und die nötige Klasse. Das sportliche Tal dauert schon viel zu lange, aber ich glaube an eine starke EM im eigenen Land. Die Mannschaft hat soviel Potential und muss es ab März nur schaffen, die Leute zu begeistern und ihnen wieder Lust auf Länderspiele zu machen. Elemente wie grätschen, kämpfen und füreinander einstehen gehören dazu. Die deutsche U 17 macht es bei der WM aktuell vor.

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