Bundesliga

Vereinslose Spieler: Ein Pokerspiel für Besserverdiener

Unter den Vertraglosen sind sogar Weltmeister

Vereinslose Spieler: Ein Pokerspiel, allerdings nur für Besserverdiener

Marvin Plattenhardt (li.), Shkodran Mustafi (mi.) und Timo Horn sind allesamt noch ohne Vertrag.

Marvin Plattenhardt (li.), Shkodran Mustafi (mi.) und Timo Horn sind allesamt noch ohne Vertrag. imago images (3)

Die 21. Auflage des Camps für arbeitslose Profis der Vereinigung der Vertragsfußballspieler im Sommer liegt schon ein paar Tage zurück. Die Arbeit von Trainer Peter Neururer ist beendet, die der VDV damit aber noch lange nicht getan. Rund 70 Prozent der 40 angemeldeten Spieler haben inzwischen einen neuen Klub gefunden, für sie geht es auf den Plätzen der Nation weiter, wenn auch meist in einer etwas tieferen Liga als zuvor. "Das sieht gar nicht so schlecht aus", sagt Ulf Baranowsky zur diesjährigen Statistik.

Der Geschäftsführer der Spielergewerkschaft weiß, dass die Lage auf dem Arbeitsmarkt für Fußballer unterhalb der großen Fleischtöpfe schwierig ist. "Viele Vereine in der 3. Liga und in den Regionalligen leiden immer noch an den Nachwirkungen der COVID-Zeit, es steht nicht viel Geld zur Verfügung und die Kader sind voller." Für die suchenden Kicker bedeute das, die Erwartungen an Gehälter und das fußballerische Niveau zu bremsen.

Dennoch hätten "gerade junge Spieler bei realistischen Ansprüchen in der Regel ganz gute Chancen". Je älter die Fußballer sind, desto mehr müssten Alternativmöglichkeiten in Betracht gezogen werden. "Ab einem bestimmten Alter sollten sich die Spieler schon damit auseinandersetzen, ein klares Ende zu ziehen und sich für die Zeit nach der Karriere zu rüsten", rät Baranowsky

Fernstudium oder Ausbildung als Absicherung

Die VDV bietet Möglichkeiten zu Vorsorge, Absicherung, Bildung und Berufsplanung. Vor allem für jüngere Fußballer, die nur selten eine Ausbildung neben dem Sport gemacht haben, gibt es Chancen, Berufung und Beruf zu verbinden. "Das geht zum Beispiel mit einem Fernstudium", erklärt der VDV-Boss, "einige Regionalligaklubs bieten auch eine parallele betriebliche Ausbildung an." Während die Auserwählten, die über viele Jahre in der Bundesliga gespielt haben, wirtschaftlich frei von Sorgen sein sollten, gibt es eine breite Masse meist aus den Regionalligen, die sich früh genug Gedanken machen müssen.

Die Zeit der prominenten Fußballer im VDV-Camp scheint ohnehin vorbei. Trainierten früher mit Lukas Sinkiewicz und Christian Rahn sogar zwei Ex-Nationalspieler mit, gehen die derzeit prominenteren arbeitslosen Fußballer wie die ehemaligen DFB-Auswahlspieler Nico Schulz (zuletzt Dortmund), André Hahn (Augsburg), Marvin Plattenhardt (Hertha), Karim Bellarabi (Leverkusen) und die 2014er-Weltmeister Skhodran Mustafi (Levante) und Jerome Boateng (Lyon) meist einen anderen Weg, sagt Baranowsky: "Sie halten sich oft selbst fit und warten ab, in der Hoffnung, eine neue Anstellung im Profifußball zu bekommen." Das sei ein "Pokerspiel, das sich in der Regel nur diejenigen leisten können, die älter sind und schon mehr verdient haben".

Plattenhardt: "Natürlich habe ich mir das anders vorgestellt"

Timo Horn, langjährige Nummer 1 des 1. FC Köln, ist so einer. Seit Sommer ist er vereinslos. "Es gab zwei, drei Angebote aus dem Ausland, die ich abgelehnt habe", erklärt er, "einfach, weil es mir bei den Anfragen schwergefallen wäre, meine Motivation zu finden. Aber ich bin offen für alles." Das gilt auch für Plattenhardt, der nach neun Jahren bei Hertha auf eine neue Anstellung wartet. "Natürlich habe ich mir das anders vorgestellt", räumte der Linksverteidiger in der "Berliner Zeitung" ein und hofft, dass "noch drei bis vier gute Jahre für mich drin sind". Fast die ganze Karriere hat Tanguy Coulibaly (66 Bundesligaspiele für Stuttgart) vor sich. Der französische Flügelspieler ist erst 22, erzielte 2022/23 vier Tore bei 14 Einsätzen - was nicht ausreichte, um einen neuen Klub zu finden.

Jungen Spielern gibt Baranowsky ohnehin eine andere Empfehlung: "Sie müssen spielen und dafür notfalls auch einen Schritt zurückmachen." Bis zum Ende der Winter-Transferperiode dürfen vertragslose Profis noch frei neue Arbeitgeber finden, danach müssten sie bis zum Beginn der neuen Saison warten. Das aber soll sich nach Wunsch der VDV bald ändern. "Wir arbeiten daran, dass diese Transfers auch in der zweiten Saisonhälfte noch möglich werden", sagt der Geschäftsführer, "das würde den Staat beim Arbeitslosengeld entlasten und Druck von den Spielern nehmen".

Patrick Kleinmann, Thomas Hiete

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