Bundesliga

Hertha-Neuzugang Matteo Guendouzi über seine Spielweise, seine Fitness

Herthas Neuer über den Wechsel, seine Spielweise und seine Fitness nach Corona

Guendouzi: "Ich bin zu 200 Prozent bereit"

Matteo Guendouzi brennt auf seinen ersten Einsatz für Hertha BSC.

Matteo Guendouzi brennt auf seinen ersten Einsatz für Hertha BSC. imago images

2018 wechselte Matteo Guendouzi für eine Ablöse von 8 Millionen Euro vom FC Lorient auf die Insel. Beim FC Arsenal gelang dem Talent überraschend schnell der Sprung in die Stammelf. Das Ende war nach 57 Premier-League- und 17 Europa-League-Einsätzen für die Gunners abrupt - und unschön. Im Spiel bei Brighton & Hove Albion (1:2) am 20. Juni würgte Guendouzi Gegenspieler Neal Maupay, der zuvor Arsenal-Keeper Bernd Leno am Knie verletzt hatte - Arsenal-Coach Mikel Arteta warf Guendouzi aus dem Kader. Im Spiel soll Guendouzi gegenüber Landsmann Maupay mit seinem Gehalt geprahlt haben, nach Schlusspfiff sagte Maupay seinerzeit an die Adresse Guendouzis: "Einige der Arsenal-Spieler müssen lernen, was Bescheidenheit bedeutet - vor allem einer von ihnen. Er hat das ganze Spiel geredet und schlechte Dinge gesagt." Für Arsenal machte Mittelfeldakteur Guendouzi danach kein Spiel mehr.

Matteo ist sehr ballsicher und will permanent den Ball.

Trainer Bruno Labbadia

Am 5. Oktober, dem letzten Tag der zurückliegenden Transferperiode, wechselte er auf Leihbasis bis Saisonende nach Berlin - für eine Leihgebühr von 1,2 Millionen Euro und ohne Kaufoption. Hertha hatte sich im zurückliegenden Winter intensiv mit einer Verpflichtung von Arsenals Granit Xhaka befasst, die letztlich am Veto Artetas scheiterte - in den Spielen, die die Berliner Späher verfolgten, fiel ihnen auch Guendouzi sehr positiv auf. "Matteo", lobt Trainer Bruno Labbadia, "ist sehr ballsicher und will permanent den Ball." Manager Michael Preetz nennt ihn einen Spieler "mit einer hohen Aktivität und einem großen Temperament, das auch mal in beide Richtungen ausschlagen kann".

Jens Lehmann? "Ich kenne ihn nicht"

Nach der Unterschrift in Berlin reiste Guendouzi sofort zur französischen U 21. Nach der Rückkehr von den EM-Qualifikationsspielen gegen Liechtenstein und die Slowakei in Straßburg wurde Guendouzi Mitte Oktober positiv auf das Corona-Virus getestet. Es folgten zehn Tage Quarantäne und Cybertraining. Seit Dienstag darf der Kapitän der französischen U 21 mit den neuen Teamkollegen trainieren. Übrigens: Ex-Arsenal-Schlussmann Jens Lehmann, der mit dem Klub 2003/04 ungeschlagen englischer Meister wurde, 2006 im Champions-League-Finale am FC Barcelona scheiterte und seit dem Sommer auf dem Ticket von Hertha-Investor Lars Windhorst im Aufsichtsrat der Hertha-Kommanditgesellschaft sitzt, spielte bei dem Wechsel von London nach Berlin keine Rolle. Als der kicker Guendouzi im Rahmen einer Medienrunde am Mittwoch nach einem möglichen Austausch mit Lehmann fragte, hakte der Franzose bei der Dolmetscherin wegen des Namens nach und sagte über den deutschen Ex-Nationalspieler schließlich: "Ich kenne ihn nicht." Ausführlicher sprach Guendouzi über ...

... seinen Wechsel nach Berlin: "Ich hatte andere Optionen, aber ich habe mir das lange und sehr gut überlegt. Es war für mich eine wichtige und sehr gute Entscheidung. Hertha ist für mich eine sehr gute Mannschaft. Ich freue mich auf meine Mitspieler und die Spiele. Die Bundesliga ist etwas Neues für mich."

... die Rolle von Landsmann Lucas Tousart bei seinem Wechsel: "Ich kenne ihn sehr gut von der französischen U-21-Auswahl. Wir sind auch außerhalb des Sports sehr gut befreundet. Natürlich habe ich ihn vorher viel gefragt. Unser Austausch hat eine Rolle gespielt für meine Entscheidung. Wir kennen uns sehr gut und harmonieren. Wir können so spielen, dass die Vorzüge des anderen noch besser zur Geltung kommen."

... das Cybertraining während der zehntägigen Quarantäne: "Ich musste selten so intensiv und hart arbeiten. Das waren zehn sehr sportliche Tage. Zweimal am Tag gab's über das iPad oder das Telefon Kontakt per Facetime (zu Herthas Athletiktrainer, d. Red.). Das war für mich sehr wichtig, die andere Person zu sehen."

... seinen Fitness-Zustand: "Ich fühle mich jetzt sehr fit und wieder gut und bin zu 200 Prozent bereit für den Sonntag. Ich spiele unglaublich gerne und möchte die 90 Minuten gern durchspielen."

Der Trainer pusht sehr und möchte immer gewinnen, genau wie ich.

... den Umgang mit Corona und mögliche Angst um seine in Paris lebende Familie: "Ich sorge mich nicht und habe auch keine Angst. Es bringt nichts, Angst vor dem Virus zu haben. Wir müssen jetzt damit leben. Man muss sich an die Einschränkungen halten - egal, ob in Frankreich, Italien, Spanien oder Deutschland - und jetzt einfach damit klarkommen. Es brächte nichts, wenn ich hier in Deutschland sitze und Angst um meine Familie in Frankreich habe."

... den Austausch mit Trainer Bruno Labbadia: "Wir hatten schon mehrere Gespräche - auch darüber, was wir erreichen wollen - und lernen uns so langsam kennen. Ich freue mich darauf, ihn noch besser kennenzulernen. Der Trainer pusht sehr und möchte immer gewinnen, genau wie ich. Wir teilen die gleichen Ideen."

Ich habe schon in den ersten Trainingseinheiten gemerkt, dass das Ballbesitz- und das Passspiel sehr stark sind.

... seine Ziele in Berlin: "Ich will so viele Spiele wie möglich gewinnen, mich mit dem ganzen Team weiterentwickeln und mich vor allem auch selbst weiterentwickeln. Es gibt noch viele Ebenen, auf denen ich mich verbessern will. Ich bin sehr motiviert und will jetzt mithelfen, dass positive Resultate kommen."

... Herthas holprigen Saisonstart: "Die Ergebnisse waren zuletzt nicht positiv, aber in den Spielen sind trotzdem gute Sachen passiert. Ich habe schon in den ersten Trainingseinheiten gemerkt, dass das Ballbesitz- und das Passspiel sehr stark sind. Hertha spielt sehr direkt. Vielleicht muss man da manchmal ein bisschen aufpassen."

... seine zwei Jahre beim FC Arsenal: "Ich habe dort über 80 Spiele gemacht und hatte dort eine gute, intensive Zeit. Ich habe dort sportlich sehr viel dazugelernt und bin dort erwachsen geworden. Es waren zwei gute Jahre für mich. Ich hatte auch eine ganz gute Beziehung zu Mesut Özil und Bernd Leno, beide haben mir viel Gutes über die Bundesliga erzählt."

Ich fordere den Ball viel, aber ich gebe ihn auch gerne ab.

... den Konflikt mit Arsenal-Coach Mikel Arteta: "Ich habe danach weniger gespielt, das stimmt. Aber jetzt kann ich hier weiterspielen, deshalb fühle ich mich privilegiert. Ich schaue nach vorn und fokussiere mich auf das, was vor mir liegt."

... einen Vergleich zwischen Arsenal und Hertha: "Man kann die Klubs nicht vergleichen. Sie spielen in unterschiedlichen Ligen, haben unterschiedliche Ambitionen, eine unterschiedliche Philosophie."

... seine Spielweise: "Ich mag es, den Ball oft zu haben und schnell zu spielen. Ich fordere den Ball viel, aber ich gebe ihn auch gerne ab. Ich habe bei Arsenal auf der Sechs und der Acht gespielt und mag beide Positionen gleichermaßen. Ich passe mich da gern an."

... die vielen Franzosen in der Bundesliga: "Es gibt eine neue Generation französischer Spieler, die eine sehr gute Qualität haben und viel nach vorn spielen. Sie können der deutschen Liga helfen. Deshalb holen viele deutsche Klubs französische Spieler."

Steffen Rohr

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