Bundesliga

FCB - BVB: Die Trainer. Die Taktik. Die Chancen.

Kohler: "Dortmund kann Bayern stoppen, aber..."

FCB - BVB: Die Trainer. Die Taktik. Die Chancen.

Taktik-Gipfel: Pep Guardiola empfängt mit dem FC Bayern die Borussia aus Dortmund und Trainer Thomas Tuchel.

Taktik-Gipfel: Pep Guardiola empfängt mit dem FC Bayern die Borussia aus Dortmund und Trainer Thomas Tuchel. imago

"Dortmund ist in der Lage, Bayern in einem Spiel zu stoppen", sagt Jürgen Kohler, "aber nicht über die ganze Saison." Dem bald 50-Jährigen – Kohler feiert am kommenden Dienstag Geburtstag – fehlt es an Breite im BVB-Kader: zu wenig, um mit dem FCB über eine komplette Spielzeit konkurrieren zu können. "Bayern ist einen Tick weiter", ergänzt Michael Rummenigge, der wie Kohler als aktiver Profi für beide Vereine auflief. Der einstige Mittelfeldspieler stimmt zu: "Die Kaderbreite ist ein Unterschied." Schließlich sei Bayern auf 18 Positionen top besetzt, wie Rummenigge betont, und man könne nicht jeden dieser Einzelkönner ausschalten.

Als Gegner ist es wichtig, das Mittelfeld dicht zu staffeln und die Außen zu doppeln.

Jürgen Kohler, Champions-League-Sieger mit Dortmund

Also bedarf es anderer taktischer Maßnahmen. Tuchel wird in der Defensive sein Hauptaugenmerk auf die Flügel legen müssen – "Bayern versucht dort die gegnerischen Außenverteidiger zu binden", analysiert Weltmeister Kohler, "um Platz für die eigenen Außenverteidiger zu schaffen". Häufig warten die rochierenden Douglas Costa, Thomas Müller, Mario Götze und Kingsley Coman darauf, von ihren Partnern auf der Flanke hinterlaufen zu werden. So dringen die Münchner meist gefährlich in den gegnerischen Sechzehner und suchen dann mit scharfen Hereingaben oder präzisen Pässen in den Rücken der Abwehr einen Abnehmer.

Kohler betont: "Als Gegner ist es wichtig, das Mittelfeld dicht zu staffeln und die Außen zu doppeln", so könne dieses explosive, breitgezogene Spiel unterbunden werden. Von 20 Ligatoren erzielten die Münchner bereits zwölf Treffer nach Vorarbeit über die Flügel (viermal über links, achtmal über rechts) - Ligaspitze. "Dortmund ist gut beraten", sagt Rummenigge, "nicht zu weit vorne anzugreifen und auf Konter zu warten."

Michael Rummenigge, Jürgen Kohler

Die Taktik im Visier: Michael Rummenigge und Jürgen Kohler spielten beide für Bayern sowie Dortmund und schätzen nun die Chancen der beiden Teams ein. imago

Die grundsätzlich weit aufgerückte Bayernabwehr geht Risiko, bei unnötigen Ballverlusten sieht sie sich stets in Gefahr, in Eins-gegen-eins- oder Unterzahlsituationen verwickelt zu werden. Was in der vergangenen Saison zu einigen Gegentoren führte – und zum Ausscheiden gegen Real Madrid im Halbfinale der Champions League 2014 –, hatte in der aktuellen Spielzeit noch keine negativen Konsequenzen. Dreimal musste Manuel Neuer bis dato hinter sich greifen, aber nie nach einem gegnerischen Konter. Gegen die Madrilenen offenbarten die Münchner teils gravierende Probleme im Umschaltspiel bei überfallartigen Angriffen der Gegner.

Über dieses schnelle Spiel, wie es Real Madrid praktiziert, verfügen ebenso die Borussen, sagt Kohler. "Benzema hielt vorne die Bälle und legte sie flach, diagonal in die Halbräume ab auf seine schnellen Nebenleute", erklärt der einstige Weltklasse-Verteidiger, "diese Geschwindigkeit hat der BVB mit Aubameyang und Reus auch."

Dortmunds Laufarbeit ist taktisch insgesamt klüger.

Michael Rummenigge, dreimal Deutscher Meister mit dem FC Bayern

Klar, unter Klopp stand Dortmund für Tempo-Fußball wie David Copperfield für Zaubertricks. Die Laufleistung, das Laufpensum und die taktische Laufarbeit aber haben sich unter Tuchel verändert. Im vorigen Jahr rannte das Klopp-Team rund 118 Kilometer pro Spiel; die Tuchel-Elf läuft ökonomischer, rund 111 Kilometer. "Sie rennen nicht mehr nur mit einhundert Prozent an", sagt Rummenigge, "das ist taktisch insgesamt klüger." Jedoch spart kein Team in der Bundesliga in der Laufarbeit mehr Sprit als die Bayern. 110 Kilometer zählt der Tacho im Schnitt nach 90 Minuten – bei ihnen läuft der Ball.

Am Sonntag werden Nuancen entscheiden, und Dortmund steht unter Zugzwang – eine weitere Niederlage würde sieben Punkte Rückstand bedeuten. Zu viel nach nur acht Spieltagen. "In München zu gewinnen", sagt Rummenigge, "ist sehr schwer." Das letzte Aufeinandertreffen, im Halbfinale des DFB-Pokals, aber hat die Borussia für sich entschieden.

Georg Holzner

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