Bundesliga

Fan-Rückkehr: Vier Studien, ein Experiment

DFL und DFB finanzieren Untersuchungen mit

Fan-Rückkehr: Vier Studien, ein Experiment

Grüppchenbildung vermeiden: Der Stadionbesuch ist mit vielen Hinweisen verbunden.

Grüppchenbildung vermeiden: Der Stadionbesuch ist mit vielen Hinweisen verbunden. imago images

Der Leiter der Taskforce Sportmedizin/Sonderspielbetrieb stellte gemeinsam mit Dr. Florian Kainzinger, der die beiden Verbände im Bereich Diagnostik und Tests berät, die einzelnen Studien vor. Die sollen "bei der Planung und Ausrichtung von künftigen Veranstaltungen helfen", schreiben DFL und DFB. Man darf da schon herauslesen, dass der Fußball ein Zeichen setzen möchte gegenüber anderen Bereichen, etwa Kultur und Event oder weniger finanzkräftigen Sportarten, die stärker auf Zuschauereinnahmen angewiesen sind. Ob dies nun aufgrund gesellschaftlicher Kritik, die gerade ob der Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Frühsommer aufkam, passiert ist, oder aus altruistischen Motiven, darüber kann man mutmaßen.

Jedenfalls sollen die bis maximal 20 Prozent des normalen Fassungsvermögens ausgelasteten Stadien - die zugelassenen Zahlen an diesem Wochenende reichen von 0 (FC Bayern) bis 10.000 (Borussia Dortmund) - Erkenntnisse liefern. Etwa zur "Bewertung konkreter Ansteckungsgefahren im Rahmen definierter Zuschauerszenarien", eine Studie, die die medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg und die Ruhr-Universität Bochum durchführen. Eine flankierende Untersuchung befasst sich mit den Bewegungsströmen der Zuschauer rund um das Stadion, um Erkenntnisse mit Blick auf An- und Abreise sowie Ein- und Auslassszenarien zu gewinnen. Eine weitere Studie basiert auf einem Simulationsmodell des Hermann-Rietschel-Instituts der TU Berlin zur Risikoabschätzung von Infektionen in geschlossenen Räumen - Stichwort Verteilung von Aerosolen. Der Fokus in den Arenen liegt auf Hospitality-Bereichen und Sanitäranlagen.

PCR-Schnelltest soll auf Pool-Fähigkeit hin getestet werden

Der vierte Aspekt "steht nicht im Zusammenhang mit dem Thema Zuschauer", erklärte Kainzinger. Die Verbände wollen einen im Oktober auf den Markt kommenden PCR-Test einer Freiburger Firma, der in nur 45 bis 50 Minuten Ergebnisse liefert, auf eine Pool-Fähigkeit hin testen. Sprich: Liefert das Gerät binnen dieser kurzen Zeit auch valide Ergebnisse für Gruppen von fünf bis zehn Personen. Amateurmannschaften bieten sich als Testgruppen an. Solche Poolverfahren können wichtig werden mit Blick auf etwaige Engpässe in der Laborkapazität, die jüngst wegen der zahlreichen Reiserückkehrer-Tests fast ausgeschöpft war.

"Einen kleinen, kontrollierten Schritt machen"

Die Kritik an der Teilzulassung von Fans im DFB-Pokal und nun auch für den Bundesligastart nach einem Beschluss der Chefs der Staatskanzleien ließ zuletzt nicht lange auf sich warten. Schließlich waren es etwa in Italien in Bergamo oder in England in Liverpool im Frühjahr auch Fußballspiele, die als Superspreading-Events zur rasanten Virusausbreitung beitrugen - allerdings bei voller Stadionbesetzung. Die Erkenntnisse aus diesen beiden Partien sind gewissermaßen in der Retrospektive eingeflossen. "In dem Sinne, dass diese Studien jetzt gemacht werden", erklärt Meyer. "Das mahnt uns, vorsichtig vorzugehen und keinen unkontrollierten, großen Schritt zu machen, sondern einen kleinen, kontrollierten." Eben nicht in vollen Arenen, sondern nur mit geringen Kapazitäten. Das klingt ein bisschen wie eine Versuchsanordnung in der Praxis und indirekt gibt Meyer das auch zu: "Wenn wir 5000 Komparsen in ein Stadion zu einem Freundschaftsspiel einladen, dann verhalten die sich anders als bei einem Bundesligaspiel, dann haben wir kein realistisches Szenario." Das ist auch eine Krux an diesem Virus: Man weiß nach wie vor vieles nicht, die Wissenschaft aber ist angewiesen auf Erkenntnissgewinn.

Der ist mit einem Risiko verbunden, zu dem auch der Faktor Mensch gehört: Tragen alle eine Maske? Halten sich alle an Abstandsvorschriften? Das DFB-Pokalwochenende hat da auch die Tücken der Theorie gezeigt. "Wir wissen, dass sich von mehreren tausend Menschen nicht alle optimal verhalten", sagt Meyer und ergänzt: "Das gibt dem Ganzen Qualität der Übertragbarkeit auf das normale Leben."

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