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Die Kind-Kontroverse: Rollt ein Problem auf die Liga zu?

96-Präsident Kramer spricht von "Bösgläubigkeit"

Die Kind-Kontroverse: Rollt ein Problem auf die Liga zu?

Hat er für Ja oder Nein gestimmt bei Abstimmung über einen DFL-Investor? Martin Kind hüllt sich in Schweigen.

Hat er für Ja oder Nein gestimmt bei Abstimmung über einen DFL-Investor? Martin Kind hüllt sich in Schweigen. imago images/Henning Scheffen

Dessen Mitgliederversammlung (MV) hatte am Montag geradeso die nötigen 24 von 36 Ja-Stimmen zusammenbekommen, um die DFL-Geschäftsführer Dr. Steffen Merkel und Dr. Marc Lenz mit der Ausverhandlung eines bis zu eine Milliarde Euro schweren Deals mit einem Private-Equity-Partner zu beauftragen.

Kramer geht nun in einem Interview mit der "Neuen Presse Hannover" davon aus, dass Kind mit "Ja" votiert und sich so als Geschäftsführer der Management GmbH dem Weisungsrecht des e.V., der Kind mit einem "Nein" beauftragt hatte, entzogen habe: "Wir wissen bisher, dass zehn andere Vereine nach eigenem Bekunden mit Nein gestimmt und sich zwei weitere Enthalten haben. Zählt man dann eine Nein-Stimme von Hannover 96 hinzu, fehlt eine Mehrheit für den Investorendeal." Kramer glaubt, dass der Beschluss deshalb nicht gültig sei. Andererseits geht beispielsweise der renommierte Vereinsrechtsexperte Prof. Dr. Lars Leuschner davon aus, dass der Deal dennoch nicht angefochten werden könne. Kind selbst verwies bislang auf das Abstimmungsgeheimnis.

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Dass das Votum nicht-öffentlich stattfand, wird nun vielerorts kritisiert und rein logisch betrachtet ist das nachvollziehbar. Wie anders soll sonst die 50+1-Regel sichergestellt werden, die dem e.V. in derartigen Fragen stets Durchsetzung garantieren soll, wenn die Stimmabgabe nicht überprüfbar ist? Am Montag ging das Prozedere sogar so weit, dass nicht mit digitalen Geräten votiert wurde, sondern in einer Kabine. Ein Funktionär schilderte gegenüber dem kicker, dass er dies erstmals in etwa einem Jahrzehnt erlebt habe im Liga-Verband und das sagt dann vielleicht schon ziemlich viel aus über Transparenz und Vertrauen in genau dieser Sache. Sowohl im Binnenverhältnis zwischen den Klubs als auch im Verhältnis der Offiziellen gegenüber den Fans.

Kramer: "DFL darf das Weisungsrecht nicht selber einschränken"

Ein interessanter Aufsatz des Bonner Professors Alexander Scheuch und dessen Wissenschaftlicher Mitarbeiter Svenia Hesse und Benedikt Fischer in der FAZ nimmt nun die DFL in die Pflicht vor dem Hintergrund, dass dieser der Streit zwischen Kind und dem Stammverein bekannt war: "Soll man sich unter solchen Umständen darauf berufen können, man habe einen möglichen Weisungsverstoß Kinds unter der Augenbinde der geheimen Wahl nicht beobachten können? Einiges spricht dafür, die selbstgewählte Unwissenheit der Kenntnis gleichzusetzen." Die Liga nämlich zieht sich auf den Standpunkt zurück, dass die Ungereimtheit nur das Binnenverhältnis zwischen Kind und e.V. betreffe, sie zu Ende gedacht also keine Sorge dafür tragen muss, ob Kind auch weisungskonform abgestimmt hat.

Zudem schildern die Autoren noch ein anderes Problem, das sich ob des möglichen Verstoßes gegen die 50+1-Regel durch Kind ergibt: "Der Gedanke liegt deshalb nicht fern, dass Stimmen, die nur infolge eines Verstoßes gegen diese Satzungsregel abgegeben werden konnten, nicht mitgezählt werden dürfen. Wenn man Kinds mutmaßliche Ja-Stimme so einordnet, lautete das Ergebnis 23 zu 12. Die Mehrheit wäre verfehlt worden." Und weiter: "Es besteht allemal ein reales Risiko, dass der im Ligaverband gefasste Beschluss nichtig ist. Die am Montag unterlegenen Klubs könnten versuchen, dies per Klage feststellen zu lassen."

Auch in Kramers Augen hätte die Liga Sorge dafür tragen müssen, dass Kind im Sinne des e.V. abstimmt: "Denn die DFL hat die 50+1-Regel nach ihrer eigenen Satzung zu beachten und öffentlich bekundet, dass wir als Mutterverein ein uneingeschränktes Weisungsrecht haben. Dann darf aber die DFL das Weisungsrecht nicht selber einschränken, erst recht nicht proaktiv durch eine überhaupt nicht beantragte und abgestimmte geheime Wahl. Sie kannte, auch bestätigt, seit letztem Freitag den Beschluss des Muttervereins, wie Hannover 96 zu stimmen hat, und ist damit bösgläubig im juristischen Sinne." Womöglich rollt nun doch ein größeres Problem auf die Liga zu.

Benni Hofmann

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  • Für Investitionen u.a. in Digitalisierung wollte die DFL-Führung Kapital von einen Investor einholen.
  • Die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit wurde bei der geheimen Abstimmung auf die Stimme genau erreicht.
  • Nach einer außerordentlichen Sitzung hat die DFL beschlossen, den Partnerprozess nicht weiterzuführen.