Als sich die Basis von Hertha BSC Mitte November im CityCube in der Messe Berlin zur Mitgliederversammlung einfand, klang Geschäftsführer Thomas E. Herrich betont optimistisch. "Eines der wichtigsten Themen ist die Re-Finanzierung der Anleihe", sagte Herrich, der zum 30. Juni - eineinhalb Jahre vor Vertragsende - seinen Posten räumen wird, damals. "Wir sind auf einem sehr guten Weg."
Und als der Hauptstadtklub Ende Februar den Finanzbericht fürs zweite Halbjahr 2024 vorlegte, wurde in Sachen Zuversicht sogar noch ein Gang hochgeschaltet. Hertha habe mit mehreren Partnern ein an die Unternehmensplanung angepasstes Finanzierungskonzept entwickelt, teilte der Verein am 28. Februar mit. Dieses Konzept versetze Hertha "in die Lage, die im Herbst anstehende Rückzahlung der Anleihe fristgerecht vornehmen zu können".
Im Klartext: Hertha verkündete, eine Lösung für die im November 2018 aufgenommene und 2023 um zwei Jahre bis November 2025 verlängerte 40-Millionen-Nordic-Bond-Anleihe zu haben. Knapp zweieinhalb Monate später gestalten sich die Dinge etwas komplizierter: Am Dienstag leitete der Zweitligist das zweite schriftliche Verfahren für die Änderung der Anleihebedingungen zur Einführung einer Verlängerungsoption der Anleihe ein. Dieses Verfahren beginnt am 12. Mai und endet am 3. Juni - rechtzeitig vor der DFL-Frist für die Erfüllung der Bedingungen und Auflagen im aktuellen Lizenzierungsverfahren, die am 4. Juni endet.
Das erste Verfahren verfehlte das erforderliche Quorum
Im ersten Abstimmungsverfahren zur Anleiheverlängerung, das seit dem 10. April lief und am 6. Mai endete, war nicht das erforderliche Quorum von 50 Prozent teilnehmender Anleihegläubiger (nach Nennbetrag) erreicht worden. Der Klub hatte den Anleihezeichnern am 7. April mitgeteilt, dass er ein Verfahren mit dem Ziel einleite, "die Anleihebedingungen dahingehend" zu ändern, "dass der Gesellschaft eine einseitige Option eingeräumt wird, die es ihr ermöglicht, die Laufzeit der Anleihe um sechsunddreißig Monate bis zum 8. November 2028 zu verlängern, den Zinssatz ab dem 8. November 2025 (ausschließlich) auf 6,5 % p.a. zu reduzieren und die fälligen Zinsen künftig nicht mehr quartalsweise, sondern jährlich zu zahlen. Zudem würde die Option es der Gesellschaft ermöglichen, die Anleihe jederzeit vollständig oder teilweise ab dem 8. November 2025 zu einem Betrag von 100 % des Nennbetrags zuzüglich aufgelaufener, aber nicht gezahlter Zinsen zurückzuzahlen."
Die Ablöse-Finanzierung der Anleihe steht noch immer nicht
Die im Klub als Plan B skizzierte dreijährige Verlängerung der Anleihe würde im aktuellen Lizenzierungsverfahren den Druck verringern und Hertha vermutlich bessere Karten in den Verhandlungen mit Banken bescheren, um Plan A - die Ablöse der Anleihe im November 2025 - zu realisieren.
Im Disclaimer des Anleihe-Investoren-Updates vom Dienstag heißt es dazu: "Die Emittentin hat ein vollumfängliches Refinanzierungskonzept für den Nordic Bond erarbeitet. Die Umsetzung der Finanzierungsvereinbarungen, wie sie derzeit von der Emittentin geplant ist, ist noch nicht finalisiert. Darüber hinaus will sich die Emittentin alle Finanzierungsmöglichkeiten für die kommende Saison 2025/2026 offenhalten. Dies schließt die mögliche Verlängerung der Anleihe zu neuen Konditionen ein, die auch die sinkenden verfügbaren Einnahmen der Emittentin aus der Vermarktung der Medienrechte in der 2. Bundesliga berücksichtigen." Und weiter: "Wenn die Finanzierungsvereinbarungen der Emittentin nicht wie derzeit geplant umgesetzt werden, ist die vorgeschlagene Änderung der Anleihebedingungen erforderlich, um den solventen Betrieb der Emittentin in der 2. Bundesliga für die kommende Saison 2025/2026 sicherzustellen."
Hertha unter Druck: Wenn Plan A nicht greift, muss Plan B gelingen
Mit anderen Worten: Trotz des vor elf Tagen gesicherten Klassenerhalts ist Plan A, die Ablöse-Finanzierung der börsennotierten Nordic-Bond-Anleihe, von der Hertha Ende Februar gesprochen hatte, bisher nicht gelungen. Und hinter Plan B, der als eine Art Fallschirm angedachten Option der Anleihe-Verlängerung, steht weiter ein Fragezeichen.
Das weckt bei manchen Erinnerungen an den Drahtseilakt im Lizenzierungsverfahren nach dem Bundesliga-Abstieg 2023. Damals hatte der finanziell schwer angeschlagene Klub im zweiten Versuch die Laufzeit der Anleihe um zwei Jahre verlängert. Ein erstes Hertha-Angebot - 8,5 statt der 2018 bei der Zeichnung der Anleihe vereinbarten 6,5 Prozent Zinsen - hatte seinerzeit die nötige Mehrheit verfehlt. Erst nach der nochmaligen Aufstockung auf 10,5 Prozent Zinsen war die Verlängerung der Anleihe bis November 2025, die für die Lizenzerteilung elementar war, fixiert worden.
Aktuell geht keiner der Hertha-Bosse von einem ähnlichen Lizenz-Krimi wie 2023 aus. Bis zum 4. Juni muss Hertha bei der DFL Lösungen liefern. Es werden spannende Tage im Berliner Westend.


