Bundesliga

Bayern-Bosse verteidigen Katar-Engagement

Scharfe Kritik von Fans, Amnesty und der Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung

Bayern-Bosse verteidigen Katar-Engagement

"Am Dialog führt kein Weg vorbei": Oliver Kahn.

"Am Dialog führt kein Weg vorbei": Oliver Kahn. IMAGO/Philippe Ruiz

Katar wird wegen der schwierigen Menschenrechtslage im Emirat von vielen Menschen kritisch gesehen, doch Vorstandschef Oliver Kahn wies mit Nachdruck darauf hin, dass sich die Lage auch wegen des Fußballs gebessert habe.

Im Rahmen der zweistündigen, teilweise hitzigen Diskussion, sagte Kahn, dass die bereits durchgeführten Reformen in Sachen Menschenrechte "ein bisschen abschätzig" betrachtet werden. Es sei aber "sehr, sehr viel passiert. Natürlich ist es noch nicht so, wie wir uns das alle vorstellen. Aber am Dialog geht kein Weg vorbei. Dann bin ich zutiefst überzeugt, dass sich Dinge verändern."

Zu viel dürfe man vom Sport, der zwar "viel bewegen" könne, aber auch nicht erwarten. Kahn weiter: Dennoch könne "der Fußball ein sehr, sehr wichtiger Mosaikstein" sein. Ähnlich äußerte sich FCB-Präsident Herbert Hainer, der betonte, dass "Verbesserungen nur durch Hinschauen und Dialog angestoßen" werden können: "Am Dialog geht kein Weg vorbei. Ich bin der festen Überzeugung, dass man diesem Land eine Chance geben muss!"

Wenn da keine rote Linie für eine Werbepartnerschaft erreicht ist, wo gibt es dann überhaupt noch eine rote Linie für den FC Bayern?

Michael Ott

Eine andere Position vertaten derweil die Bayern-Mitglieder Michael Ott und Robin Feinauer, der mit Blick auf die schwierigen Arbeitsbedingungen die Frage stellte, "wie viele Menschen denn noch sterben müssten, bis das Ende des Reformprozesses erreicht" sei. Ott wiederum zählte Missstände auf und fragte: "Wenn da keine rote Linie für eine Werbepartnerschaft erreicht ist, wo gibt es dann überhaupt noch eine rote Linie für den FC Bayern?"

Neben Klub- und Fanvertretern nahmen auch Externe an der Gesprächsrunde in der Allianz Arena teil - insgesamt waren es zehn Diskutanten, darunter Sigmar Gabriel. Der frühere Außenminister zeigte sich von der scharfen Kritik erstaunt und forderte vielmehr, Katar in dessen Reformprozess zu unterstützen: "Wir sollten uns nicht auf ein hohes moralisches Podest stellen." So sei auch Deutschland "wahrlich nicht so liberal gewesen wie heute", als der Politiker 1959 geboren wurde. Derweil sagte WM-OK-Chef Hassan Al-Thawadi, "dass wir das Menschenmögliche gemacht und uns dem Fortschritt verpflichtet haben".

WM in Katar ist auch Thema im Bundestag

Das Thema beschäftigte am Montag aber nicht nur den FC Bayern, sondern auch den deutschen Bundestag, wo es zu diesem Thema eine Anhörung vor dem Sportausschuss gab. Dabei warf die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) Katar eine anhaltende Verletzung von Menschenrechten und sogar Rückschritte gegenüber den Vorjahren vor.

Amnesty attestierte dem Land zwar Fortschritte, doch seien diese durch Untätigkeit der katarischen Regierung zum Teil wieder rückgängig gemacht worden. "Die Umsetzung der Reformen ist mangelhaft. Wir sehen eine Stagnation", sagte AI-Expertin Katja Müller-Fahlbusch im Bundestag. Innerhalb der katarischen Wirtschaft formiere sich "zunehmend Widerstand gegen die Reformen". Ohnehin gebe es laut Amnesty "spürbare Verbesserungen" fast nur auf den direkten WM-Baustellen, wo aber lediglich "etwa zwei Prozent" aller Arbeitsmigranten beschäftigt seien. AI prangert an, dass "70 Prozent aller Todesfälle nicht untersucht werden".

Deutliche Kritik übte auch die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Luise Amtsberg: "Die Menschenrechtslage ist besorgniserregend", sagte sie in ihrem schriftlichen Bericht, in dem es auch heißt, dass die WM "niemals an diesen Staat hätte vergeben werden dürfen". Ähnlich sieht es auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der im kicker-Interview seine kritische Haltung untermauerte. Man könne schon heute "mit Sicherheit sagen, dass es eine der umstrittensten Weltmeisterschaften ist, die bisher stattgefunden haben".

drm

Diese Bundesliga-Neuzugänge für die Saison 2022/23 stehen fest