Bundesliga

Noch keine Tests: Sind die Bundesliga-Schiedsrichter bereit für Re-Start?

Viele offene Fragen rund um Ersatzlösungen und Maßnahmen im Videocenter

Noch keine Corona-Tests: Sind die Bundesliga-Schiedsrichter bereit für einen Re-Start?

Deniz Aytekin

Bereit für den Re-Start? FIFA-Schiedsrichter Deniz Aytekin. imago images

Rund um den Einsatz der Unparteiischen in den Stadien und im Videocenter gibt es noch viele offene Fragen, die vom DFB bisher unbeantwortet blieben.

Am morgigen Donnerstag ist eine Videokonferenz der Schiedsrichter-Elite-Kommission mit den Referees geplant, zunächst mit den 26 der Bundesliga, danach mit den 22 der 2. Liga. Es ist die erste digitale Zusammenkunft der Unparteiischen seit dem 9. April. Zwischendurch gab es durchaus interessante Neuigkeiten rund um die mögliche Wiederaufnahme des Spielbetriebs in den beiden höchsten deutschen Ligen. Gerade durch das detaillierte DFL-Konzept. Auf die Pressekonferenz von Liga-Chef Christian Seifert am 23. April wurden die Schiedsrichter von ihrer Führung am Nachmittag des Folgetages per E-Mail-Link hingewiesen. Einige der Referees, die bald Geisterspiele leiten sollen, fühlen sich derzeit nicht gerade optimal informiert und vorbereitet.

Bisher wurde noch kein Bundesliga-Schiedsrichter getestet

So wurde bisher nach kicker-Informationen noch kein Bundesliga-Schiedsrichter, von denen einige aktuell auch außerhalb des Homeoffice ihren normalen Berufen nachgehen, auf das Coronavirus getestet. Da bei positiven Befunden in der Regel eine 14-tägige häusliche Quarantäne angeordnet wird, könnte es sein, dass Schiri-Boss Lutz Michael Fröhlich einige Referees beim Bundesliga-Neustart am 15. Mai nicht zur Verfügung stehen.

Überhaupt werden mögliche positive Coronatests der Schiedsrichter-Einsatzleitung personelle Herausforderungen bescheren. Laut DFL-Konzept sollen sich die Schiedsrichter früh morgens am Vortag des Spiels testen lassen - entweder bei einem heimatnahen Klub oder schon am Spielort im Rahmen der Testroutine der Heimmannschaft. Der zweiten Option steht allerdings der Plan gegenüber, dass die Schiedsrichter, um Kontakte und die sonst vorgeschriebene Übernachtung am Spielort zu vermeiden, möglichst erst am Spieltag direkt mit dem eigenen PKW zum Stadion fahren sollen. Müssen die Schiedsrichter dann womöglich zweimal zum Spielort fahren?

Was passiert bei einem kurzfristigen Ausfall?

Egal wo die Tests stattfinden - was passiert, wenn am Abend vor dem Spiel respektive spätestens bis 10 Uhr am Spieltag, wie es im DFL-Konzept vorgeschrieben ist, die Testergebnisse vorliegen und ein Schiedsrichter einen positiven Befund erhält? Steht so kurzfristig ein Ersatz mit kurzer Anfahrtszeit bereit? Oder soll der 4. Offizielle oder ein Linienrichter, einige von ihnen sind zumindest selbst Zweitliga-Schiedsrichter, die Spielleitung übernehmen? Das passiert schon seit Jahren, wenn sich ein Referee während einer Partie verletzt.

Aber ist durch die besonderen Umstände nun die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Zweitliga-Schiedsrichter mitunter brisante Bundesligapartien leiten müssen? Denn aus dem Kreise der 26 Erstliga-Schiris werden auch noch Video-Assistenten (VAR) für jedes Spiel benötigt. Obendrein kommen nach kicker-Informationen mehrere Erstliga-Referees derzeit aus Verletzungsgründen für die aktive Rolle auf dem Rasen nicht in Frage.

Welche Schutzmaßnahmen werden im "Kölner Keller" getroffen?

Das führt zu den nächsten spannenden Fragen. Welche Schutzmaßnahmen werden im Kölner Video-Assist-Center (VAC) getroffen? Dort sitzen normalerweise pro Spiel vier Menschen - ein VAR, ein Assistent des VAR und zwei Operatoren - eng beieinander vor einer Vielzahl von Bildschirmen und müssen ständig miteinander sprechen. Werden nun Plexiglaswände innerhalb des Quartetts montiert? Wie werden die einzelnen Spiel-Arbeitsplätze von den anderen im "Kölner Keller" abgeschirmt? Werden alle beteiligten Personen, auch die im Nebenberuf tätigen Operatoren, zuvor auf das Coronavirus getestet? Ist ein negativer Coronatest Voraussetzung um das Gebäude von Hausherr RTL betreten zu dürfen? Stehen für die VAR im Falle von positiven Befunden ebenfalls Ersatzkräfte bereit?

Zusammengefasst: Sind die Elite-Schiedsrichter für den potenziell erhöhten Personalbedarf bei einem Bundesliga-Re-Start gewappnet?

Manuel Gräfe

Schiedsrichter Manuel Gräfe sieht sich eine Szene am Monitor noch einmal an. imago images

Zu all diesen Fragen wollte sich die Elite-Schiedsrichterkommission des DFB am Mittwoch gegenüber dem kicker nicht äußern und verwies über einen Sprecher am späten Mittag auf die von DFL und Politik noch nicht final geklärten Bedingungen für einen Re-Start. Erst danach wolle man zum Vorbereitungsstand der Elite-Schiedsrichter Auskunft geben. Da unterscheidet sich der DFB in Sachen Referees deutlich von der DFL, die große Teile ihrer Re-Start-Pläne detailliert und transparent vorgestellt hat.

Wenig später am Mittwochnachmittag gab die Politik das Go für einen Bundesliga-Neustart. Am Abend wurde dann auch noch der genaue Starttermin vonseiten der DFL kommuniziert: Es ist der 15. Mai 2020.

Lesen Sie auch einen Kommentar: Höchste Disziplin ist das Gebot der Stunde

Umfrage: Die Bundesliga darf wieder starten - die richtige Entscheidung?

Carsten Schröter-Lorenz

So geht es weiter: Das Restprogramm der Bundesligisten