Bundesliga

Wie Seifert die Liga einschwört

DFL und DFB wollen Studien mitfinanzieren

Wie Seifert die Liga einschwört

Christian Seifert

Der Profi-Fußball steht vor einer noch komplizierteren Saison: DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. imago images

Der Sprecher des DFL-Präsidiums und Geschäftsführer der DFL-GmbH fand nach der virtuellen Mitgliederversammlung (die Beschlüsse im Überblick) beinahe schon staatstragende Worte - und machte der Veranstaltungs- und Kulturbranche Mut.

Dort und auch in den meisten anderen Sportarten gehe es um Existenzen. "Alle Gewerke die zur Veranstaltungsindustrie gehören, blicken in einen tiefen und finsteren Abgrund", sagte Seifert, der die Frage, ob denn zum aktuellen Zeitpunkt Zuschauer in den Stadien das richtige Zeichen seien, als berechtigt bezeichnete. "Vielleicht hat aber auch eine andere Perspektive ihre Berechtigung", führte der Manager aus: "Vielleicht wäre das ein positives Zeichen, zu belegen, dass sich tausende Menschen an Hygieneregeln halten können, wie das Millionen seit Monaten tun."

Vielleicht wäre das ein positives Zeichen, zu belegen, dass sich tausende Menschen an Hygieneregeln halten können, wie das Millionen seit Monaten tun.

Christian Seifert über die Rückkehr von Fans

Dass sich der Ligaverband mit seinen 36 Mitgliedern für das Veranstaltungsthema einsetzt, hat selbstredend auch mit Interessen des Fußballs zu tun. Zuschauereinnahmen, Emotionen im Stadion, letztlich Kundenbindung. Seifert aber spricht auch über ein "Zeichen für Kultur, ich rede ausdrücklich nicht nur über den Profifußball".

DFL und DFB begleiten wissenschaftliche Studien

Deshalb werden DFL und DFB mehrere Studien wissenschaftlich begleiten. Konkret geht es dabei um eine Untersuchung zur Bewertung von Ansteckungsgefahren im Rahmen verschiedener Zuschauerkonzepte, zur Dokumentation von Zuschauerbewegungen rund ums Stadion, zu Erkenntnissen über die Verteilung von Aerosolen in geschlossenen Räumen mit dem Ziel der Präventionsempfehlung und zur Validierung geeigneter Pooltesting-Verfahren mit PCR-Schnelltests. Genaue Zahlen nannte Seifert nicht, aber die beiden Verbände werden sich nach seinen Angaben "im deutlich siebenstelligen Bereich" an den Forschungen beteiligen. Man werde die "Erkenntnisse so früh wie möglich mit allen interessierten Parteien teilen - auch über den Sport hinaus für den gesamten Kultur- und Veranstaltungsbereich", führte der Manager aus.

28.000 Tests - Seifert wurmen falsche Behauptungen

Gerade mit Blick auf die Tests wurmen Seifert offenbar nach wie vor Behauptungen, der Fußball nehme anderen, relevanten Gruppen Kapazitäten weg, die er erneut als "falsch" bezeichnete. Etwa 28.000 Tests haben Bundesliga und 2. Liga über gut zwei Monate benötigt, um die Saison 2019/20 nach dem Re-Start zu Ende zu führen, sagte Seifert. Tatsächlich lagen die wöchentlichen Testkapazitäten laut dem Berufsverband der akkreditierten medizinischen Labore (ALM) damals bei 600.000 bis 700.000 pro Woche.

981.556 Tests wurden laut ALM in der letzten Augustwoche durchgeführt, das Volumen liegt laut Verband aktuell bei maximal 1,2 Millionen pro Woche. Daher empfehlen die ALM auch eine Anpassung der Teststrategie von anlasslos zurück zu anlassbezogen. Insofern befürchtet Seifert "keine Engpässe, Sie können das relativ leicht ausrechnen". Bei rund 1100 Lizenzspielern plus Staff und zwei Tests pro Woche kommt die DFL in der Tat nicht unbedingt wie ein Kapazitätenfresser daher.

"Das Problem ist nicht das Testvolumen an sich, das bestätigen alle Labore. Wir haben aber das einschränkende Kriterium, dass die Tests zu einem bestimmten Zeitpunkt durchgeführt werden müssen und auch vorliegen müssen, damit man spielen kann", erläuterte der 51-Jährige. Daher ziele eine der Studien auch darauf ab, unter Umständen eigene Strukturen zu schaffen, um "im Fall von Engpässen medizinisch validiert und überwacht diese Tests auch durchführen zu können". Davon lebt schließlich die Liga. Zuschauereinnahmen sind das eine, die Mediengelder und als Voraussetzung dafür die Spiele selbst bilden die Hauptgrundlage der Finanzierung eines jeden Klubs. Zumal "der Ausfall von einigen Spielen, weil Tests nicht schnell genug fertig werden, schon ein ziemlich großes, logistisches Problem" wäre.

Die Organisation der jetzigen Spielzeit wird wesentlich komplizierter werden als die Beendigung der vergangenen Saison.

Christian Seifert

Denn in den Augen des Bundesliga-Machers wird "die Organisation der jetzigen Spielzeit wesentlich komplizierter werden als die Beendigung der vergangenen Saison". Schließlich stehen nun auch wieder internationale Klubwettbewerbe und Nationalmannschaftsverpflichtungen an. Das verlange "enorme Disziplin von Spieler- und Betreuerstäben über einen langen Zeitraum", schilderte Seifert. Er klang dabei fast wie ein Trainer, der seine Mannschaft mit emotionalen Worten auf eine ganz, ganz schwierige Partie vorbereitet.

Benni Hofmann