2. Bundesliga

Thioune passt zum neuen Weg - und hat dem HSV etwas voraus

Kommentar

Thioune passt zum neuen Weg - und hat dem HSV etwas voraus

Daniel Thioune in Hamburg - am 16. Juni holte er mit Osnabrück beim HSV ein 1:1.

Daniel Thioune in Hamburg - am 16. Juni holte er mit Osnabrück beim HSV ein 1:1. imago images

Es gab viele HSV-Trainer oder Verantwortliche, die sich in der Vergangenheit auf dem Podium im Pressekonferenzraum des Volksparkstadions vorgestellt haben. Fast alle traten mit großen Worten an. Und mit großer Enttäuschung wieder ab. Bei Daniel Thioune war am Montag vieles anders, und das lag nicht nur daran, dass die Veranstaltung aufgrund von Corona digital stattfand - dem Osnabrücker ist es gelungen, große Worte zu vermeiden und doch große Lust und großen Hunger auszustrahlen. Das allein wird nicht den Erfolg zurück nach Hamburg bringen. Es war aber ein Auftritt, der zu dem Weg passt, den der HSV künftig einschlagen will und muss.

Mit der Brechstange und dem Einsatz von Millionen ist am Ende nicht mehr der Klassenerhalt in der Bundesliga gelungen und zwei Mal auch der Aufstieg nicht. Spätestens die Rückzüge vom Hauptsponsor und von Stadionsponsor Klaus-Michael Kühne waren die letzten noch fehlenden Zeichen, dass es ein "Weiter so" nicht geben kann. Auch Thioune hat wie etliche seiner Vorgänger von großen Potenzialen beim HSV gesprochen, er zeichnete aber dabei nicht das Bild von einem schlafenden Riesen, sondern von einem Gebilde, in dem immer noch genug steckt, wenn alle anpacken, wenn alle bereit sind, die Gegebenheiten anzunehmen und sich zu entwickeln.

Der HSV steht vor seinem dritten Zweitligajahr. Das bedeutet: Er ist nicht mehr die Attraktion, die Besonderheit, die sich in dieser Liga nur verirrt hat. Er findet sich exakt dort wieder, wo er nach dem Niedergang im letzten Jahrzehnt hingehört. Mit Thioune hat er einen Trainer präsentiert, der (noch) nicht den großen Klang, dem HSV aber durchaus etwas voraus hat: Sein ganz persönlicher Weg ging in den zurückliegenden drei Jahren vom Nachwuchs- zum von mehreren Klubs begehrten Zweitligatrainer stetig nach oben. Er soll zunächst einmal für eine neue Realität stehen. Und allein Realismus würde in Hamburg schon den Aufbruch in eine neue Zeitrechnung bedeuten.

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Sebastian Wolff

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