Bundesliga

Schwarz brodelt und rechnet mit seinen Spielern ab

Mainz: Emotionaler Auftritt des Trainers

Schwarz brodelt und rechnet mit seinen Spielern ab

Total bedient von seinen Spielern nach dem 0:3 in Frankfurt: Der Mainzer Coach Sandro Schwarz.

Total bedient von seinen Spielern nach dem 0:3 in Frankfurt: Der Mainzer Coach Sandro Schwarz. imago

Selten hat man Coach Schwarz so aufgebracht erlebt, so ehrlich zu sich selbst und so deutlich kritisierend. Die jüngsten Ereignisse, gerade das erneute 0:3-Debakel bei der Eintracht, aber haben etwas in ihm ausgelöst: eine enorme Unzufriedenheit und eine neue Kämpfermentalität. "Man kann Spiele verlieren", sagt er, aber es gehe um die "Art und Weise", die in Frankfurt "fürchterlich und frustrierend war".

Die Schuld für solche Auftritte sucht er als erstes bei sich selbst, allerdings nimmt Schwarz nun auch seine Spieler in die Pflicht. "Wenn ich mich hinterfrage, müssen die Spieler das auch tun", betont er lauthals. Bei dem einen oder anderen Profi im Team fehlen ihm die Selbstreflexion, der Ehrgeiz, das Engagement und "der Widerstandsgeist". Er bemängelt die "Intensität", die sein Team in puncto "Physis" vermissen lässt. "Es gibt ein klares Gesamtbild, wo unsere Probleme liegen - auf und außerhalb des Platzes", kritisiert der Coach.

Heißt: Die Mannschaft trainiert zwar couragiert, mehr aber auch nicht. Keine Zusatzschichten, kein Eigenantrieb. "Es ist doch kein Zufall, dass wir keine zwei Spiele am Stück mit voller Intensität bestreiten." Natürlich ist das kein Zufall, solange die Spieler im Kopf nicht bereit sind, den Körper leiden zu lassen.

Ich kann die Leute verstehen, die fragen: Was spielen die eigentlich?

Trainer Sandro Schwarz

Man merkt Schwarz den - etwas überspitzt formuliert - inneren Würgereiz regelrecht an, wenn er über die Emotionslosigkeit seiner Spieler spricht: "Ich kann die Leute verstehen, die fragen: Was spielen die eigentlich? Was trainieren die eigentlich?" Ratlos fügt er hinzu: "Man sieht nicht unser wahres Gesicht, das bricht einfach weg."

Lediglich in Heimspielen seien Ansätze der Mainz-05-DNA gelegentlich ersichtlich. Um in der sieben Spiele andauernden "Endphase", wie Schwarz den Schlussspurt wiederholt nennt, zu bestehen, wird er knallhart durchgreifen. "Wir brauchen Mentalitätsspieler, Zuverlässigkeit, eine viel höhere Aktivität in der Arbeit gegen den Ball", stellt er unüberhörbar klar. Zu softe Spieler dürften es schwer haben, zum Einsatz zu kommen. Schwarz will Kämpfer. Denn er prangert auch an: "Wenn wir eine Emotionalität hätten, würden unsere Spiele nicht so aussehen wie in Frankfurt."

Wenn wir eine Emotionalität hätten, würden unsere Spiele nicht so aussehen wie in Frankfurt.

Trainer Sandro Schwarz

Jetzt ist jeder einzelne gefragt, "Eigenverantwortung zu übernehmen", wie der Coach fordert. Dafür werden "Gespräche notwendig sein". Intensive Dialoge, scharfe Kritik - ganz ohne Rücksicht. Denn der Trainer weiß: "Wir können nichts mehr schönreden." Trotzdem glaube er fest daran, "dass wir den Klassenerhalt schaffen können, und sei es über die Relegation".

Dem Ur-Mainzer ist es bitter ernst, die Schonfrist für Spieler ist endgültig vorbei. Schwarz‘ emotionaler Vortrag war ein Signal, das gezeigt hat, wie sehr es in ihm arbeitet und brodelt. Die Spieler müssen nun beweisen, dass ihnen Mainz 05 genauso wichtig ist wie dem Coach. Dafür braucht es aber mindestens dieselbe Emotionalität.

Georg Holzner

Bilder zur Partie Eintracht Frankfurt - 1. FSV Mainz 05