Bundesliga

Schließt "Instinkt-Fußballer" Pantovic die Prömel-Lücke?

Union Berlin: Techniker fühlt sich im Zentrum am wohlsten

Schließt "Instinkt-Fußballer" Pantovic die Prömel-Lücke?

Feine Technik, guter Abschluss: Milos Pantovic will seine Qualitäten auch bei Union Berlin zeigen.

Feine Technik, guter Abschluss: Milos Pantovic will seine Qualitäten auch bei Union Berlin zeigen. IMAGO/Matthias Koch

Bundesweit bekannt geworden ist Milos Pantovic durch seine Qualitäten als Distanzschütze. Wenn von dem Neuzugang des 1. FC Union Berlin die Rede ist, haben viele Fußball-Fans jene beiden Tore im Kopf, mit denen der 25-Jährige für den VfL Bochum in der vergangenen Saison für Aufsehen sorgte. Am 11. Spieltag gelang ihm gegen die TSG Hoffenheim (2:0) ein Treffer aus 66 Metern Entfernung, zwei Wochen später am 13. Spieltag gegen Freiburg (2:1) eines aus 45 Metern.

Wegen seiner Qualitäten als Distanzschütze hat Union den gebürtigen Münchner jedoch nicht in die Hauptstadt gelotst. Pantovic, der ablösefrei aus Bochum kam, soll bei den Eisernen auch die Lücke schließen, die der Abgang von Grischa Prömel hinterlassen hat. Auch wenn der 1,85 Meter große Mittelfeldakteur von der Spielanlage anders ist als der nach Hoffenheim abgewanderte Vize-Kapitän Unions. Wo Prömel der Mann war, der über Laufstärke und Physis kam, ist Pantovic mehr der Mann mit Intuition. "Was mich auszeichnet, ist der Instinkt", sagte er am Samstagnachmittag im Trainingslager der Eisernen im brandenburgischen Bad Saarow im Rahmen einer Medienrunde über sich selbst.

Wer von Pep nichts lernt, hat nicht gut zugehört, da spitzt man doppelt und dreifach die Ohren.

Milos Pantovic

Eine feine Technik und ein guter Abschluss werden ihm ebenfalls attestiert. Seine fußballerischen Qualitäten verdankt Pantovic auch der Ausbildung beim FC Bayern, wie er sagt. Beim Rekordmeister durchlief er die Jugend, spielte in der 2. Mannschaft und durfte unter Pep Guardiola trainieren. Von dem Star-Coach hat er Etliches mitgenommen. "Wer von Pep nichts lernt, hat nicht gut zugehört", betont er. Guardiolas Autorität sei immens, ergänzt er, "da spitzt man doppelt und dreifach die Ohren".

Dass er sich beim Branchenprimus aus München nicht durchsetzen konnte, ist für Unions neuen Mittelfeldakteur "kein Weltuntergang". Bei einem europäischen Top-Klub wie den Bayern nicht den Durchbruch zu schaffen, heiße nicht, dass man es nicht doch zum Bundesligaspieler schaffe, so Pantovic. "Dann probiert man halt den Weg über die 2. Liga zu gehen."

Zulj rät zum Wechsel zu den Eisernen

Das hat bei Pantovic funktioniert, und mit seinen Leistungen beim VfL Bochum im Jahr eins nach dem Aufstieg hat sich der Serbe in den Fokus anderer Klubs gespielt - etwa des 1. FC Union. Das Interesse beruhte durchaus auf Gegenseitigkeit, und sein Kumpel Robert Zulj - von Januar 2020 bis Juni 2021 Kollege von Pantovic in Bochum und in der Saison 2018/19 ein Aufstiegs-Held bei Union - habe ihm geraten, vom Ruhrpott nach Berlin-Köpenick zu wechseln. Dort waren die "ersten Tage sehr positiv", wie Pantovic sagt. Trainerteam, Staff und Mitspieler hätten sich viel Mühe gegeben, ihn schnell zu integrieren, "sie haben das überragend gemacht. Ich war von der ersten Sekunde an drin. Es hat sich gezeigt, dass Union ein toller Verein ist."

Pantovic bevorzugt das Zentrum

Der neue Mann, der die Rückennummer 32 bekommt, die sein Kumpel Zulj in der Saison 2018/19 bei Union hatte, findet, dass sich ein alter und neuer Klub "von der Atmosphäre im Grundsatz ähnlich sind". Union, so Pantovic, sei indes bereits "einen Step weiter als Bochum", ein Verein, der "angekommen ist in Bundesliga". Bei dem will auch Pantovic nun den nächsten Schritt gehen und "schauen, ob ich mich durchsetzen kann". Seinen Platz im von Coach Urs Fischer bevorzugten 3-3-2-2-System sieht er auf einer der beiden offensiven Halbpositionen im Mittelfeld. "Ich fühle mich im Zentrum am wohlsten", sagt er, betont aber, dass er auch auf Außen und "als Spitze oder Halbspitze" agieren könne.

Oberstes Ziel ist der Klassenerhalt

Auf jeden Fall will der Instinktspieler die Eisernen mit seiner Art Fußball bereichern - und Erfolg haben. Dass man bei Union zunächst erstmal wieder den Ligaerhalt als Ziel proklamiert, findet das Verständnis des Neuzugangs. "Union ist ein bodenständiger Verein, der über die Arbeit kommt. Auch wenn man sich über die letzten Jahre etwas sehr Gutes aufgebaut hat, glaube ich nicht, dass man jetzt durchdrehen und von ganz großen Dingern träumen sollte", sagt Pantovic, "wenn wir in erster Linie mal den Klassenerhalt sichern, ist das schon sehr gut." Union habe ein "straffes Programm" mit Liga, Pokal und Europa League, "und da sollten wir uns erstmal darauf konzentrieren, in der Liga Punkte zu sammeln. Und alles andere kann man immer noch schauen."

Andreas Hunzinger

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