In beiden Testspielen der Vorbereitung schickte Markus Anfang zu Spielbeginn ein Team auf den Rasen, das sehr nahe an der derzeit besten Elf des 1. FC Kaiserslautern ist und auch zum Rückrundenauftakt am kommenden Samstag gegen Ulm so auf dem Rasen stehen könnte. Nur einer passte da nicht so recht rein: Tobias Raschl. Der 24-Jährige übernahm am Samstag bei 5:1 gegen Progres Niederkorn wie schon am vergangenen Mittwoch beim 4:0 über Bravo Ljubljana den offensiveren Part im zentralen Mittelfeld. Mit Erfolg. In beiden Spielen hat Raschl getroffen, gegen die Slowenen sogar besonders schön aus der Distanz.
Das ist alles andere als zufriedenstellend für einen Spieler seiner Qualität.
FCK-Boss Thomas Hengen
In der Hinrunde gab es diese Momente nicht. Raschl stand nur ein einziges Mal in der Startelf. "Er hat trotz seiner guten Trainingsleistungen diese selten im Wettkampf bringen können. Warum auch immer, das ist schwer zu sagen. Das ist natürlich alles andere als zufriedenstellend für einen Spieler seiner Qualität", erklärt Geschäftsführer Thomas Hengen. Trainer Markus Anfang sieht die Sache sehr ähnlich: "Wenn er in den Spielen reingekommen ist, hat er nicht die Leistung gebracht, die er zeigen kann."
Daher stehen nur sehr dürftige 152 Spielminuten, verteilt auf zehn Einsätze, in Raschls Zweitligabilanz. Dazu kommen 79 Minuten in zwei DFB-Pokalspielen. "Was Tobi im Moment total abgeht, ist die Torgefährlichkeit. Da muss er zulegen, das ist in der Effektivität einfach zu wenig. Weil ein Spieler mit seiner Qualität kann das. Das müssen wir halt dann auch irgendwann mal sehen", fordert Hengen. An einem Tor war Raschl in den Pflichtspielen dieser Saison nicht beteiligt.
Direkter Konkurrent Kaloc mit anderen Stärken

Torschütze gegen Braunschweig: Filip Kaloc IMAGO/Werner Schmitt
Sein größter Konkurrent um den offensiveren Platz im zentralen Mittelfeld steht immerhin bei einem Tor und einer Vorlage. Filip Kaloc, der 1,90 Meter große Tscheche, bringt wesentlich mehr Robustheit auf den Platz und sucht mit seinem starken rechten Fuß auch immer wieder den Abschluss aus der Distanz.
Raschl misst 1,77 Meter und hat seine Stärken mit dem Ball am Fuß. Die Spielidee von Markus Anfang müsste ihm also eigentlich liegen. "Für ihn spricht eine gewisse Ballsicherheit, die er aber leider in den Spielen nicht so reinbringen konnte, wo der Trainer mehr Spielkontrolle haben wollte", so Hengen. "Tobi muss zulegen, keine Frage, die Konkurrenz ist nicht klein."
Je nach Ausrichtung in der Offensive, beispielsweise wenn Anfang auf das Trio Ragnar Ache, Daniel Hanslik und Daisuke Yokota setzt, ist auch Marlon Ritter ein Kandidat für die Raschl-Position. Prinzipiell auch Philipp Klement, der jedoch seit Ende September nicht mehr zum Einsatz gekommen ist. In manchen Spielen setzt das Trainerteam auch darauf, beide Positionen im zentralen Mittelfeld defensiver auszurichten. Heißt: Aus der Runde von Afeez Aremu, Leon Robinson, Boris Tomiak, Luca Sirch oder Jan Gyamerah könnten auch zwei Spieler im Mittelfeld spielen.
Offensichtlich hat Raschl aus der Kritik, den Gesprächen mit den sportlich Verantwortlichen und den eigenen Erfahrungen der vergangenen Monate die richtigen Schlüsse gezogen. "Ich finde, dass er im Training schon gezeigt hat, dass er besser geworden ist", lobt Anfang. Die beiden Tore in der vergangenen Woche dürften ihm Selbstvertrauen geben.
Doch klar ist auch: beide Testspielgegner waren vom Niveau her kein Gradmesser für den FCK. Der beim BVB ausgebildete frühere Junioren-Nationalspieler muss in der Liga zeigen, was er kann. Sonst wird er weiterhin nicht die Rolle spielen, die sie ihm auf dem Betzenberg zutrauen.


