Bundesliga

Polster: "Auch Favre hat Fehler gemacht"

Köln - Gladbach: Toni Polster im großen kicker-Interview

Polster: "Auch Favre hat Fehler gemacht"

Toni Polster

Freut sich auf das Derby: Toni Polster wartet auf den Befreiungsschlag von Gladbach. imago

kicker: Sie spielten sechseinhalb Jahre in der Bundesliga, davon fünf beim 1. FC Köln, ehe Sie zu Borussia Mönchengladbach wechselten. Wo hat es Ihnen besser gefallen, Herr Polster?

Polster: Ich bin beiden Vereinen sehr dankbar. In Köln hatte ich mehr Spaß am Fußballspielen, das muss ich zugeben, aber Gladbach gab mir nach der aktiven Karriere die Chance, weiterhin im Fußball tätig sein zu können.

Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Dortmund Borussia Dortmund
15
2
Bayern Bayern München
15
3
Wolfsburg VfL Wolfsburg
11
Trainersteckbrief Favre
Favre

Favre Lucien

Trainersteckbrief Stöger
Stöger

Stöger Peter

kicker: Verfolgen Sie Ihre beiden Ex-Klubs noch?

Polster: Ja natürlich, sogar sehr intensiv. Für einen Fußballlehrer wie mich sind Bundesligaspiele absolute Pflichttermine.

kicker: Besuchen Sie noch öfter die Stadien?

Polster: Das ist etwas schwierig, weil ich ja selbst als Trainer arbeite. Ich versuche es, meist klappt es aber erst im Dezember.

kicker: Mittlerweile coachen Sie Viktoria Wien. Macht Ihnen der Trainerjob Spaß?

Polster: Spaß ist das Fundament. Mein Ziel ist es, wieder nach Deutschland zu kommen - als Trainer, das wäre schön. Die Bundesliga ist mein großer Wunsch, aber ich finde auch die 2. Liga sehr attraktiv.

Vorsicht! Irgendwann gelingt der Borussia der Befreiungsschlag.

Toni Polster warnt den 1. FC Köln

kicker: Ihr Landsmann und aktueller Trainer des 1. FC Köln, Peter Stöger, hat den Sprung in die Bundesliga geschafft.

Polster: Er macht das wunderbar und hat sich mit dem Team vieles erarbeitet. Jeden einzelnen Schritt meistert Peter bisher bravourös. Zuerst gelang der Aufstieg, dann der Klassenverbleib in der Bundesliga. Nach einer solchen Kontinuität wurde in Köln seit Jahren gesucht. Es scheint so, als wäre er der ideale Mann. Im Moment sieht es auch danach aus, dass er die Mannschaft nochmals weiterentwickelt.

kicker: Sein Gegenüber am Samstag, Gladbach-Coach Lucien Favre, erlebt derzeit ein Tief und muss mit der Borussia eine Niederlage nach der anderen hinnehmen.

Polster: Favre ist schon lange bei Gladbach, ein solches Tief kann passieren. Jetzt muss das Team so schnell wie möglich wieder rauskommen. Bei einer derartigen Negativserie, wo alle Fehler machen, wird auch der Trainer einen Fehler gemacht haben. Aber ich bin mir sicher: Sie fangen sich wieder.

Lucien Favre, Toni Polster, Peter Stöger (v.l.n.r.)

Trainer-Hattrick: Der aktuelle Coach des SC Wiener Viktoria, Toni Polster, bewertet die Arbeit der Kollegen Lucien Favre (l.) und Peter Stöger (r.) bei seinen Ex-Klubs. imago

kicker: Von welchen Fehlern sprechen Sie?

Polster: Es ist einiges schiefgelaufen. Zudem fehlen wichtige Spieler. Der Ausfall von Martin Stranzl fällt deutlich schwerer ins Gewicht als gedacht. Max Kruse wechselte zu Wolfsburg und Christoph Kramer zu Leverkusen - das sind alles entscheidende Faktoren.

kicker: Sehen Sie den 1. FC Köln im Derby also als Favoriten?

Polster: Vorsicht! Angeschlagene Gegner sind immer gefährlich - oder wie sagt man da: Angeschossene Tiere beißen oft. Bei Derbys würde ich keine Vorhersage wagen. Denn eines ist klar, irgendwann gelingt der Borussia der Befreiungsschlag.

kicker: Beide Teams mussten heftige Niederlagen verkraften. Köln ein 2:6 in Frankfurt; Gladbach eine ganze Serie. Wer holt sich im Derby die Punkte und das Selbstvertrauen zurück?

Polster: Das ist schwierig zu sagen. Ich trage beide Mannschaften in meinem Herzen, von daher tippe ich auf ein 2:2.

kicker: Wenn Sie auf Ihre aktive Derbyzeit zurückblicken - was ist Ihnen in Erinnerung geblieben?

Peter Wynhoff

Packendes Duell: Peter Wynhoff machte Toni Polster das Leben auf dem Platz schwer. imago

Polster: Die Stimmung war immer unglaublich. Auf diese reizvollen Spiele freut sich jeder Fußballer. Dafür lohnt es sich, jeden Tag hart zu trainieren. Es waren packende Duelle.

kicker: Hatten Sie einen "Lieblingsgegenspieler"?

Polster: (lacht) Oh ja. Peter Wynhoff. Er hat vor dem Derby sowas von nichts gespielt, und nach dem Derby auch wieder. Aber gegen mich beziehungsweise uns war er voll da. Wenn er auf der Bank gesessen hat, wusste ich, dass wir gewinnen.

kicker: Ein so geliebter Gegenspieler waren auch Sie - und zwar für Markus Babbel. Er bezeichnete Sie einst bei Markus Lanz als "großes Kino" und erzählte, dass Sie ihn meist 90 Minuten lang "zugelabert" hätten und er sich kaum mehr auf das Spiel habe konzentrieren können. Sie hätten sogar nach einem Tor von Ihnen im Schmäh zu ihm gesagt: "Junge, du kannst nichts dafür, war nicht dein Fehler."

Polster: Super (lacht). Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Es war jedenfalls alles im Rahmen, alles ist fair abgelaufen. Ich habe gerne gegen Markus gespielt - schließlich habe ich häufig getroffen.

kicker: Werfen wir einen Blick auf den österreichischen Fußball. 17 Österreicher stehen in der Bundesliga unter Vertrag.

Alles, was bei Österreich gut gelaufen ist, hätte auch schiefgehen können.

Toni Polster über die erfolgreiche EM-Qualifikation der österreichischen Nationalmannschaft

Polster: Man sieht, dass sich die Mannschaft und die Spieler entwickelt haben. Wir sind alle sehr begeistert und freuen uns, endlich wieder bei der Europameisterschaft, einem Großereignis, dabei zu sein.

kicker: Wie betrachten Sie diese positive Entwicklung?

Polster: Ich bin der Meinung, dass alles, was gut gelaufen ist, auch hätte schiefgehen können. Das darf man nicht vergessen. Ein Torwart ohne Spielpraxis lieferte eine starke Partie ab. Ein Ruben Okotie, der sich in einem Loch befand, traf für Österreich. David Alaba fehlte lange verletzt - es wurde kompensiert. Einige hatten mit Reisestrapazen zu kämpfen, und dennoch ging es glücklicherweise gut.

kicker: Was trauen Sie als 97-maliger Nationalspieler Ihren Landsleuten zu?

Polster: Lassen Sie uns bitte bescheiden auf dem Boden bleiben. Die Gruppenphase zu überstehen, wäre ein Traum. Wir sind aktuell die Nummer neun in Europa, das heißt, wir brauchen und werden uns vor niemandem verstecken. Deutschland wird gegen uns aber trotzdem immer der Favorit sein.

Interview: Georg Holzner

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