Bundesliga

Paukenschlag beim VfB! Zorniger muss gehen

Stuttgart: Kramny übernimmt

Paukenschlag beim VfB! Zorniger muss gehen

Brachte nicht den erwünschten Erfolg nach Stuttgart: Alexander Zorniger.

Brachte nicht den erwünschten Erfolg nach Stuttgart: Alexander Zorniger. imago

"Besonders die Art und Weise der Niederlage am vergangenen Samstag hat uns sehr beschäftigt. Dabei haben wir die Auswirkungen auf die Mannschaft und das Trainerteam analysiert und bewertet und sind heute Vormittag zu dieser Entscheidung gekommen", sagte Stuttgarts Präsident Bernd Wahler.

"Alexander Zorniger ist mit dem Auftrag angetreten, viele konzeptionelle Dinge in die Wege zu leiten", sagte Sportvorstand Robin Dutt: "viele Dinge fruchteten auch." Allerdings nicht alle, insbesondere blieb der Erfolg aus. Nach einem Gespräch der beiden, das am Dienstagmorgen um 10 Uhr vor dem Training stattgefunden hat, "gab es auf beiden Seiten nicht mehr die Überzeugung, dass der gemeinsame Weg erfolgreich bestritten werden kann", berichtete Dutt. Letztendlich hat Dutt in dem Gespräch den Eindruck gewonnen, dass "der Trainer am Ende selbst nicht mehr hundertprozentig überzeugt war, wie der das Team zurück in die Erfolgsspur bekommen kann."

Zorniger wollte nicht gegen seine Überzeugung spielen

Dutt sei die Entlassung des Trainers, den er selbst vor dieser Saison geholt hatte, schwer gefallen. "Alexander Zorniger ist ein hervorragender Trainer", so Dutt, das Gespräch sei "sehr emotional" gewesen. "Als Trainer trage ich auf und neben dem Platz die volle Verantwortung für das Team", wurde Zorniger vom VfB zitiert. Kompromissbereit zeigte er sich bei den Gesprächen offenbar aber nicht. "Ich stehe für eine bestimmte Spielweise und hätte teilweise gegen meine Überzeugung handeln müssen."

Komplettes Trainerteam muss gehen

Mit dem Cheftrainer werden auch die Co-Trainer André Trulsen, Armin Reutershahn sowie Torwartrainer Andreas Menger mit sofortiger Wirkung freigestellt. "Uns war es wichtig, in dieser Ausnahmesituation neue Beziehungsgeflechte aufzubauen", begründete Dutt die nahezu komplette Entlassung des Trainerstabs.

Der Trainer der U23 des VfB Stuttgart, Jürgen Kramny, übernimmt bis auf weiteres als Interimstrainer und bereitet die Mannschaft auf das wichtige Spiel am Sonntag in Dortmund vor. Aber auch darüberhinaus könnte der 44-Jährige eine Lösung sein. "Kramny ist eine Interimslösung ohne Zeitbegrenzung", sagte Dutt. Kramnys Aufgabe sei es nun, den Verein wieder ein eine erfolgreiche Zeit zu führen. An der grundsätzlich, auf Balleroberung und schnellem Umschaltspiel basierenden Spielphilosophie soll auch unter Kramny festgehalten werden. "Der Verein gibt die Leitplanken vor", sagte Dutt, innerhalb dieser Vorgaben entscheidet der Trainer allerdings selbst.

Über mögliche Nachfolgekandidaten wurde noch nichts bekannt, Dutt hat sich damit nach eigener Aussage noch nicht beschäftigt. "Wir brauchen Zeit und wollen das in Ruhe vorbereiten", antwortete er auf entsprechende Fragen.

In der Verarbeitung der 0:4-Niederlage gegen Augsburg hatte Dutt noch in der Montagsausgabe des kicker erklärt, weiter am Trainer festhalten zu wollen. "Das Vertrauen ist da, weil wir glauben, dass es ein Ausrutscher war, und dass es ein Ausrutscher bleibt." Allerdings werde man so ein Spiel "ein weiteres Mal nicht dulden". Eine klare Warnung an die Mannschaft - zu der der Trainer zwangsläufig auch gehört. Seit Dienstagmittag muss man sagen: Gehörte!

 

Dutt und Präsident Wahler schienen trotz aller sportlicher Defizite nicht anders handeln zu können, weil Zornigers Zukunft mit der ihren verknüpft ist. Der Coach war ihr Wunschkandidat. Der komplette Verein hatte sich eigentlich Zornigers Spielweise und Weg verschrieben.

Vor dem Augsburg-Spiel gab es keinen Ansatz, dass etwas nicht stimmt.

VfB-Sportvorstand Robin Dutt

Wahler hat schon zwei Fehlgriffe (Veh, Schneider) zu verantworten. Gemeinsam mit Dutt wurde im Mai Besserung versprochen. Mit der Entscheidung, Zorniger nun doch zu entlassen, ist das Duo quasi mit gescheitert.

Leser sehen Hauptschuld bei der Vereinsführung

In einer am vergangenen Sonntag gestarteten Umfrage wollte der kicker wissen, wer die Verantwortung für die sportliche Krise beim VfB trägt. Bis zur Entlassung Zornigers am Dienstagmittag stimmten 11.873 User ab: 27,9 Prozent gaben den Spielern die Schuld. 31,8 Prozent wähnten den Trainer als Schuldigen und 40,3 warfen der Vereinsführung Versagen vor.

Zorniger stieg beim VfB Stuttgart in diesem Sommer als Cheftrainer ein. Zuvor war der 48-Jährige als Coach bei RB Leipzig unter Vertrag. Mit den finanzstarken Sachsen realisierte Zorniger in den drei Jahren (Juli 2012 bis Februar 2015) den Durchmarsch von der Regionalliga in die 2. Bundesliga. Doch dem Anspruch, direkt weiter in die Bundesliga zu ziehen, konnte er gemäß den Vorstellungen des damaligen RB-Managers Ralf Rangnick nicht genügen.

Seine erste Cheftrainer Trainerstation war Normannia Gmünd (2004 bis 2009), ehe er im Sommer 2009/10 als Assistenztrainer beim VfB Stuttgart unter Markus Babbel einstieg. Zur Saison 2010/11 wurde er Trainer beim damaligen Regionalligisten Großaspach.

Kurios: Dritter VfB-Trainer muss nach Niederlage gegen Augsburg gehen

Der FC Augsburg erweist sich damit immer mehr als "Stolperstein" für VfB-Trainer. Denn mit Alexander Zorniger musste bereits der dritte Coach der Schwaben nach einer Niederlage gegen die Fuggerstädter seinen Hut nehmen. am 24. November 2014 nahm Armin Veh einen Tag nach dem 0:1 gegen den FCA seinen Hut und am 26. August 2013 wurde Bruno Labbadia nach einem 1:2 in Augsburg vor die Tür gesetzt.

George Moissidis/bst/jer

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