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09.05.2019, 20:40

"Das ist die Art des Fußballs, die ich geil finde"

David Wagner: Nah bei Klopp - aber geprägt von Rangnick

Es ist eine Premiere. David Wagner betritt als Trainer die Bundesliga-Bühne. Vor allem durch die sensationelle Reise mit dem kleinen Klub Huddersfield Town bis in die Premier League machte der 47-Jährige auf sich aufmerksam. Doch für welche Art von Fußball steht der neue Coach vom FC Schalke eigentlich?

David Wagner mit Jürgen Klopp und Ralf Rangnick
Prägende Weggefährten: David Wagner mit Jürgen Klopp und Ralf Rangnick.
© imago (2)Zoomansicht

Die Vergleiche kennt Wagner zur Genüge: Er und Jürgen Klopp, seit gemeinsamen Profi-Zeiten bei Mainz 05 enge Freunde, ähneln sich. Nicht äußerlich, aber teilweise in der Ausdrucksweise, was die Art betrifft, wie beide Fußball spielen lassen - und dies an der Seitenlinie begleiten. Auf dem Rasen und daneben soll die Post abgehen: Dynamisch, energisch, rasant, emotional, Vollgasfußball eben.

Da liegt der Schluss nahe: Wagner, mehr als vier Jahre jünger und zudem sechs Jahre später als Trainer eingestiegen, hat sich diesen Stil von Klopp abgeschaut. Irrtum. "Was die Spielidee betrifft, bin ich von Ralf Rangnick geprägt worden", betont Wagner im Herbst 2016, als der kicker dem deutschen Coach mit US-Pass erstmals in Huddersfield einen Besuch abstattet.

Seine Trainerlaufbahn startet der in Frankfurt am Main geborene Wagner nämlich bei der TSG Hoffenheim. In der Saison 2007/08 trainiert er die U 19, in der Spielzeit danach die U 17 der Kraichgauer. "Besonders in meinem ersten Jahr hat mich Ralf als A-Jugend-Trainer viel teilhaben lassen. Ich war oft beim Training der Profis dabei, mit im Trainingslager in Österreich und habe so viele Insider-Einblicke bekommen", erinnert sich Wagner.

Für Biologie und Sport macht Wagner kurz Pause mit der Trainerkarriere

Nach einer Trainerpause, in der er sich mit den Fächern Biologie und Sport einem Lehramtsreferendariat an einem Gymnasium widmet, es aber nicht abschließt, kommt im Sommer 2011 ein Angebot von Borussia Dortmund. Klopp ist mit dem BVB gerade zum ersten Mal Deutscher Meister geworden und Wagner übernimmt die zweite Mannschaft. "Ralf und Jürgen sind total unterschiedliche Charaktere und Menschen. Aber die Idee des Fußballs, die beide lieben, ist sich ähnlich", sagt Wagner: "Dementsprechend hat es mit mir und Dortmund gut gepasst."

In über vier Jahren bei der U 23 der Schwarz-Gelben mit kurzem Draht zur Trainingsarbeit bei den Profis verinnerlicht Wagner viele Abläufe, wie etwa einen Standard-Wettbewerb im Abschlusstraining, und intensiviert die Liebe zu dieser Spielidee. Bevorzugtes System: Ein aktives 4-2-3-1 mit hohen Außenverteidigern, Spielaufbau oft über eine Dreierreihe, wenn sich ein Sechser zwischen die Innenverteidiger fallen lässt. Das Ziel: Mit viel Tempo und Energie den Gegner im Pressing und Gegenpressing unter Druck setzen, um ihn dann überfallartig zu überrumpeln.

"Das ist die Art des Fußballs, die ich geil finde"

"Das ist die Art des Fußballs, die mir Spaß macht, die ich geil finde", sagt Wagner. Ab November 2015 mischt er beim damaligen englischen Zweitliga-Kellerkind Huddersfield noch eine Prise mehr Ballbesitz dazu und führt den Klub in gut eineinhalb Jahren sensationell in die Premier League. "Auf unserem bescheidenen Niveau wollen wir einen Fußball spielen wie Leipzig, Hoffenheim, Dortmund oder Liverpool", konstatiert Wagner im Spätherbst 2016, ein paar Monate vor dem Aufstiegsmärchen.

Im ersten Jahr Premier League, als dem laut Wagner "größten Underdog aller Zeiten" letztlich sensationell der Klassenerhalt gelingt, führt das 4-2-3-1 noch ausreichend oft zum Erfolg. Gegen die dominanten Topteams setzt der Coach aber schon meistens auf mehr Defensive mit einer Fünferabwehrkette im 5-4-1. Diese Formation, oder wahlweise ein 4-5-1, ist in der aktuellen Huddersfielder Abstiegssaison, in der sich Wagner und der Klub Mitte Januar vorzeitig trennten, schon häufiger zu sehen. Der Grund: Ein Mangel an für das hohe Level in Englands Eliteklasse qualifizierten Außenbahnspielern. Seine Sommer-Transfers sind in dieser Hinsicht nicht wie gewünscht eingeschlagen, wie er beim kicker-Besuch im Herbst 2018 einräumt.

Wagner und Schalke: Natürlich keine Erfolgsgarantie

Wagner kann sich also anpassen. Er ist kein Dogmatiker und tritt auch nicht als Taktik-Professor auf. Seine Teams packt er mit einem pragmatischen Plan, den er mit seiner charismatischen Ansprache mit Leben füllt. Wagner ist ein positiver Typ, kann mit seinem einnehmenden Wesen Menschen begeistern. Im Fußball kann man es als Trainer nie allen Profis rechtmachen - viele seiner ehemaligen Schützlinge berichten allerdings von einem guten Miteinander.

Das Gesamtpaket, garniert mit der Zugehörigkeit zum Eurofighter-Kader, könnte gut zu Schalke passen, ist freilich jedoch keine Erfolgsgarantie. Wagner muss seine Eignung nun erstmals in der Bundesliga unter Beweis stellen. Unter ganz anderen Voraussetzungen als zuletzt. Schalke dümpelte in 2018/19 zwar oft orientierungslos durch den Tabellenkeller, ist von den finanziellen Möglichkeiten und dem eigenen Anspruch her allerdings alles andere als ein krasser Außenseiter.

Bei den Königsblauen muss er dieser Rolle gerecht werden. Aus Sicht der Knappen am besten bis mindestens 30. Juni 2022 - so lange läuft das Arbeitspapier, dass der 47-jährige Rückkehrer am Donnerstag unterschrieb.

Carsten Schröter-Lorenz

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weitere Infos zu Wagner

Vorname:David
Nachname:Wagner
Nation: USA

Vereinsdaten

Vereinsname:FC Schalke 04
Gründungsdatum:04.05.1904
Mitglieder:155.000 (01.07.2018)
Vereinsfarben:Blau-Weiß
Anschrift:Ernst-Kuzorra-Weg 1
45891 Gelsenkirchen
Telefon: (02 09) 36 18 0
Telefax: (02 09) 36 18 109
E-Mail: post@schalke04.de
Internet:http://www.schalke04.de


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