Bundesliga

Nach langer Pause und interner Aussprache: Haberer eine Startelfoption

Streich und der Engpass auf der Sechs - Restchance bei Santamaria

Nach langer Pause und interner Aussprache: Haberer eine Startelfoption

Bei den Bayern eingewechselt, nun eine Option vom Start weg: Janik Haberer (l.), hier gegen Thomas Müller.

Bei den Bayern eingewechselt, nun eine Option vom Start weg: Janik Haberer (l.), hier gegen Thomas Müller. imago images

Wechselwunsch, Versteckspiel in Sachen Vertragslage und Verletzung, lange Abwesenheit wegen externer Reha, eine weitere Operation im Herbst - die zweite Hälfte des Jahres 2020 verlief für Janik Haberer äußerst unglücklich. Lange Zeit war sein Einsatz beim 2:1-Heimsieg gegen Hertha BSC am 16. Juni 2020 sein letzter öffentlicher Auftritt für den SC Freiburg gewesen.

Doch am Sonntag stand Haberer erstmals wieder im Spieltagsaufgebot der Breisgauer und kam bei der 1:2-Niederlage in München wegen der Verletzungen von Baptiste Santamaria und Amir Abrashi prompt als Joker zum Einsatz. Er fügte sich ordentlich ein, konnte die fehlende Spielpraxis aber naturgemäß nicht kaschieren. Der flexibel einsatzbare Mittelfeldspieler ist also zurück nach seinem Wadenbeinbruch und Syndesmoseanriss sowie der OP im Herbst, bei der eine eingesetzte Platte entfernt wurde. Gegen Frankfurt könnte er sogar wieder vom Start weg gefordert sein.

Streich bestätigt: Haberer ist gegen Frankfurt eine Option

Wegen der Verletzungen von Santamaria und Abrashi sowie Nicolas Höflers Gelbsperre muss Christian Streich mit einem akuten Personalnotstand im zentralen Mittelfeld umgehen. Haberer ist für das Spiel gegen die Eintracht eine Option, wie der Trainer am Dienstagmittag bestätigte. Doch rund um die langjährige Stammkraft, über die auch Streich schon in der Vergangenheitsform sprach, stellen sich einige Fragen.

Bei uns gibt's immer Möglichkeiten, über Aussprachen Dinge zu lösen, indem wir konstruktiv miteinander sprechen.

Christian Streich

Wie verlief der Wiedereingliederungsprozess? Hat sich Haberer mit den Teamkollegen ausgesprochen, denen er recht forsch einen Abschied im vergangenen Sommer angekündigt hatte? "Es wurde von ihm aus mit der Mannschaft gesprochen und umgekehrt, und auch von einzelnen Spielern mit ihm, wie sich das gehört in einer funktionierenden Gruppe", erzählte Streich: "Es sind junge Menschen, es geht immer auch um Entwicklungen. Es ist sehr wichtig, wie man mit Fehlern oder Dingen, die man falsch gesagt hat, umgeht. Ich habe auch schon Dinge falsch gesagt oder war von zu starken Emotionen gesteuert. Wir haben einen sehr guten Gemeinschaftssinn und bei uns gibt's immer Möglichkeiten, über Aussprachen Dinge zu lösen, indem wir konstruktiv miteinander sprechen."

Wechsel unwahrscheinlich, aber nicht vom Tisch

Dank der hohen Sozialkompetenz im SC-Ensemble konnte Haberer die Vergangenheit offenbar erfolgreich aufarbeiten und scheint vollständig reintegriert. Aber ist ein Klubwechsel in dieser Wintertransferperiode noch ein Thema? Und was ist vom 26-Jährigen nach der langen Pause auf dem Feld zu erwarten? "Einen Wechsel sehe ich im Moment nicht, aber ich habe schon viel erlebt und kann nichts ausschließen", sagte Streich und formulierte klare sportliche Anforderungen: "Ich erwarte, dass er mit der Kraft, die ihm zur Verfügung steht, alles abarbeitet und dass er hoffentlich seine Erfahrung positiv mit einbringen kann, auch wenn er länger nicht gespielt hat."

Die Erfahrung (119 Bundesliga-Einsätze/9 Tore) unterscheidet Haberer deutlich von den anderen beiden im Kader verbliebenen und von Streich genannten Kandidaten für die Mittelfeldzentrale: Lino Tempelmann (8/0) und Yannik Keitel (3/0). Auch Keitel feierte erst am Wochenende sein Comeback nach längerer Verletzungspause, allerdings bei der U23 in der Regionalliga Südwest. Beim 2:1-Sieg über den VfB Stuttgart II wurde der 20-Jährige in der 73. Minute ausgewechselt.

"Restchance" bei Santamaria

Aus diesem Trio dürfte Haberer mit die beste Startelfchance besitzen - wenngleich die Kräfte recht sicher noch nicht für 90 Minute reichen: "Wenn er anfangen würde, wird er sehr ehrgeizig sein. Da gilt es eine gute Balance zu finden", fordert Streich, der mit seinem Trainerteam derzeit über alle möglichen personellen und taktischen Varianten nachdenke. So seien auch die Innenverteidiger Keven Schlotterbeck oder Philipp Lienhart Optionen für die Sechs - Dominique Heintz könnte dann die Dreierkette dahinter komplettieren. Aber Streich wartete noch mit einer Überraschung auf: Bei Santamaria gebe es trotz der in München erlittenen Kapselverletzung im Knie eine "Restchance" für einen Einsatz gegen die Eintracht.

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