Bundesliga

Luhukay: "Wir machen uns nicht kleiner, als wir sind"

Hertha: Trainer im kicker-Interview

Luhukay: "Wir machen uns nicht kleiner, als wir sind"

Setzt auf den Faktor Heimstärke: Hertha-Trainer Jos Luhukay.

Setzt auf den Faktor Heimstärke: Hertha-Trainer Jos Luhukay. picture alliance

kicker: Sie sagen, Hertha BSC sei nicht schlechter als sieben, acht andere Teams, und geben als Ziel aus, kein Heimspiel zu verlieren. Unterschätzen Sie die Bundesliga, Herr Luhukay?

Jos Luhukay: Überhaupt nicht. Ich habe Respekt vor ihr. Aber wir haben eine gute Mischung im Kader und viele Spieler, die die Liga kennen. Wir haben keine Angst vor dem, was kommt.

kicker: Reden Sie Ihre Mannschaft stärker als sie ist?

Luhukay: Nein. Wir machen uns nicht größer, als wir sind - aber auch nicht kleiner. Wir sind konkurrenzfähig. Als Aufsteiger müssen wir zu Hause den Grundstein für den Klassenerhalt legen. Hertha ist bei den letzten beiden Abstiegen auch an der Heimschwäche gescheitert. Wir haben in der 2. Liga kein Heimspiel verloren. Daran wollen wir anknüpfen.

kicker: Die Aufstiegsmannschaft plus die vier Neuen: Reicht das tatsächlich für die Bundesliga?

Luhukay: Ja, das denke ich. In Anbetracht unserer wirtschaftlichen Möglichkeiten haben wir uns gut verstärkt. Und die, die schon da waren, haben es in der 2. Liga herausragend gemacht. 76 Punkte holst du nicht mal eben im Vorbeigehen.

Ramos bleibt im Sturm meine erste Wahl.

kicker: Der FC Kopenhagen wollte Sandro Wagner, Hertha lehnte ab. Brauchen Sie vier Stürmer für eine Planstelle im Angriffszentrum?

Luhukay: Das ist eine Luxus-Situation, das stimmt. Aber bis auf Lasogga können alle auch auf anderen Positionen spielen: Allagui rechts, Ramos auf beiden Flügeln, Wagner hinter der Spitze. Ihn abzugeben war kein Thema. Wir wollen mit Sandro über 2014 hinaus verlängern und sind auf einem guten Weg.

kicker: Im Sturm war Adrian Ramos im Zweitliga-Jahr gesetzt. Hat er seinen Status eingebüßt?

Luhukay: Nein, er bleibt meine erste Wahl. Er war der stärkste Kopfballspieler der 2. Liga und hat eine gute Saison gespielt. In der Bundesliga werden wir seine Schnelligkeit noch mehr benötigen.

kicker: Also ist er links kein Thema?

Luhukay: Adrian selbst fühlt sich im Zentrum wohler. Und auch ich sehe ihn dort am stärksten. Ich habe keine Veranlassung, ihn nach außen zu ziehen.

kicker: Ronny hat mit mäßigen Fitnesswerten die Diskussion um seine Bundesliga-Tauglichkeit befeuert. Hat er nicht begriffen, dass ihm künftig mehr abverlangt wird?

Luhukay: Mir gefällt diese öffentliche Debatte nicht, sie wird ihm nicht gerecht. Er ist willig, ehrgeizig und wird zum Saisonstart in einer Verfassung sein, in der er uns hilft.

Bei Ronny sind die Werte von Haus aus anders als bei anderen.

kicker: War er im Urlaub nachlässig?

Luhukay: Aus meiner Sicht nicht. Er hat das Programm, das wir ihm mitgegeben haben, erfüllt. Jeder hat andere körperliche und genetische Voraussetzungen, bei Ronny sind die Werte von Haus aus anders als bei anderen. Das ist kein Problem.

kicker: Er war Herthas Aufstiegsgarant. Hat er einen Bonus gegenüber Neuzugang Alex Baumjohann?

Luhukay: Ja. Es wäre unfair, seine Verdienste am Aufstieg beiseite zu wischen. Natürlich muss er zeigen, dass er in der Bundesliga bestehen kann. Aber ich weiß, was ich an ihm habe. Wenn er die Hälfte seiner letztjährigen Scorerpunkte (32, d. Red.) macht, sind alle zufrieden.

kicker: Außer Baumjohann womöglich, der auch zentral spielen will.

Luhukay: Wenn wir ihn nur als Back-up für Ronny gebraucht hätten, hätten wir Baumjohann nicht geholt - und auch nicht bekommen. Mein Ziel ist, dass beide oft gemeinsam auflaufen. Das getestete 4-1-4-1 - mit Ronny und Baumjohann in der Offensiv-Zentrale - ist eine Variante.

kicker: Sie brachten Lustenberger in den Tests bislang auf der Sechs. Ist seine Zeit als Abwehrchef vorbei?

Luhukay: Überhaupt nicht. Ich werde ihn schon am heutigen Samstag gegen Leipzig als Innenverteidiger bringen. Es ist denkbar, dass wir in der Saison bei ihm mehrfach switchen.

Wo landet Hertha BSC?

kicker: Lustenberger, Ronny, Brooks verlängerten bis 2017, Sie bis 2016. Preetz' Vertrag endet 2014. Wie sinnvoll wäre eine Ausdehnung?

Luhukay: Sehr sinnvoll. Hertha sollte mit dem Manager bald verlängern, um Unruhe zu vermeiden. Wenn du als Klub Kontinuität als Ziel ausgibst, musst du auf den wichtigen Positionen damit anfangen.

kicker: Einige Ihrer Spieler wollen auf Sicht mit Hertha in den Europacup. Müssen Sie die einbremsen?

Luhukay: Es ist in Ordnung, dass sie sich hohe Ziele setzen. Nur: Wer jetzt von Europa redet, verkennt die Realität. Hertha braucht vor allem finanziell ein breiteres Fundament, um andere Ziele anzupeilen.

kicker: Nach dem Aufstieg mit Gladbach wurden Sie 2008 nach sieben Spielen entlassen, mit dem FC Augsburg blieben Sie 2011 die ersten acht Bundesliga-Spiele sieglos. Würden Sie lieber gleich mit der Rückrunde starten, Herr Luhukay?

Luhukay (lacht): Nein. Wir freuen uns auf die Bundesliga und wollen guten und erfolgreichen Fußball spielen - von Anfang an.

Interview: Steffen Rohr

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