Bundesliga

Krösche setzt ein wichtiges Zeichen und steht vor neuen Herausforderungen

Kommentierende Einordnung zur Verlängerung von Frankfurts Sportvorstand

Krösche setzt ein wichtiges Zeichen und steht vor neuen Herausforderungen

Sieht sich nach seinem Statement neuen Hürden gegenüber: Markus Krösche.

Sieht sich nach seinem Statement neuen Hürden gegenüber: Markus Krösche. IMAGO/Hartenfelser

Als Krösche im Juni 2021 die Nachfolge von Fredi Bobic antrat, hätten die Voraussetzungen kaum komplizierter sein können. Die Zuschauerverbote während der Corona-Pandemie hatten bereits große Löcher in die Kassen gerissen, am Ende kosteten die Maßnahmen die Hessen etwa 80 Millionen Euro. Zudem saß der Frust nach der im Saisonfinale verspielten Teilnahme an der Champions League tief. Die Abgänge von Bobic nach Berlin und Trainer Adi Hütter nach Gladbach gerieten zum Kommunikationsdesaster. Auch Sportdirektor Bruno Hübner, ein enger Vertrauter Hütters, hörte auf. Kurzum: Die Diva vom Main steckte wieder einmal in veritablen Turbulenzen.

Glasner war die erste wichtige Entscheidung

In diesen unruhigen Zeiten traf der Aufsichtsratsvorsitzende Philip Holzer mit Krösches Verpflichtung eine ausgezeichnete Wahl. Der zu diesem Zeitpunkt erst 40 Jahre alte Manager überzeugte von Tag 1 an mit Sachlichkeit und Fachkompetenz. Smart in der Öffentlichkeit, intern auch mal hart, konsequent bei seinen Entscheidungen, nüchtern in der Analyse. Wichtig: Mit seiner ersten Trainerwahl lag er goldrichtig. Oliver Glasner führte die Eintracht keine zwölf Monate später zum Gewinn der Europa League - und damit erstmals in die Champions League. Die Entlassung ein Jahr später störte viele Fans, war aber konsequent und dokumentiert, dass sich Krösche nicht von öffentlichen Stimmungen treiben lässt.

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Der Kader, der im Europa-League-Endspiel noch die Handschrift von Bobic und dessen Chefscout Ben Manga trug, wurde seither kräftig umgekrempelt. Mit Kevin Trapp, Tuta und Ansgar Knauff standen zuletzt gegen Union Berlin nur noch drei Helden von Sevilla auf dem Rasen. Speziell im vergangenen Sommer landete Krösche auf dem Transfermarkt etliche Volltreffer wie Willian Pacho, Robin Koch, Omar Marmoush oder Hugo Larsson. Auch Ellyes Skhiri und Fares Chaibi überzeugten unterm Strich. Im aktuellen Kader schlummert ein enormes Wertsteigerungspotenzial. Bereits im vergangenen Sommer erzielte Krösche einen Transferüberschuss in Höhe von etwa 90 Millionen Euro - Rekord. Ein großes Verdienst ist auch die lange versäumte Einführung einer zweiten Mannschaft, die inzwischen in der Regionalliga spielt.

Krösche glaubt an "Außergewöhnliches"

Insofern ist es folgerichtig, dass der Aufsichtsrat unter seinem Vorsitzenden Holzer alles daransetzte, Krösches ursprünglich bis zum 30. Juni 2025 datierten Vertrag vorzeitig um drei Jahre zu verlängern. Mit seiner Unterschrift setzte der ehrgeizige Sportvorstand ein wichtiges Zeichen. Offenbar sieht er das Potenzial des Klubs noch lange nicht ausgeschöpft, andernfalls hätte er zu diesem Zeitpunkt wohl kaum verlängert. Schon der Verbleib des im vergangenen Jahr von der DFL umworbenen Vorstandssprechers Axel Hellmann war für den Klub von enormer Bedeutung.

Die personelle Kontinuität in der Führung schafft Ruhe und ist die Grundvoraussetzung, um in den kommenden Jahren vielleicht in die Phalanx der Champions-League-Klubs vorzustoßen. Der VfB Stuttgart ist in dieser Saison drauf und dran zu zeigen, dass das in einem guten Jahr möglich ist. Gleichwohl darf man die Champions League angesichts der finanziellen Möglichkeiten von Bayern, Dortmund, Leipzig und Leverkusen nicht einfordern. Die Zielsetzung bleibt mit dem Einzug in den internationalen Wettbewerb ebenso realistisch wie notwendig. Denn die Personalkosten sind mittlerweile enorm, ohne Spiele auf europäische Bühne droht ein Minus. Durch die erfolgreiche Entwicklung der vergangenen Jahre stieg auch die Fallhöhe. Krösche verbreitet Zuversicht: "Die Energie dieses Klubs ist eine sehr gute Basis, um in den nächsten Jahren etwas Außergewöhnliches zu erreichen."

Die Entwicklung der Mannschaft stagniert

Ob das gelingt, hängt nicht zuletzt davon ab, wie sich die Eintracht unter Glasners Nachfolger Dino Toppmöller entwickelt. Einzelne Spieler verbesserten sich unter der Führung des neuen Trainers deutlich, allen voran Angreifer Omar Marmoush. Allerdings stagniert die Mannschaft in ihrer Entwicklung und zeigt keine Konstanz, der oft zähe Fußball raubt vielen Fans die Freude an den Spielen. Sollte der bei einem Teil der Anhänger bereits in Misskredit geratene Toppmöller scheitern, würde das in erster Linie Krösche auf die Füße fallen. Das peinliche Pokal-Aus in Saarbrücken und die schwachen Auftritte in der Conference League haben der Saison tiefe Kratzer verpasst. In den verbleibenden sieben Bundesligaspielen geht es darum, mit guten Leistungen und Siegen Platz 6 zu verteidigen und damit auch das Vertrauen in den Trainer zu stärken.

Hugo Ekitiké

Sorgt für einen SGE-Rekord: Hugo Ekitiké. IMAGO/Revierfoto

Krösche wird sich daran messen lassen müssen, dass es nicht mehr so große Umbrüche wie im vergangenen Sommer gibt. Auch sollte die Zukunft von Schlüsselspielern frühzeitig geklärt werden. Eine Posse wie bei dem in letzter Minute getätigten Rekord-Verkauf des streikenden Stürmers Randal Kolo Muani darf sich nicht wiederholen. Den besten Spieler ersatzlos zu verkaufen, war trotz der bis zu 95 Millionen Euro, die Frankfurt aus Paris erhält, ein Vabanquespiel.

Der im Winter verpflichtete Hugo Ekitiké wartet noch auf sein erstes Tor und ist bislang lediglich ein verheißungsvolles Versprechen. Auch der Franzose wird für einen Vereinsrekord sorgen: Die Summe aus Leihgebühr und Ablöse beträgt etwa 20 Millionen Euro. So viel zahlte die Eintracht noch nie für einen Spieler. Für Talent Jean Matteo Bahoya (18, acht Millionen Euro) griff Krösche ebenfalls tief in die Tasche. Teure Fehleinschätzungen wie bei Jens-Petter Hauge (etwa zehn Millionen Euro) unterlaufen im Fußball auch den besten Managern, müssen aber die Ausnahme bleiben.

Eine weitere Herausforderung besteht darin, für genügend Identifikationsfiguren in der Mannschaft zu sorgen. Das geht nicht per Knopfdruck, sondern nur mit der Verpflichtung von Spielern, die sich über Jahre mit dem Klub identifizieren und nicht beim erstbesten Angebot mit feuchten Augen an den Flughafen flitzen. Der intern wie extern hoch angesehene Kapitän Sebastian Rode beendet im Sommer seine Karriere, Makoto Hasebe womöglich ebenso. Diese Lücken gilt es auch charakterlich zu schließen.

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