Bundesliga

Vedad Ibisevic lobt Labbadia: "Er hat mich als Stürmer verstanden"

Hertha-Kapitän setzt seine Karriere fort

Ibisevic lobt Labbadia: "Er hat mich als Stürmer verstanden"

Hertha-Angreifer Vedad Ibisevic

Endlich wieder Richtung Trainingsplatz abbiegen: Hertha-Angreifer Vedad Ibisevic (Mitte)und seine Kollegen. imago images

"Ich bin gesund und habe immer noch Lust auf Fußball", sagte Ibisevic am Mittwochmittag nach dem Training im Rahmen einer Skype-Schaltkonferenz. Die aktuelle Aussetzung des Spielbetriebs hat mögliche letzte Zweifel an der Fortsetzung der Karriere zerstreut: "Die Pause hat in diesem Punkt für mich vielleicht sogar etwas Gutes. Ich merke, wie sehr ich den Fußball vermisse - und wie viel Bock ich noch habe." Wo es für den Mann, der im Spätsommer 2015 vom VfB Stuttgart zu Hertha BSC gewechselt war, weitergeht, ist noch völlig offen. Der Markt ist wegen Corona aktuell weitgehend zum Erliegen gekommen, konkrete Signale anderer Klubs gab es dem Vernehmen nach noch nicht. "Momentan warten die Vereine mit der Planung für die nächste Saison. Aber das wichtigste Signal", sagt Ibisevic, "kommt von mir. Ich bin gesund, ich habe Spaß. Ich will weiterspielen. Das ist der entscheidende Punkt." 331 Bundesliga-Spiele, 123 Tore - das soll noch nicht alles gewesen sein.

Die für ihn "schwierigen Monate" unter Jürgen Klinsmann und Alexander Nouri hat er abgehakt. Kontakt zu beiden gab es nach deren Ausscheiden nicht mehr, Ibisevic war auch nicht sonderlich erpicht darauf. Auf seine mutmaßlich letzten Wochen als Hertha-Profi freut sich der Bosnier, auch wenn der Rahmen der Verabschiedung - üblicherweise vor dem letzten Heimspiel auf dem Rasen des gut oder weniger gut gefüllten Olympiastadions - diesmal anders ausfallen dürfte: "Ich nehme die Situation so an, wie sie ist. Die ganze Saison war Ausnahmezustand: die Trainerwechsel, jetzt Corona. Ich hätte mir gewünscht, dass meine Zeit in Berlin anders vorbeigeht. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert."

Nicht der übliche große "Bahnhof" zum Abschied

Etliche Profis, deren Verträge in der Hauptstadt auslaufen und ziemlich sicher nicht verlängert werden, bekommen am Ende der Berliner Zeit nicht den üblichen großen "Bahnhof", sondern schauen bestenfalls auf leere Ränge. "Uns ist bewusst, dass es so zu Ende gehen könnte", sagt Ibisevic, der wie auch Per Skjelbred (zu Rosenborg Trondheim), Salomon Kalou, Alexander Esswein, Thomas Kraft, Peter Pekarik und Leihspieler Marko Grujic (zurück nach Liverpool) vor seinen finalen Wochen in Berlin steht. "Aber im Moment beschäftigen wir uns mit anderen Dingen. Wir würden uns jetzt erstmal freuen, wenn wir wieder spielen dürften." Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs wäre für den Stürmer "ein kleines positives Signal an die Menschen, dass es doch nach vorne geht. Fußball ist Teil dieser Gesellschaft. Es würde gut tun, wenn die Leute zu Hause etwas zu sehen bekommen."

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Dass es - falls die Politik grünes Licht gibt - zunächst und wohl auf längere Zeit mit Geisterspielen weitergeht, damit hat sich Ibisevic arrangiert. Er hat unter dem Trainer Labbadia mit dem VfB im März 2013 in der Europa League ein Geisterspiel bei Lazio Rom absolviert und 1:3 verloren, zu dem die UEFA Lazio wegen rassistischer Ausfälle der Fans verurteilt hatte. "Das Spiel an sich hat damals keinen Spaß gemacht", betont Ibisevic. "Mit Zuschauern ist es ganz anders. Aber ein Spiel ohne Zuschauer ist mir lieber, als zu Hause vor dem Fernseher zu sitzen und mein Pensum auf dem Fahrrad abzuspulen."

"Gerade von Bruno habe ich da viel gelernt"

Labbadia, in dessen Amtszeit in Stuttgart Ibisevic im Januar 2012 von der TSG Hoffenheim gekommen war, sieht der Angreifer bis heute als wichtigen Förderer: "Es war für mich von Hoffenheim nach Stuttgart der Schritt zu einem Traditionsklub mit ein bisschen mehr Druck. Die ersten Jahre in Stuttgart waren für mich eine sehr erfolgreiche und gute Zeit. Gerade von Bruno Labbadia habe ich da viel gelernt. Wenn man als Stürmer einen Trainer bekommt, der früher auch Stürmer war, hilft einem das. Ich habe mich entwickelt in dieser Zeit, er hat mich besser gemacht." In erster Linie, weil "er mich als Stürmer verstanden hat und wusste, wie das Spiel auf einen Stürmer am besten zugeschnitten ist".

Er hat einen noch genaueren Plan, noch klarere Vorstellungen und neue Lösungen. Gerade, was die Variabilität angeht, sehe ich da nochmal eine Entwicklung.

Vedad Ibisevic über seinen neuen alten Trainer

Ibisevic sagt: "Wenn man annimmt, was er sagt, und zu lernen versucht, ist es unmöglich, dass sich ein Spieler unter ihm nicht entwickelt. Er schätzt Spieler, die Lust haben zu arbeiten. So kenne ich ihn." Dass Herthas neuer Coach seinen Profis viel abverlangt, bestätigt Ibisevic: "Wer Bruno kennt, weiß, dass er viel verlangt. Er arbeitet sehr gern hart und auch lange. Darauf muss man mental vorbereitet sein. Für mich war es damals kein Problem, weil ich ein ehrgeiziger Typ bin, der alles auf dem Platz gibt." Schon die ersten Tage Labbadias in Berlin haben Herthas Kapitän gezeigt, dass sich der Neue in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und -gebildet hat: "Er hat einen noch genaueren Plan, noch klarere Vorstellungen und neue Lösungen. Gerade, was die Variabilität angeht, sehe ich da nochmal eine Entwicklung." Ibisevic, das ist zu spüren, freut sich auf die neuerliche Zusammenarbeit - auch wenn sie schon bald zu Ende geht.

Steffen Rohr

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