Bundesliga

Garcia: "Ich mag Draxler immer noch"

Die VfL-Aufsichtsräte beziehen Stellung zu brisanten Themen

Garcia: "Ich mag Draxler immer noch"

"Ich will, dass die Leute hier vor Ort stolz sind": Francisco Javier Garcia Sanz.

"Ich will, dass die Leute hier vor Ort stolz sind": Francisco Javier Garcia Sanz. imago

. . . Julian Draxler: Anfang August musste Draxler zum Gespräch bei VfL-Eigner Volkswagen antreten. Zusammen mit Manager Klaus Allofs war der wechselwillige Star bei Garcia. "Das Gespräch mit Julian waren ein tolles, offenes Gespräch", berichtet der Aufsichtsrat. "Er ist ein super Junge, ich mag ihn immer noch. Es ist nichts hängen geblieben. Man hat sich wie in der Ehe mal ausgesprochen. Er wird seine Antwort auf dem Platz geben." Allerdings gibt es noch immer die Problematik mit Teilen der Fans, die Draxler ablehnen und ihm dies beim Pokalspiel beim FSV Frankfurt auch deutlich zu verstehen gegeben haben.

Bode: "Es ist verständlich, was die Fans in Frankfurt gemacht haben. Ich glaube aber, das wird sich relativieren. Wenn jemand wieder Leistung auf dem Patz zeigt, werden die Fans auch ganz schnell wieder mitspielen. Am Samstag gegen Köln wird er sicherlich nicht mit tosendem Applaus begrüßt werden. Aber er wird die Antwort auf dem Feld schon geben." Seit seinem geäußerten Wechselwunsch schweigt Draxler jedoch in der Öffentlichkeit. Garcia: "Zu gegebener Zeit wird er sich äußern, man sollte ihn jetzt nicht unter Druck setzen."

"Es ist verständlich, was die Fans in Frankfurt gemacht haben": Hans-Gerd Bode, Kommunikationschef bei VW.

"Es ist verständlich, was die Fans in Frankfurt gemacht haben": Hans-Gerd Bode, Kommunikationschef bei VW. picture alliance

Doch wie hat der Fußballer, der seinen Verein mehrfach brüskiert hat, seine Chefs so besänftigen können? Bode räumt ein, dass alle Verantwortlichen extrem verärgert waren über das Vorgehen Draxlers. Sie waren auf 180 – mindestens. "Ich weiß nicht", sagt der Kommunikationschef, "ob 180 ausreichend waren. Da gab es schon eine Menge an Emotionen." Doch das habe sich gelegt. An einen Verkauf sei ohnehin nie gedacht worden – zumal die Interessenten FC Arsenal und Paris St. Germain kein offizielles Angebot abgegeben hätten. „Bei Julian war kein Angebot da", betont Garcia, "über das wir uns Gedanken machen mussten." Und auch im Winter soll Draxler nicht abgegeben werden. Garcia verweist auf die im Vertrag verankerte Ausstiegsklausel, die erst einen Wechsel in einem Jahr theoretisch möglich macht.

. . . die Stimmung rund um den VfL in der vergangenen Zeit: Gefallen hat es den Aufsichtsräten selbstredend nicht, was in der vergangenen Zeit über ihren Klub berichtet wurde. Garcia: "Wir haben uns über das Bild, das von uns gemalt wurde, natürlich Sorgen gemacht. Vielleicht haben wir auch selbst was dazu beigetragen. Misserfolg, alles muss geändert werden, alles wird infrage gestellt, alle wollen weg, die Abgas-Thematik. Das war ein Potpourri, das mir als Wolfsburger wehgetan hat."

Ich möchte, dass die Mannschaft VW national und international weiterbringt.

Francisco Javier Garcia Sanz.

. . . die Ziele: Der VfL soll wieder für Erfolg stehen. "Ich will, dass die Leute hier vor Ort stolz sind", sagt Garcia. "Und ich möchte, dass die Mannschaft VW national und international weiterbringt." In diesem Jahr ist Wolfsburg auf der europäischen Bühne nicht vertreten – dabei soll es sich allerdings nur um eine kurze Auszeit handeln. "Der Kader ist so zusammengestellt, dass wir europäisch spielen", erklärt der Aufsichtsratschef. "Das ist unser Ziel und muss auch unser Anspruch sein. Da gibt es keinen Plan B. Ich hoffe, dass die richtigen Weichen gestellt wurden, um wieder anzugreifen."

. . . die Zugänge: Acht neue Spieler hat der VfL verpflichtet, Jeffrey Bruma und Yannick Gerdhardt sind mit je 13 Millionen Euro Ablöse die teuersten, Mario Gomez ist der prominenteste. Garcia: "Wir haben uns vernünftig und rational da verstärkt, wo wir meinten, dass wir uns verstärken müssen. Ich bin sehr zufrieden, auf beiden Seiten, sowohl wirtschaftlich als auch sportlich. Ich freue mich auf alle." Auf Nationalstürmer Gomez angesprochen, sagt er: "Natürlich habe ich mich gefreut, dass Mario Gomez den VfL ausgesucht hat. Das macht mich stolz."

Mario Gomez

Einer der Neuen in Wolfsburg: Mario Gomez. imago

. . . die Abgänge: Der Verlust von Naldo an Schalke schmerzt die Wolfsburger Macher besonders mit Blick auf dessen Persönlichkeit. Mit den Verkäufen von André Schürrle (für 30 Millionen Euro zu Borussia Dortmund) und Max Kruse (für sieben Millionen zu Werder Bremen) hingegen können sie leben. "André wollte weg", sagt Garcia, "ich wünsche ihm alles Gute. Er ist ein toller Fußballer und toller Junge, es hat hier einfach nicht geklappt." Zu Kruse, der neben dem Rasen mehrfach negativ aufgefallen ist und damit auch VW keinen Gefallen getan hat, sagt Kommunikationschef Bode: "Er hatte eine unglückliche Saison, da sind ein paar Dinge zusammengekommen, die wahrscheinlich weder er gut findet noch wir in der Situation gut finden konnten. Ich glaube, für alle Beteiligten ist es ein guter Schritt gewesen, einen Neuanfang zu starten."

. . . Misstöne aus der Beraterbranche: Seit geraumer Zeit regt sich unter den Beratern Unmut über Wolfsburger Verbindungen zu diversen Spielervermittlern – Klaus Allofs hatte sich bereits im Trainingslager dazu geäußert. Besonders im Fall des versuchten Deals mit Stuttgarts Filip Kostic beklagte sich dessen Berater Sedat Duraki ("Wir arbeiten nur mit seriösen Klubs zusammen") über das Vorgehen des VfL, vor allem an der Zusammenarbeit mit dem in der Schweiz beheimateten Giacomo Petralito entzündet sich vieles. "Damit mussten wir uns auseinandersetzen", sagt Garcia, "wir haben Gespräche mit Klaus Allofs geführt, die Themen nehmen wir sehr ernst. Aber ich kann versichern: Da bleibt nichts übrig. Auch andere Vereine holen sich beratende Unterstützung bei Leuten des Vertrauens, Petralito arbeitet nicht nur für uns als Berater, als Gesprächspartner, als Kontaktaufnehmer. Mir haben es gründlichst untersucht, dazu sind wir als VW-Konzern verpflichtet."

. . . die VW-Unterstützung: Rund 100 Millionen Euro jährlich waren es in der Vergangenheit, mit denen der Konzern den VfL finanziell unterstützt hat. Hat die große VW-Krise daran etwas verändert? Garcia: "Wir werden den Verein angemessen unterstützen, um die Ziele, die wir haben, zu erreichen. Wir haben ein Budget, das wir bekommen, damit müssen wir auskommen. Das heißt nicht, dass der VfL jetzt weniger bekommt. Das heißt aber auch nicht, dass der VfL mit einem Koffer durch die Lande zieht, und das Teuerste kauft, was es zu kaufen gibt."

Thomas Hiete