Bundesliga

Hertha BSC - Fan-Demo genehmigt - Preetz immer stärker unter Druck

Herthas Manager als Hauptverantwortlicher für die schwache Saison

Fan-Demo genehmigt - Preetz immer stärker unter Druck

Hat in Berlin schon viel erlebt: Manager Michael Preetz.

Hat in Berlin schon viel erlebt: Manager Michael Preetz. imago images

Die Berliner Polizei bestätigte am Donnerstag, dass eine Genehmigung für eine Fan-Demonstration am Samstag zwischen 15 und 17 Uhr auf dem Olympischen Platz unmittelbar vor dem Olympiastadion erteilt wurde. Um 18.30 Uhr empfängt der krisengeschüttelte Hauptstadtklub dort Werder Bremen. "Wer in der Verantwortung steht, der muss sich auch Kritik stellen. Diese Kritik nehme ich an, das ist doch gar keine Frage", sagte Preetz am Donnerstagmittag in der Spieltagspressekonferenz. "Ich habe Verständnis dafür, dass man mit der aktuellen Situation nicht zufrieden ist - das sind wir auch nicht. Es gibt wirklich nur einen Ausweg: Du musst dich stellen und diese Kritik annehmen, Dinge reflektieren, was wir jeden Tag in unsere Arbeit einfließen zu lassen versuchen, und du musst deinen Überzeugungen folgen und diesen Überzeugungen Ausdruck verleihen. Und das tun wir. Insofern gehen wir gemeinsam gegen diese Situation an."

Labbadias Bilanz liest sich inzwischen ernüchternd

Der aktuelle Absturz auf Platz 14 und die ernüchternde Hinrundenbilanz mit 17 Punkten (schlechteste Ausbeute seit der Abstiegssaison 2009/10), dazu das turbulente Vorjahr mit Platz 10 und vier Cheftrainern - all das wird in Teilen der Klub-Gremien, aber auch bei vielen Fans vorrangig Preetz angelastet. Nach vier sportlich stabilen Jahren mit Coach Pal Dardai hatte er im Sommer 2019 - zum Einstieg von Investor Lars Windhorst - mit Ante Covic einen Bundesliga-Novizen als Trainer installiert. Seitdem ist Hertha bis auf eine kurze Phase der Vorsaison, als der an Ostern angetretene Bruno Labbadia überzeugend startete und den Klassenerhalt souverän einfuhr, im Dauer-Krisenmodus. Covics Nominierung ging ebenso nach hinten los wie die Berufung von Jürgen Klinsmann und die folgende Episode mit dem vormaligen Klinsmann-Assistenten Alexander Nouri in der ersten Reihe.

Erst Labbadia brachte Ruhe und - anfangs - Stabilität in Team und Klub. Inzwischen liest sich allerdings auch seine Bilanz ernüchternd: In 26 Bundesligaspielen stehen für ihn acht Siege und ein Schnitt von 1,15 Punkten pro Spiel zu Buche - weniger als für Dardai (1,34 Punkte pro Spiel), Klinsmann (1,33) und Nouri (1,25). Dazu kam das blamable Erstrunden-Aus im DFB-Pokal bei Zweitliga-Rückkehrer Eintracht Braunschweig (4:5). In den vergangenen sieben Spielen gelang nur ein Sieg, seit drei Spielen ist Hertha torlos.

kicker.tv Stimmen

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Surreal anmutende Transferperiode im Januar 2020

Der Januar, nach den vorweihnachtlichen Enttäuschungen gegen Mainz (0:0) und in Freiburg (1:4), sollte der Monat der Aufholjagd werden. Doch nach den Nullnummern in Bielefeld (0:1), Köln (0:0) und gegen Hoffenheim (0:3) droht der Absturz. Konstanz und eine funktionierende Achse finden sich in dem von Preetz kostspielig zusammengestellten Kader bislang nicht. 274 Millionen Euro hat Windhorsts Tennor-Holding bislang investiert, weitere 100 Millionen sollen bis Ende Juni fließen. Doch vor allem die teuersten Zugänge - Lucas Tousart (25 Mio.), Krzysztof Piatek (23 Mio.) und Dodi Lukebakio (20 Mio.) - haben das Team bislang nicht weitergebracht. Die surreal anmutende Winter-Transferperiode vor Jahresfrist, als Hertha mit 77 Millionen Euro für vier Neue mehr Geld ausgab als jeder andere Klub auf der Welt, brachte bislang nicht den erhofften Effekt. Trotzdem betonte Preetz am Donnerstag: "Wir verlieren absolut nicht die Überzeugung in die Qualität unserer Spieler und unserer Mannschaft. Wir sind nicht zufrieden mit der Ausbeute, das müssen wir ändern. Es geht darum, dass der berühmte Knoten aufgeht, das ist bislang nicht passiert. Aber wir verlieren nicht die Überzeugung in die Jungs. Sie haben alle schon ihre Qualitäten nachgewiesen." Zu selten allerdings - und zu selten gemeinsam.

Für Preetz (Vertrag bis 2022 plus Option), der 1996 als Spieler zu Hertha kam und mit dem Klub 1997 aufstieg, geht es in den anstehenden Wochen auch um die eigene Zukunft. Dass der Klub trotz der ausgegebenen Mittel sportlich keinen Zentimeter weiterkommt, wird außerhalb des Klubs und zunehmend auch in den Klub-Gremien vorrangig Preetz angelastet. 2003, nach dem Ende der Profi-Karriere, war er an die Seite des damaligen Managers Dieter Hoeneß ins Klub-Management eingestiegen. Nach dem Machtkampf zwischen Präsident Werner Gegenbauer und Hoeneß, der 2009 in Hoeneß' vorzeitigen Abgang ein Jahr vor Vertragsende mündete, rückte Preetz in die erste Reihe - und hatte mit den Abstiegen 2010 und 2012 einen denkbar schlechten Start. Die jeweiligen Wiederaufstiege und die Rückendeckung von Boss Gegenbauer hielten ihn in jenen Jahren im Amt.

Seit Dezember hat Preetz mit dem neuen CEO Carsten Schmidt in der Geschäftsführung erstmals einen Vorgesetzten - und steht verstärkt unter Beobachtung. Trotzdem, das wurde am Donnerstag deutlich, bleibt er auch im Angesicht eines möglicherweise aufziehenden Sturms betont sachlich und klar: "Ich bin schon recht lange hier und habe schon viele tolle Momente mit diesem Verein erlebt, aber auch schon schwierige Momente. Es ist im Sport wie im Leben allgemein: Es gibt nicht nur Sonnen-, sondern auch Schattenseiten. Als jemand, der Verantwortung trägt, musst du vorangehen und Energie ausstrahlen und versprühen. Und du musst versuchen, mit allen, denen es um das Wohl um Hertha BSC geht, diese Situation so schnell wie möglich zu überwinden und ins Positive zu drehen."

3300 Menschen unterzeichnen Online-Petition

Die nächste Gelegenheit bietet sich am Samstag gegen Bremen - nach der Fan-Demonstration, deren Organisatoren den Rücktritt von Preetz und dem im Oktober mit dem schlechtesten Ergebnis seiner Amtszeit wiedergewählten Gegenbauer fordern. Beantragt ist die Kundgebung bislang für 70 Personen, laut Polizei könnten aber auch mehr Fans teilnehmen, sofern die lokal eingesetzten Polizeikräfte keine Verstöße gegen die Corona-Regularien feststellen oder sonstige Sicherheitsbedenken haben. Eine seit elf Tagen laufende Online-Petition mit der Rücktrittsforderung an Gegenbauer und Preetz hatten bis Donnerstagmittag mehr als 3300 Menschen unterzeichnet.

Steffen Rohr

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