Bundesliga

Das mutige Spiel des SV Werder Bremen in der Bundesliga

Der Aufsteiger in der Analyse: Werner bleibt sich treu

Das mutige Spiel des SV Werder Bremen in der Bundesliga

Werder Bremen jubelt und ist nach dem Aufstieg noch ungeschlagen.

Werder Bremen jubelt und ist nach dem Aufstieg noch ungeschlagen. IMAGO/Moritz Müller

Es lag auf der Hand, als der SV Werder Bremen in der Bundesliga gerade etwas bis dato Einmaliges geschafft hatte, anschließend mal bei Ole Werner nachzufragen, wie nah seine Mannschaft sich denn schon an ihrem Optimum bewegt hatte, bei diesem denkwürdigen 3:2-Sieg in Dortmund. Der Cheftrainer entgegnete dem kicker: "Es ist immer Luft nach oben."

Unter anderem, merkte er an, hätte seine Mannschaft einige Bälle in der gegnerischen Hälfte zu schnell verloren, der Aufbau sei ihm zu oft über nur eine Seite aufgezogen worden, zudem wurden Konter unsauber ausgespielt. Und dann hätten seine Spieler in der ersten Hälfte ruhig "noch mutiger sein können". Zur Halbzeit wies Werder einen Ballbesitzanteil von 39,3 Prozent auf.

Bremer Dominanz beim BVB

Dass die Endauswertung nach 90 Minuten letztlich einen Wert von 51 Prozent pro Bremen auswies, lag daran, dass der Aufsteiger in der zweiten Spielhälfte tatsächlich noch mutiger als zuvor ohnehin schon bei mehreren Gegenstößen auftrat - und sodann auch mehr als 60 Prozent Ballbesitz verzeichnete. Zahlen, die nicht immer zwingend Aufschluss darüber geben müssen, die in diesem Fall aber die Dominanz des Werner-Teams im Auswärtsspiel bei dem Champions-League-Klub treffend untermalten.

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Der 34-jährige Coach hatte bereits unmittelbar nach dem gelungenen Wiederaufstieg im Mai angekündigt, die in der 2. Liga neu ausgeprägte aktive Spielidee auch in der Bundesliga natürlich nicht wieder über den Haufen werfen zu wollen. Ja, kleinere Anpassungen, gerade mit Blick auf die individuell stärker besetzten Gegner, sollte es schon geben. Allerdings ohne sich dabei spielerisch untreu zu werden, etwa defensiv nur abwartend zu reagieren. Keine Chance.

Werder will den Ball - weil es "mehr Spaß macht"

Werner nennt dafür simple Gründe: "Wir wollen eine aktive Spielweise haben, weil es unseren Spielern liegt. Und ich glaube auch, dass das etwas ist, was grundsätzlich mehr Spaß macht - wenn du das Heft des Handelns nach Möglichkeit in der eigenen Hand hast." Werder will den Ball, dafür packt die Mannschaft im Pressing - wie schon in der 2. Liga - auch in der Bundesliga so hoch an wie kaum andere Teams. Vor der Partie in Dortmund hatten die Bremer bereits mit 44,9 Metern die dritthöchste Balleroberungslinie in der Liga.

Zudem hat Werder nach den ersten drei Spieltagen pro Partie zu neun Zweikämpfen im mittleren und offensiven Drittel des Spielfelds angesetzt; mehr als jeder andere Bundesligist. Lediglich 25 Prozent der Ballberührungen des Aufsteigers finden im eigenen Drittel statt; nur RB Leipzig (24 Prozent) hat einen niedrigeren Wert. Und: Mit im Schnitt 84 Pressing-Aktionen pro Spiel im mittleren und offensiven Drittel des Spielfelds liegt der Klub aktuell ausschließlich hinter Union Berlin (100).

Pieper: "Den letzten Schritt zum Ball machen"

Amos Pieper berichtete in Dortmund ebenfalls von der Maßgabe, "unserer Art und Weise treu bleiben" zu wollen, "hoch zu verteidigen, Zweikämpfe zu gewinnen, aggressiv zu sein und den letzten Schritt zum Ball zu machen". Zusätzlich gibt es aber auch offensive Statistiken, die belegen, dass sich die Bremer ihr mutiges Spiel weiterhin beibehalten haben: 22,3 erfolgreiche Pässe ins letzte Drittel pro 90 Minuten bedeuten der sechsthöchste Wert der Liga hinter Leipzig, Gladbach, Köln, Leverkusen und Bayern.

Dass Werder trotzdem bislang in jeder Partie zwei Gegentore kassiert hat, ist gerade Werner natürlich nicht verborgen geblieben. "Um den Strafraum herum ist häufig noch nicht so klar, die Höhe zu finden. Wann fallen wir? Wann werden wir wieder aktiv?", erläutert der Chefcoach und betont: "Es gibt genug zu tun."

Tim Lüddecke

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