Auto

Cross-Country-Modelle von Volvo: Kombis fürs Grobe

Volvo V70 XC, V60 Cross Country, V90 Cross Country

Cross-Country-Modelle von Volvo: Kombis fürs Grobe

Drei Generationen Cross Country: V70 XC aus 1997 (Mitte), V60 aus 2015 (rechts) und der aktuelle V90 (links).

Drei Generationen Cross Country: V70 XC aus 1997 (Mitte), V60 aus 2015 (rechts) und der aktuelle V90 (links). Wolfgang Groeger-Meier/Volvo

Es war ein ereignisreiches Jahr, in das der Volvo V70 XC hineingeboren wurde. Prinzessin Diana verlor 1997 bei einem Autounfall ihr Leben, der 23-jährige Jan Ullrich triumphierte bei der Tour de France, der Komet Hale-Bopp zog über den Nachthimmel, und der damalige Bundespräsident Roman Herzog forderte, dass ein Ruck durch Deutschland gehen müsse.

Dass ein Automobilhersteller ein neues Modell lanciert, war da nur eine winzige Randnotiz. Und doch hatte die Entscheidung, sich einen wie den V70 XC ins Portfolio zu holen, nicht nur für Volvo eine gewisse Tragweite. Das "XC" stand für "Cross Country" und meinte einen Kombi, der sich mit robusten Beplankungen, erhöhter Bodenfreiheit, vor allem aber mit Allradantrieb Geländekompetenz aneignete. "Menschen mit aktivem Lebensstil, die auch einmal in unbefestigtem Terrain unterwegs sind, sollten sich nicht länger zwischen Familienauto und Geländewagen entscheiden müssen", begründet Volvo heute das "Daumen hoch" für den V70 XC.

Andere zogen nach

Der Argumentation konnten überraschend viele Kunden folgen. In den knapp drei Jahren, in denen die erste Modellgeneration gebaut wurde, fand sie immerhin 54.000 Käufer. Und auch an anderer Stelle registrierte man aufmerksam, dass sich mit der Mixtur aus Lifestyle, Geländefestigkeit und Abenteuer-Attitüde Geld verdienen lässt. Audi zog mit seinen allroad quattros nach, VW mit den Alltrack-Modellen, Skoda mit dem Octavia Scout Combi, Mercedes mit C- und E-Klasse All Terrain.

Volvo V70 XC

Volvo V70 XC: Vorfahr aller Cross-Country-Modelle. Wolfgang Groeger-Meier/Volvo

Für uns hat Volvo den V70 XC noch einmal aus dem Museum geholt. Unverkennbar basiert er auf dem Volvo 850, der damals einen Imagewandel für die Schweden-Kombis eingeläutet hat - weg vom praktischen Schrank auf Rädern, hin zu modernem Lifestyle-Schick. Der 850 schrieb seine Geschichte als V70 beziehungsweise (Limousine) S70 fort, der belastbare Bruder V70 XC unterschied sich vom Rest seiner Familie durch optionale Zweifarblackierung, die serienmäßige Dachreling, rustikale Karosseriedetails, das erwähntermaßen höhergelegte Fahrwerk samt Niveauregulierung an der Hinterachse sowie durch den Allradantrieb, der mit einer Antischlupfregelung für die Vorder- und einem Sperrdifferenzial für die Hinterachse arbeitete, per Viscokupplung erfolgte die intelligente Verteilung der Antriebskräfte.

Solide noch nach 25 Jahren

Dass er Ende der 1990er ein Lifestyler war, ist aus heutiger Sicht nicht mehr so ganz einfach nachzuvollziehen, denn neben den Showkombis der Jetztzeit mit ihren eleganten Dachschrägen sieht der steilbeheckte V70 XC recht kastig, genau deshalb aber auch durchaus kultig aus. Wir lüpfen die Heckklappe und finden ein 485 Liter großes Gepäckabteil vor, der Allradantrieb hat dem konventionellen V70 rund 90 Liter abgenommen. Klappe wieder zu, noch immer hört sich das vertrauenerweckend solide an.

Volvo V 70 XC 

Gut erhalten: Premium, so wie es Ende der 1990er-Jahre war. Wolfgang Groeger-Meier/Volvo

Dann hinters Lenkrad. Mehr als 200.000 Kilometer zeigt der Tacho an; Neunziger-Jahre-Beige umfängt uns, auch auf den weichen Ledersitzen - die jede Körperbewegung mit sanftem Knarzen beantworten - und beim Velours, der 25 Jahre früher vermutlich richtig flauschig gewesen ist. Grundsätzlich aber hat sich der alte Schwede überraschend gut gehalten. Viele, viele Knöpfe, Kippschalter und Drehregler gibt es am Amaturenträger, einen CD-Player und ja, auch ein Cassettenfach.  Einen Monitor hingegen nicht, nur das Micro-Display des noch nicht weitreichend begabten Bordcomputers, die Breitbild-Ära ist 1997 noch fern gewesen.  Blick auf die Schaltkulisse - wie, keine Automatik? Nein, nicht mal eine Sechsgangschaltung, wir haben es mit einem Fünfgang-Handschalter zu tun.

Fünf Zylinder und 193 PS

Wir starten den Motor. Ein 2,5-l-Fünfzylinder-Turbobenziner mit 193 PS tut Dienst unter der Haube, wunderbar hört er sich an, altersmild klingt anders. Auch von Altersschwäche ist nichts zu spüren, kraftvoll lässt es der V70 XC angehen und bleibt dabei angenehm laufruhig, auch heute noch ist so gut fahren. Auf der Autobahn schafft der Allrad-Kombi bis zu 210 km/h. Den Verbrauch können wir auf unserer kurzen Ausfahrt nicht checken, die technischen Daten sprechen von 10,5 l/100 km im Mix.

Der Sicherheit tun bereits ein serienmäßiges Fahrstabilitätsprogramm (DTSC), Front- und Seitenairbags, außerdem Gurtstraffer, Türverstärkungen und integrierte Kopfstützen Genüge.

Das Cassettenfach ist Geschichte

Wir verabschieden uns vom V70 XC und wenden uns einem Nachfolger zu, konkret einem V60 Cross Country aus dem Jahr 2015. Optisch wurde er im Vergleich zum Vorgänger ersichtlich dynamisiert, eine Zweizonen-Klimaautomatik mit Luftqualitätssystem, ein City-Notbremssystem und eine Audioanlage waren Serie, Kunden konnten zwischen zwei Leistungsstufen des 2,5-l-Fünfzylinderturbos wählen, einmal mit 150 und einmal mit 245 PS. Das Cockpit wiederum präsentiert bereits einen Bildschirm, ein Cassettenfach ist Geschichte, der Motorstart erfolgt, indem der Zündschlüssel in ein kleines Fach gedrückt wird. Und doch wird deutlich, dass sich in gerade einmal sechs Jahren Welten aufgetan haben zwischen dem, was ein Armaturenträger damals aufzubieten hatte und wie er heute aussieht.

Legendärer Volvo V70 XC als Vorfahre heutiger Cross Country Modelle

Offroad-Kombis: Seit 1997 populär. Wolfgang Groeger-Meier/Volvo

Wie ein modernes Layout und zeitgemäße Vernetzung aussehen, lässt sich am Beispiel der aktuellen Vertreter der Cross-Country-Familie besichtigen - dem V60 Cross Country und dem großen V90 Cross Country mithin. Letzterer, 4,94 Meter lang und von mildhybridisierten Benzinern und Dieseln in einem Leistungsspektrum zwischen 197 und 300 PS angetrieben, bekommt zum neuen Modelljahr ein Android-basiertes und weitreichend personalisierbares Infotainmentsystem sowie die Sicherheits-Sensorplattform ADAS, bei der Kameras sowie Radar- und Ultraschallsensoren Teamwork mit einer modernen Software betreiben.

Schneller als 180 km/h fährt gemäß der neuen Marken-Philosophie allerdings kein Volvo mehr, die Oldies sind somit schneller als ihre Nachfahren. Einer Weiterentwicklung des Diesels haben die Schweden eine Absage erteilt. Und ab 2030 sollen nur noch reine Elektroautos angeboten werden, Echtleder wird dann komplett aus den Fahrzeugen verbannt. Ein Öko-Trip, den man sich vor 25 Jahren wohl nicht hätte träumen lassen.

Ulla Ellmer