Bundesliga

Baumgart, der Motivator? Das wird ihm nicht gerecht

Köln: Der Trainer gibt den Weg vor, die Spieler folgen

Baumgart, der Motivator? Das wird ihm nicht gerecht

Nimmt kein Blatt vor den Mund: Steffen Baumgart.

Nimmt kein Blatt vor den Mund: Steffen Baumgart. imago images/Passion2Press

Fast schon ruhig lief die Einheit am Donnerstagmorgen ab. Die Pass- und Torschussübungen gingen so konzentriert wie routiniert über die Bühne. Trainer Steffen Baumgart, so viel ist sicher, sah die Spieler in diesem Moment auf dem Weg, den er vorgegeben hat. Wäre es anders, hätte es lautstarken Protest des Chefs gesetzt.

Anthony Modeste formulierte, was alle Kollegen denken dürften: "Manchmal ist es nicht einfach. Aber wir ziehen das durch, denn es ist sein Weg, und am Ende des Tages auch unser Weg." Wie weit die Profis auf diesem Weg sind, wird sich herausstellen. Die Fitness stimmt offensichtlich, keine einzige Verletzung trübt bis dato das Gesamtbild des Trainingscamps in Donaueschingen.

Baumgart korrigiert viel und findet die richtigen Worte

Dabei lässt die Intensität zu keiner Sekunde nach, da ist Baumgart hinterher wie der Teufel hinter der armen Seele. Was ihm nicht gefällt, wird korrigiert. Ob zu später Abschluss, schlechter erster Kontakt, zu langsames Anlaufen, Fehler im Positionsspiel - der Trainer sagt klar und deutlich, was er will und besitzt dabei offenbar die Gabe, komplexe Sachverhalte schnell und verständlich zu vermitteln. Was man daran festmachen kann, dass selten ein Spieler den gleichen Fehler zweimal macht.

Ihn als reinen Motivator oder Mentalitätstrainer einzuordnen, wird Baumgart sicherlich nicht gerecht. Klar, seine Präsenz ist beeindruckend, und wenn er die Übungen seiner Profis verfolgt – leicht gebückt am Rand stehend, die Arme immer ein Stück vom Körper abgewinkelt –, dann entgeht ihm nichts, die lautstarken Kommandos überhört keiner.

Vorbei ist es erst, wenn der Schiedsrichter abpfeift. Und wenn der Trainer aufhört zu brüllen.

STEFFEN BAUMGART

Aber das ist nur die eine Seite. Die andere ist die, dass sich die Kölner einen engagierten Fußball-Lehrer geangelt haben, der über eine Menge Erfahrung verfügt. Als Spieler, als Coach, wohl auch als Mensch, der erst seine Ausbildung als KfZ-Mechaniker beendet hatte, ehe er Profi wurde. Und der auf die Frage, was er am besten kann, dem "Kölner Stadt-Anzeiger" antwortete: "Fußball. Das kann ich. Wenn ich über Fußball spreche, hören mir die Leute zu."

Die Kölner Profis machen dies auf jeden Fall. Und wer weiß, vielleicht geht Baumgart mit seiner Mannschaft den Weg, der herausführt aus der Tretmühle, in der dieser Klub seit 2017 steckt. "Am Ende hat Erfolg, wer über einen langen Zeitraum am meisten arbeitet", sagt Baumgart. Dies bringt er seinen Spielern gerade bei. Und er fordert sie auf, ihm zu folgen und zu arbeiten. Gleich, ob im Training oder im Spiel: "Vorbei ist es erst, wenn der Schiedsrichter abpfeift. Und wenn der Trainer aufhört zu brüllen."

In Köln wünscht man sich, ihn noch lange brüllen zu hören.

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Frank Lußem

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