Bundesliga

Hoffenheim-Manager Rosen: "Wir haben wirtschaftlich einen langen Atem"

Hoffenheims Manager äußert sich zur Krise und den Folgen

Rosen: "Wir haben wirtschaftlich einen langen Atem"

Alexander Rosen

Alexander Rosen sieht seine TSG Hoffenheim für die Krisenzeit gut gerüstet. imago images

…das Training: "Wir haben die Trainingspause nochmal um eine Woche verlängert, weil absehbar ist, dass wir Anfang April nicht spielen werden. Weitere Entscheidungen erwarten wir in den nächsten ein, zwei Tagen. Wir trainieren individuell. Wir haben die Möglichkeit unter Berücksichtigung aller Hygienemaßnahmen, dass wir die Verletzten therapieren können. Und es gibt die Möglichkeit, in Kleinstgruppen zeitversetzt zu trainieren und das Gelände für die Läufe oder den Kraftraum in verschiedenen Zeitfenstern zu nutzen. Da sind wir sehr gewissenhaft.

Auch Gruppentraining wäre jetzt schon möglich. Aber um einen vernünftigen Trainingsaufbau zu machen für Kleingruppen oder perspektivisch auch wieder im Mannschaftstraining, braucht man ein Datum. Ein Ziel, auf das man hinarbeiten kann. Wir haben uns entschieden, die Mannschaft am Laufen zu halten. Aber wir können nicht wissen, ob wir jetzt eine Hochbelastungsphase brauchen oder ob wir runterfahren oder eine normale Spielvorbereitung machen müssen. Ein ungewisser Punkt, aktuell nicht planbar. In dieser Woche werden wir noch so verfahren, ab nächster Woche werden wir unser Programm gegebenenfalls anpassen."

…einen Saisonabbruch: "Das wäre der Worst Case, das Ausmaß ist nicht absehbar. Wir wollen als Klub und Liga alles dafür tun, damit es nicht soweit kommt. Natürlich unter strengster Berücksichtigung der Auflagen zur Aufrechterhaltung der Gesundheit aller. Da liegt die Entscheidung zuletzt nicht bei den Klubs, das wird eine politische Entscheidung sein. Der Fußball hat eine gesellschaftliche Kraft, die gerne irgendwann ein Zeichen sein darf, dass es wieder weitergeht. Wir wissen nicht wann und wie, aber es wird weitergehen. Der aktuelle Zustand ist notwendig, aber wird nicht über Monate haltbar sein. Fußball kann auch Perspektiven, Zuversicht und Freude geben. Auch wenn er zunächst ohne Zuschauer ausgetragen werden müsste. Das ist alternativlos."

… die finanzielle Lage der TSG: "Wir sind in finanzieller Hinsicht gut aufgestellt. Wir haben wirtschaftlich keinen unendlichen, aber einen langen Atem. Wir würden auch einen Saisonabbruch ohne Zuschüsse oder Fremdkapital überstehen. Bei uns ist Kurzarbeit derzeit kein Thema. Aber wir kennen alle nicht das Ausmaß dessen, was auf uns zukommt. Damit wissen wir auch nicht, was das wirtschaftlich bedeutet. Das Gute bei der TSG: Wir müssen nicht unter Druck und einer Notsituation heraus jetzt schon solche Themen aufmachen. Natürlich sind wir mit allen Mitarbeitern in einem Austausch. Aber nicht mit hektischer Betriebsamkeit, sondern wir werden immer wieder besonnen neu bewerten. Wir wollen keine Schritte einleiten, die sich dann als zu schwach oder zu stark erweisen. Wir wollen uns alle Optionen offenhalten."

Wir würden alle gut fahren, weniger Spekulationen auszusprechen.

Hoffenheims Manager Alexander Rosen

…die Kaderplanung: "Da sind wir in einer privilegierten Situation, die wir uns in den letzten Jahren erarbeitet haben. Wir sind gut aufgestellt. Wir haben nur drei auslaufende Verträge, von den Torhütern Michael Esser und Alexander Stolz sowie von Leihspieler Sebastian Rudy. Zudem haben wir einige Leihspieler, auf die wir ab 1. Juli Zugriff haben, plus die Talente aus unserer Akademie. Selbst wenn wir Transferausgaben wegen eines Worst-Case-Szenarios extrem reduzieren müssten, hätten wir sofort eine schlagkräftige Truppe."

…Prognosen für den Transfermarkt: "Es äußern sich unglaublich viele Menschen in allen Bereichen dazu. Was einigermaßen sicher ist: Die wenigsten wissen es. Wir würden alle gut fahren, weniger Spekulationen auszusprechen. Es macht auch keinen Sinn, dass sich drei verschiedene Virologen zu unterschiedlichen Bundesliga-Startzeiten äußern, die teilweise über sechs Monate differieren. Das macht keinen Sinn und erzeugt nur Unsicherheit. Was sollen die vielen Mitarbeiter rund um den Fußball damit anfangen? Für mich ist klar, dass der erste Transfermarkt nach Überstehen der Krise, wann immer der sein wird - hoffentlich im Sommer - dass das ein veränderter sein wird. Aber es gibt zu viele unbekannte Variablen. Wir wissen nicht, ob wir zu Ende spielen können ohne Zuschauer, damit viele Klubs den großen Kollateralschaden vermeiden können."

…die Folgen für den Fußball: "Der Profifußball hat eine absolute Ausnahmestellung, es interessieren sich aber auch die meisten Menschen für diesen Sport. Durch externe Investoren bei Großklubs haben sich Dinge entwickelt, die für normale Marktteilnehmer nur schwer nachvollziehbar waren. Transfers der Kategorie Neymar, Beratervergütungen, Spielergehälter. Wir haben immer besonnen gewirtschaftet und Rücklagen gebildet. Um uns vorzubereiten auf eine Phase des sportlichen Misserfolges oder andere Umstände. Um gewappnet zu sein für Krisensituationen, davon profitieren wir jetzt.

Dafür gab es auch oft genug Kritik. Wir sind auch Teil dieser Blase, aber wir haben versucht, schrittweise zu wachsen, nicht an den Markt angepasst. Damit sind wir sehr gut gefahren. Ob es da ein generelles Umdenken geben wird, darf jeder Klub für sich bewerten. Ich will auch nicht ausschließen, dass es zu Marktregulierungen einer übergeordneten Stelle kommen kann, aber das ist sehr komplex und bedarf einer ausführlichen Diskussion."

Aufgezeichnet von Michael Pfeifer