2. Bundesliga

Vor DFL-Sitzung: Oke Göttlich fordert "neues System" im Profifußball

DFL-Präsidiumsmitglied über ein neues Fußballsystem und 50+1

Göttlich fordert "neues System" im Profifußball

"Nur so kann sich der Fußball gesundschrumpfen": Oke Göttlich. imago images

Zum neunköpfigen DFL-Präsidium, das am heutigen Dienstag in einer Schaltkonferenz darüber berät, wie es in Bundesliga und 2. Liga weitergehen soll, gehört auch Oke Göttlich. Und der Präsident des FC St. Pauli wünscht sich nichts weniger als ein neues System im Profifußball. "Diese Krise", sagt der 44-Jährige im Interview mit dem "Hamburger Abendblatt", "wird den Fußball nicht mehr so sein lassen, wie er vorher war."

Er fordert: "Wir müssen das bisherige System im Profifußball hinterfragen, weil es einem neuen System des solidarischen Miteinanders wird weichen müssen." Es gehe um das, "was der FC St. Pauli seit Jahren propagiert: Solidarität, einen integren Wettbewerb und die Gleichverteilung von Einnahmeströmen für diese Liga."

Wenn wir die 50+1-Regel kippen würden und das kapitalistischste Sportsystem nach den USA installieren, dann hätten wir die Gesellschaft für unseren Sport auf jeden Fall verloren.

Oke Göttlich

Für Göttlich ist klar, "dass dies die Überlebenschance für diese Liga ist und wir gegen zügellose Finanzstrategien vorgehen müssen. Nur so kann sich der Fußball gesundschrumpfen, was nebenbei auch ein wichtiges Zeichen gegenüber der Gesellschaft und vielen existenzbedrohten Menschen wäre." Es sollte "nach dieser Krise einen Ausgleich für diejenigen geben, die mehr unter den Maßnahmen leiden als andere. Dafür werde ich mich auch einsetzen."

Überlegungen, angesichts der Corona-Krise die 50+1-Regel aufzuweichen, lehnt Göttlich in aller Deutlichkeit ab. "Wenn wir die 50+1-Regel kippen und Investoren reinlassen würden und das kapitalistischste Sportsystem nach den USA installieren, dann hätten wir die Gesellschaft für unseren Sport auf jeden Fall verloren", glaubt er.

Göttlich: "Fußball ist keine Freizeit- oder Spaßveranstaltung"

Es sei "einfach nicht klug, wenn alles Geld, das den Klubs aus welchen Quellen auch immer zugeführt wird, eins zu eins durch die Klubs rauscht und nichts hängen bleibt. Investoren, die am Anfang Geld ins System hineingeben, wollen mittelfristig daran verdienen und das Geld wieder herausziehen."

Gleichzeitig weiß auch er, was gerade auf dem Spiel steht: "Fußball ist keine Freizeit- oder Spaßveranstaltung, sondern ein professioneller Gewerbebetrieb, an dem in Deutschland 56.000 direkte und indirekt bis zu weitere 40.000 Arbeitsplätze hängen. Deshalb müssen wir uns bemühen, die beste Möglichkeit zu finden, wieder ins Spielen zu kommen."

Dass die Bundesliga nicht am 2. April wieder starten kann, "haben wir ja schon gesagt", so Göttlich mit Blick auf die DFL-Präsidiumssitzung: "Es geht darum, anhand von Modellen Berechnungen anzustellen, wie und wann wir wieder anfangen sollten und welche ökonomischen Auswirkungen das hat."

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jpe

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