2. Bundesliga

HSV-Trainer Hecking kreidet sich die Derby-Pleite gegen St. Pauli an - und doch bleiben andere Fragen offen

HSV-Trainer kreidet sich die Derby-Pleite an und doch bleiben andere Fragen offen

Heckings Selbstanklage: "Das nehme ich auf meine Kappe"

Dieter Hecking

Kreidet sich die Derby-Pleite an: HSV-Trainer Dieter Hecking. imago images

"Ich muss mir den Schuh anziehen, dass ich in der Pause nicht die richtigen Worte gefunden habe. Das nehme ich auf meine Kappe." Ein ehrbarer Versuch - aber liegt das Kernproblem nicht womöglich darin, dass es in dem Prestigeduell überhaupt um die richtigen Worte ging?

Der 55-Jährige weigert sich, den Seinen die Leidenschaft abzusprechen, er verweist auf die fulminante Startphase mit zwei Aluminiumtreffern innerhalb der ersten zehn Minuten. Und auf die Wirkungstreffer der beiden zu diesem Zeitpunkt überraschenden und letztlich entscheidenden Gegentreffer durch Henk Veerman (20.) und Matt Penney (29.). Alarmierend aus HSV-Sicht aber ist, was danach passierte - nämlich nichts.

"Ich mache mir den Vorwurf, dass ich in der Halbzeit nicht den richtigen Schlüssel gefunden habe", klagt sich Hecking selbst an nach der historischen zweiten Pleite des HSV gegen den Stadtnachbarn FC St. Pauli innerhalb einer Spielzeit. Doch er kann mit dieser Aussage nicht kaschieren, dass es in seinem Kader an Typen fehlt, die sich von sich aus mit aller Vehemenz gegen Widerstände wehren. Und genau dieser Umstand wirft Fragen auf für das bevorstehende Finish im Aufstiegskampf.

Eines kann auch Heckings Selbstanklage nicht verwischen

Hecking gibt sich kämpferisch. "Häme und Spott werden wir jetzt hinnehmen, uns drei, vier Tage schütteln und dann alle unser gemeinsames Ziel verfolgen, und das heißt Aufstieg." Jonas Boldt legt nach: "Wir haben in dieser Saison schon mehrere Situationen gehabt, nach denen die Leute dachten, dass der HSV einbricht, aber wir werden wieder eine Reaktion zeigen."

Eine dieser Situationen war nach dem Hinspiel gegen St. Pauli. Auch da stand am Ende ein 0:2 aus Sicht des Favoriten. Und doch mit einem ganz anderen Eindruck: der hatte sich am Millerntor gewehrt bis zum Schluss. Dieses Mal wirkte der HSV, als habe er nach dem 0:2 kapituliert. Und diesen Eindruck kann auch der Trainer mit seiner Selbstanklage nicht verwischen.

Sebastian Wolff