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DTM und Le Mans: Die Krise gibt Vollgas

Aston Martin erklärt sofortigen Rückzug

DTM und Le Mans: Die Krise gibt Vollgas

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Die DTM bewegt sich mal wieder in unruhigem Fahrwasser. imago images

Aus Daytona berichtet kicker-Redakteur Stefan Bomhard

Gerhard Berger muss man nicht beneiden. Erst musste er 2017 kurz nach seinem Amtsantritt als Chef der DTM den Ausstieg von Mercedes aus der beliebten Tourenwagenserie wegstecken, nun trifft ihn ausgerechnet der Abgang von Aston Martin, das Aus jener Marke, die als Rettung aus der Mercedes-Krise auserkoren zu sein schien und vor einem Jahr kurzerhand aus dem Hut gezaubert worden war. Doch nach nur einem Jahr steht fest: Aston Martin hat sein Konzept im Stile von Luftschlössern ersonnen.

Ohne nennenswerte finanzielle Eigenbeteiligung konnte das Konstrukt nicht funktionieren. Als Ende 2019 Hans Werner Aufrecht, der einstige ITR-Chef und AMG-Gründer, sein über die Sportabteilung HWA ins Aston-Martin-Projekt investiertes Geld zu wesentlichen Teilen zurückforderte, stand Dr. Florian Kamelger, der Team-Principal von R-Motorsport (Aston Martin) ohne Mittel, Plan und Chassis da. Mit Mercedes als Motorenpartner hatte man da schon gebrochen, ebenso mit HWA, das den Aufbau der Autos besorgte und wesentliche Teile des Personals stellte. Der realistische Switch zu BMW als Motorenersatzlieferant musste scheitern, da es weder ein Chassis noch das notwendige Personal gab.

DTM befindet sich "in guten Gesprächen"

Mit Kritik an derlei Beschlüssen halten sich Betroffene im Motorsport gerne zurück, denn die Welt ist so klein, dass man sich immer wieder andernorts begegnen könnte. "Der Schritt von R-Motorsport kommt zu einem späten Zeitpunkt", lässt sich Gerhard Berger in einer Stellungnahme der ITR zitieren, um dann zu ergänzen, "wir sind von einem längeren DTM-Engagement des Teams ausgegangen." Da klingt, wenn auch mit Vorsicht formuliert, jede Menge Verärgerung durch. Wie es weitergeht, kann Berger nicht sagen, lediglich das: "Wir befinden uns in guten Gesprächen mit mehreren Automobil-Herstellern und Teams - und sind uns sicher, dass wir den DTM-Fans auch in der Saison 2020 ein volles Starterfeld präsentieren werden."

Dazu jedoch müssen die verbliebenen Marken Audi und BMW spürbar mehr Autos als die bisherigen 14 (Audi 8, BMW 6) an den Start bringen. "Wir wissen, dass dies nicht einfach wird", bekräftigt Dieter Gass, der Sportchef von Audi. Und sein BMW-Kollege Jens Marquardt ergänzt: "Um das Potenzial der Serie jedoch mittel- und langfristig voll ausschöpfen zu können, ist die Teilnahme weiterer Hersteller essenziell."

In Le Mans fährt nur noch Toyota

Ein ähnliches Problem - zu wenige Hersteller in der Top-Kategorie - hat seit geraumer Zeit auch das berühmteste Langstreckenrennen der Welt, die 24 Stunden von Le Mans. In den letzten zwei Jahren sowie auch 2020 noch einmal trat und tritt dort allein Toyota an. Eine Situation, die untragbar geworden war, zumal die Kosten dieses Prototypen komplett durch die Decke gegangen waren. Als "historischen Tag" bezeichneten daher am Freitag am Rand des 24-Stunden-Rennens von Daytona die Präsidenten der beiden genannten Rennen, Jim France (Daytona) und Pierre Fillon (Le Mans), in Zukunft eine gemeinsame Top-Kategorie unter der Bezeichnung LMDh einzuführen.

Die Kombination aus Le Mans (LM) und Daytona (D), ergänzt durch ein kleines h, das auf ein Hybridsystem an der Hinterachse hinweist, das vor allem deutlich geringere Kosten verursachen soll (und muss) als die bisherige Lösung. Technische Details sollen im März beim 12-Stunden-Rennen in Sebring bekanntgegeben werden. Ziel ist es, ab 2021 im Rahmen der Langstrecken-WM (WEC) bzw. ab Jahresbeginn 2022 in der IMSA-Serie mit Autos nach identischem technischem Reglement anzutreten. "Wir hoffen auf Hersteller aus allen Teilen der Welt", sagte Fillon.