Bundesliga

Neuer Havertz! Alter Havertz?

Bosz attestiert Leverkusens Star bessere Körpersprache, aber noch keine Topform

Neuer Havertz! Alter Havertz?

Kai Havertz hat laut Bayer-Trainer Peter Bosz den Kopf wieder frei.

Kai Havertz hat laut Bayer-Trainer Peter Bosz den Kopf wieder frei. imago images

Nach dem gelungenen Rückrundenauftakt steht für Bayer 04 am Sonntag gegen Düsseldorf (18 Uhr, LIVE! bei kicker) die nächste Partie an, in der nur ein Sieg die Verantwortlichen zufrieden stellen wird. Doch damit hat es sich schon mit irgendwelchen weiteren Parallelen, wie Peter Bosz erklärt: "Die Aufgabe ist die gleiche, der Weg wird aber komplett ein anderer sein. Gegen Paderborn war das Spiel offen. Jetzt erwarten wir eine Mannschaft, die sich hinten reinstellt und auf Konter spielt."

Havertz und die Kreativabteilung sind gefordert

Die Werkself wird eine kompakte Defensive auseinanderspielen müssen - nicht gerade die Lieblingskonstellation des Tabellensechsten. Umso wichtiger wird es sein, dass Bayers Kreativabteilung funktioniert. Insbesondere Kai Havertz.

Er war nicht so schlecht vor der Winterpause, aber er war auch jetzt nicht so gut.

Peter Bosz über Kai Havertz

Der Nationalspieler hatte in Paderborn zum ersten Mal seit dem 28. September wieder für seinen Klub getroffen. Doch die Jubelstürme, die um den Topstar ausbrachen, teilt Bosz nicht. "Wenn im Fußball ein Spieler sehr gelobt wird, ist das meistens übertrieben. Und wenn ein Spieler sehr stark kritisiert wird, ist das auch übertrieben. Das muss man irgendwo ausgleichen. Und da ihn alle so gelobt haben, habe ich gesagt: Das stimmt nicht. Er war nicht so schlecht vor der Winterpause, aber er war auch jetzt nicht so gut."

Bosz möchte seinen Schlüsselspieler nicht kritisieren. Dafür hatte er nach dem Paderborn-Spiel nun wirklich keinen Anlass. Doch er sieht noch enorme Steigerungsmöglichkeiten bei Havertz, bis er seine Topform wieder erreicht hat: "Er hat ein Tor gemacht und eine Torvorlage, absolut richtig, aber da waren viele Momente, wo ich weiß, dass er das noch viel besser kann. Das weiß er selber. Er war nicht überragend, absolut nicht."

Dafür hatte Havertz' Spiel noch zu viele Unwuchten, die für das Ausnahmetalent ungewöhnlich sind, wenn es in Topform agiert. "Er hatte in der ersten Hälfte Ballverluste in Situationen, in denen er normalerweise keine Ballverluste hat. Er hat gut gespielt, aber so wie er nach dem Spiel gelobt wurde, das war nicht richtig."

Bosz: "Sein Tor war unglaublich"

Bei einer Szene geriet Bosz aber doch ins Schwärmen: bei Havertz' Treffer. Oder besser gesagt dessen Vorgeschichte. "Sein Tor war unglaublich", erklärt der Niederländer begeistert, "vorher gab es eine Ecke für Paderborn. Er stand bei uns auf der Fünfmeterraumlinie und am Ende nach einem Konter, bei dem zwei Spieler vorne waren - Kevin (Volland, Anm. d. Red.) der den Ball festmacht, und Moussa (Diaby, Anm. d. Red.), der das Tor vorbereitet - hat Kai den Abschluss. Was für ein Lauf?! Und das in der 75. Minute. Ein Sprint aus der eigenen Hälfte - das müssen mindestens 90 Meter gewesen sein. Das war super!" Doch an das Lob schließt Bosz direkt eine Kritik an: "Er hätte nach zwei Minuten das Tor schießen müssen. Das war eine Riesenchance."

Bosz: "Ist er wieder frei im Kopf? Ja."

Die Scorerpunkte, die in der öffentlichen Wahrnehmung natürlich im Vordergrund stehen, sind für Bosz nicht das Indiz, dass der neue Havertz auf dem Weg zum alten Havertz ist. Vielmehr sind es Details, die den 56-Jährigen optimistisch stimmen. "Für einen Offensivspieler sind Tore und Torvorlagen immer wichtig. Als Trainer schaue ich noch mehr auf andere Dinge: Ist er wieder frei im Kopf? Ja. Sein erster Kontakt ist wieder gut. Es geht wieder wie von selbst", analysiert Bosz.

Bosz: "Das ist wieder Kai, so wie ich ihn kenne"

Der frühere Bundesliga-Profi hat zwischen den Ohren des Ausnahmespielers die entscheidende Veränderung ausgemacht. "Vor allen Dingen seine Körpersprache hat sich verbessert: Vor der Winterpause ist sein Kopf nach unten gegangen, da hat er gedacht: Scheiße! Das ist jetzt nicht mehr so. Und das ist gut", erklärt der Trainer, "vor der Winterpause hat man gesehen: Er denkt nach. Jetzt spielt er wieder. Das ist wieder Kai, so wie ich ihn kenne. Er ist absolut auf dem richtigen Weg. Doch wenn die Journalisten nachher sagen, Kai war der Spieler des Spiels, oder überragend, dann sage ich: So hat er nicht gespielt."

Ein gesunder Ansatz. Denn Havertz nun nach einem Spiel mit guten Aktionen, aber eben auch einigen schwächeren direkt wieder in den Himmel zu loben, schafft einzig automatisch eine größere Fallhöhe, falls sich der 20-Jährige und Bayer gegen mauernde Fortunen schwertun sollten. Mit kleinen Schritten wirklich zu alter Form zu kommen, ist auch für Havertz selbst der beste Ansatz.

Stephan von Nocks

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