Werders Nummer zwei hofft aufs Pavlenka-Erbe

Kapino: Geduld "bis Sommer"

Stefanos Kapino

Möchte im Sommer die Ersatzbank hinter sich lassen: Stefanos Kapino. imago images

"Jiri Pavlenka ist die klare Nummer eins - und mit Kapi haben wir eine überragende Nummer zwei", sagt Trainer Florian Kohfeldt zum Ist-Zustand, an dem in der laufenden Spielzeit auch definitiv nicht zu rütteln sei. Eine Hackordnung, die Kapino komplett akzeptiert: "Natürlich will jeder spielen. Aber als ich meinen Vertrag verlängert habe, wusste ich, dass Jiri hier ist und dass er die Nummer eins ist. Er ist einer der besten, wenn nicht der beste Torhüter der Bundesliga. Ich lerne von Jiri, er lernt von mir, wir haben ein richtig gutes Verhältnis, das ist entscheidend." Den Aufstieg zur Nummer eins an der Weser hat Kapino dennoch als erklärtes Ziel vor Augen: "Für mich zählt, dass ich zur Stelle bin, wenn Jiri den Verein verlassen sollte." Diese Option haben Kohfeldt und Manager Frank Baumann anscheinend bereits mit Kapino besprochen, als sie dessen Kontrakt über den kommenden Sommer hinaus verlängerten.

"In meinen früheren Vereinen hatte ich ein paar Probleme"

Dass Pavlenka nach der laufenden Spielzeit den nächsten Karriereschritt unternimmt, gilt für alle Beteiligten zumindest als realistisches Szenario. Ebenso wie der Plan, dann auf Kapino als Nachfolger zu setzen: "Wenn ich weiter so spiele, bin ich überzeugt, dass ich dann die Nummer eins wäre", sagt der aktuelle Stellvertreter. "Aber ich muss es natürlich immer wieder beweisen, in jedem Spiel, in jedem Training." Die konkrete Aussicht lässt Kapino bei allem Ehrgeiz geduldig bleiben: "In meinen früheren Vereinen hatte ich ein paar Probleme. Aber hier habe ich ein gutes Verhältnis mit Flo (Trainer Kohfeldt, die Redaktion) und, was am meisten zählt, ein wirklich gutes Verhältnis mit Kiki (Torwarttrainer Christian Vander). Er macht mich besser, und das ist wichtiger als jetzt ein paar Spiele mehr zu absolvieren. Ich muss bereit sein, wenn der Zeitpunkt kommt."

Luxussituation mit Pavlenka plus Kapino wird 2020 wohl enden

Wie lange Verbesserung ohne regelmäßige Spielpraxis möglich sei, beantwortet Kapino aber auch klar: "Bis Sommer." Dann sollte in seinem Interesse also der Wachwechsel im Werder-Tor stattfinden, auch wenn er diesbezüglich ganz ausdrücklich kein Ultimatum stellt, sondern diplomatisch formuliert: "Wir werden sehen, was passiert. Ich bin sehr zufrieden bei Werder. Und wenn ich so weiterarbeite, wird sich alles ergeben." Bleibt Pavlenka dann doch, weil ihn kein Champions-League-Klub als Nummer eins verpflichten will, wäre Kapinos Abschied die logische Konsequenz. Auch darüber dürfte bei der Gestaltung seines Vertrags gesprochen worden sein. Die Luxussituation mit Pavlenka plus Kapino wird bei Werder 2020 wohl enden. So oder so.

Thiemo Müller

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