Wann kehrt Kramaric zurück?

TSG: Das Warten auf den Schlüssel

Andrej Kramaric

Fehlt der TSG Hoffenheim: Andrej Kramaric. imago images

In Shorts und T-Shirt schritt er eilig durch die Mixed Zone. Mit einem kurzen "alles gut" inklusive gehobenem Daumen returnierte Kramaric die Fragen nach seinem Gesundheitszustand. Ende August unterzog sich der 28-Jährige in Kroatien einer Arthroskopie, zuvor absolvierte der Vize-Weltmeister lediglich lockeres, individuelles Training - wenn überhaupt, das rechte Knie schmerzte zu sehr.

Wie sehr der Ausnahmekönner Trainer Alfred Schreuder fehlt, war gegen den Sportclub deutlich erkennbar. Dennis Geiger, der seine Stärken auf der Sechs hat, mühte sich auf der Zehn, häufig ohne Partner in den Halbräumen. In diese lässt sich Kramaric gerne zurückfallen, um seine Regisseursqualitäten auszuspielen. Dort klaffte am Sonntag ein Loch, erst mit der Umstellung auf 4-3-3 wurde dies besser; Jürgen Locadia, eigentlich als zentrale Spitze aufgeboten, ließ sich dann immer mal wieder fallen, um von dort nach vorne zu stoßen.

Dass die Verbindung zwischen den (bei der TSG gestaltend agierenden, aber offensiv sehr zurückhaltenden) Sechsern noch fehlt, hat freilich auch mit Abgängen zu tun. Mit dem des dynamischen Nadiem Amiri etwa, oder des offensiv geradezu omnipräsenten Joelinton. Ishak Belfodil kann auch über Bahn und Halbraum kommen, am Sonntag agierte er in vorderster Front mit dem pfeilschnellen, aber ob fehlender Tiefe häufig wirkungslosen Ihlas Bebou. Belfodil und Kramaric aber sind genau diese Eins-gegen-Eins-Auflöser, die Schreuders Stil nach einem kontrollierten Ballvortrag vor des Gegners Kette für durchschlagenden Erfolg braucht. Neuzugang Sargis Adamyan scheint noch nicht so weit zu sein, zumindest sind für den Armenier bis dato keine Pflichtspielminuten notiert.

Kramarics Klasse untermauert ein Blick in die Statistik: In der Vorsaison fehlte der Offensivmann in vier Bundesliga-Partien, dabei gab es nur vier Punkte. Mit ihm holte die TSG 2018/19 im Schnitt 1,57 Zähler in der Liga. Betrachtet man die Bilanz, seit er in Hoffenheim unter Vertrag steht (Januar 2015), ist der Unterschied sogar noch gravierender: Mit Kramaric holte die TSG im Schnitt 1,64 Punkte pro Spiel (49 Siege, 38 Remis, 26 Niederlagen), ohne ihn nur 0,95 (10 Siege, 12 Remis, 22 Niederlagen). Eine Prognose in Bezug auf die Spielfitness Kramarics ist aufgrund der langen Fehlzeit aktuell kaum zu treffen - Schreuder muss weiter auf (s)einen Schlüsselspieler warten.

Benni Hofmann

Bilder zur Partie TSG Hoffenheim - SC Freiburg