Hertha: Kapitän Ibisevic als Reservist

Covic: "Die Spieler müssen es nicht verstehen"

Vedad Ibisevic

In Mainz nur Zuschauer: Hertha-Kapitän Vedad Ibisevic. imago images

Im Sturm durften sich Davie Selke und Dodi Lukebakio - glücklos - als Doppelspitze in einem 3-5-2 probieren. Die Idee dahinter war klar: Hertha wollte zunächst eher abwartend agieren und schnell umschalten - dafür schienen Selke und Lukebakio mit ihrem Tempo geeigneter als der 35-jährige Ibisevic. Als Joker wechselte Covic bei der dritten Niederlage in Folge Salomon Kalou, Eduard Löwen und Javairo Dilrosun, der das Berliner Spiel sichtlich belebte und das Tor von Marko Grujic vorbereitete, ein. Ibisevic blieb bis zum Abpfiff Zuschauer - eine Rolle, die er zuletzt am 21. und 22. Spieltag der vergangenen Saison unter Covic-Vorgänger Pal Dardai innehatte: bei Herthas 3:0 in Gladbach und dem folgenden 1:1 gegen Bremen.

Covic hatte dem Bosnier, dessen Binde in Mainz Vize Niklas Stark trug, die Maßnahme im Vorfeld erklärt. "Es ist normal, dass ich mit dem Kapitän spreche und ihm meine Gedankengänge erkläre", sagt Covic, der sein Team in Mainz gründlich umgebaut hatte. Neben Ibisevic mussten gegenüber dem desaströsen 0:3 auf Schalke auch Karim Rekik, Vladimir Darida, Lukas Klünter und Maximilian Mittelstädt ihren Platz in der Startelf räumen. Oft in einer Saison ist so eine Radikal-Kur nicht möglich, aber Covic sagt: "Die Spieler müssen es nicht verstehen, sie wollen es nur gehört haben vom Trainer. Wenn man mit ihnen so umgeht, gibt es keine Probleme."

Wir hätten Nackenschläge verteilen und nicht kassieren dürfen, dann wäre das Spiel anders ausgegangen.

Niklas Stark

Dodi Lukebakio traf als einziger der Angreifer in dieser Saison bislang - mit einem von Ibisevic abgefälschten Schuss beim Auftakt in München (2:2). Der Auftritt des Belgiers in Mainz war nach 63 Minuten beendet und nicht zwingend eine Empfehlung für eine vorläufige Stammplatz-Garantie. Sturmpartner Selke war besser im Spiel, griffiger im Anlaufen, traf einmal den Außenpfosten (16.) - und vertändelte mit Lukebakio Herthas aussichtsreichste Chance (21.), die er sich mit einer Balleroberung tief in der Mainzer Hälfte selbst erst ermöglicht hatte. Zudem scheiterte Grujic mit einer hundertprozentigen Chance an Mainz-Keeper Robin Zentner (47.).

Unterm Strich stand erneut eine Niederlage, das einzige Hertha-Tor des Tages erzielte mit Grujic ein Mittelfeldspieler. "Wir hatten Chance auf Chance, aber wir müssen diese Chancen nutzen und Tore machen", sagt Per Skjelbred. "Wir haben nicht viel zugelassen, aber wir müssen knipsen." Auch Selke sagt, man müsse schon vor dem zwischenzeitlichen Ausgleich "zweimal das Tor machen, einmal Marko, einmal ich". Die fehlende Coolness im Abschluss kostete Hertha bereits gegen Wolfsburg (Kalou, Grujic) und auf Schalke (Lukebakio) bessere Ergebnisse - in Mainz setzte sich die Malaise vorm gegnerischen Tor fort. "Wir hatten unsere Chancen", bilanziert Verteidiger Stark. "Wir hätten Nackenschläge verteilen und nicht kassieren dürfen, dann wäre das Spiel anders ausgegangen."

Keine Effizienz

Ist es nicht. Hertha hat in der noch jungen Saison nur 14,3 Prozent seiner Torchancen verwertet - und ist gemeinsam mit der TSG Hoffenheim Schlusslicht in diesem Ranking. Im Vergleich dazu: Wolfsburg (41,2 Prozent der Torchancen verwertet), Borussia Dortmund (40,6 Prozent) und Fortuna Düsseldorf (40,0 Prozent) haben derzeit eine fast dreimal so hohe Effizienz. "Uns fehlt da eine gewisse Überzeugung", findet Covic. "Die Selbstverständlichkeit im letzten Drittel ist bei uns noch nicht so vorhanden."

Gegen Paderborn mit Ibisevic?

Das Versagen vorm gegnerischen Tor ist einer der Hauptgründe für die Berliner Talfahrt. Hertha steht zum ersten Mal seit dem 34. Spieltag der Saison 2009/10 wieder auf Platz 18 der Bundesliga und empfängt am Samstag die beim 1:5 gegen Schalke gebeutelten Paderborner. Covic muss dann abermals die spannende Frage beantworten, mit welchem Personal er den Angriff bestückt - und ob er einen Platz für Kapitän Ibisevic findet, dessen imposante Bundesliga-Torquote (318 Spiele/120 Treffer) ein Beleg seiner Kernkompetenz ist.

Steffen Rohr

Bilder zur Partie 1. FSV Mainz 05 - Hertha BSC