Hertha: Löwen und Redan mit ihrem Debüt

Covic: "Wir waren phasenweise kopflos"

Ante Covic

Ansprache an seine Schützlinge: Hertha-Trainer Ante Covic. imago images

Covic, der mit einem 2:2 beim FC Bayern gut in die Saison gestartet war, erklärte am Montag: "Wir werden noch Zeit brauchen, um alles umzusetzen, weil immer wieder neue Impulse kommen. In der ersten Halbzeit ging es in die richtige Richtung, da haben wir uns viele Chancen aus dem Spiel heraus kreiert und gegen einen gut organisierten Gegner Gefahr mit dem Ball ausgestrahlt." Die Effektivität freilich, in der Vorwoche in München noch Garant für den Punktgewinn, ging den Berliner am Sonntagabend komplett ab - und mit zunehmender Spielzeit verloren sie auch fußballerisch ihre Linie. "Wenn du einem Rückstand hinterherrennst, darfst du nicht kopflos wirken - das waren wir phasenweise", räumte Covic ein. "Das 0:2 und 0:3 haben wir aus Kontern bekommen. Da hatten wir keine gute Balance mehr. Da sind wir phasenweise mit neun Mann blind vorn angerannt, und der Gegner hat uns ausgekontert. Das war sehr bitter."

Innenverteidiger Karim Rekik, der gegen Wolfsburg den fünften Elfmeter seit seinem Wechsel von Marseille nach Berlin 2017 und damit das weichenstellende 0:1 verschuldete, bemerkte: "Wir haben den Ball nach vorn getrieben, aber sind in der zweiten Halbzeit zu oft in Konter gelaufen." Auch Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt sagte mit Blick auf die mangelhafte Absicherung im zweiten Durchgang: "Wolfsburg hat die Räume genutzt und uns ausgekontert. Daraus müssen wir lernen und es in den nächsten Spielen besser machen. So darf uns das nicht mehr passieren."

"Am Ende hat die Kraft etwas gefehlt"

Rekordeinkauf Dodi Lukebakio, in München umjubelter Torschütze, empfahl nach dem 0:3-Dämpfer gegen den VfL, "positiv zu bleiben". Der belgische U-21-Nationalspieler nannte sein erstes Spiel für seinen neuen Klub im Olympiastadion "ein besonderes Erlebnis" und fand: "Wir haben viel investiert, viel probiert und uns viele Chancen herausgearbeitet, aber hatten nicht das nötige Glück im Abschluss. Am Ende hat die Kraft etwas gefehlt. Es wird darauf ankommen, dass wir analysieren, woran es gelegen hat."

Hertha muss nun zwei Auswärtsspiele hintereinander meistern, zunächst auf Schalke, dann in Mainz. Covics Aufgabe wird es sein, jenen Drang nach vorn, den er der Mannschaft vermitteln will, zu dosieren. "In der zweiten Halbzeit wollten wir zu viel", analysierte der Coach am Montag. "Da hatten wir zu viele Spieler vorn auf einer Höhe. Nach der Umstellung auf 4-4-2 waren die beiden zentralen Angreifer und die beiden seitlichen Spieler auf einer Höhe, so dass der Gegner das relativ simpel verteidigen konnte." Stattdessen habe sein Team "die Halbfelder und Zwischenräume" nicht genutzt, "wo wir immer wieder Gefahr hätten ausstrahlen können".

Für die gegenüber dem Spiel in München (119,2 km) deutlich reduzierte Teamlaufleistung (110,3 km) hatte Herthas Coach eine schlüssige Erklärung: "Wir hatten mehr Ballbesitzpassagen, da betreibst du automatisch nicht den hohen Aufwand gegen den Ball wie in München." Gleichwohl gelte es, "die Mannschaft permanent dafür zu sensibilisieren, dass grundsätzliche Sachen wie die Laufleistung stimmen müssen, um erfolgreich Fußball zu spielen".

Einwechslungen von Löwen und Redan als Signal

Für die Neuzugänge Eduard Löwen und Daishawn Redan bedeuteten die Einwechslungen jeweils das Bundesliga-Debüt für Hertha. Covic ging es "bei beiden Personalien darum, den Jungs zu signalisieren, dass sie sich auf einem guten Weg befinden und sie das in Minuten umgemünzt bekommen". Der vormalige Nürnberger Löwen, wegen der U-21-EM beim neuen Arbeitgeber verspätet ins Training eingestiegen, sei "physisch jetzt bei 100 Prozent", konstatierte Covic. "Aufgrund seiner Qualitäten sowohl mit als auch ohne Ball kann Edu uns weiterhelfen." Und vom niederländischen U-19-Nationalspieler Redan, der bei Ajax Amsterdam ausgebildet wurde und im Sommer nach zwei Jahren beim FC Chelsea für 2,5 Millionen Euro Ablöse nach Berlin gekommen war, verspricht sich Covic auf Sicht sehr viel: "Dass wir mit Daishawn etwas vorhaben, steht außer Frage. Sonst hätten wir ihm nicht so einen langfristigen Vertrag (bis 2024, d. Red.) gegeben."

Steffen Rohr/Jan Reinold

Bilder zur Partie Hertha BSC - VfL Wolfsburg