2. Bundesliga

Thioune erwartet mehr von allen und von allem

HSV-Coach mit schonungsloser Bestandsaufnahme vor Krisen-Derby gegen 96

Thioune erwartet mehr von allen und von allem

Versammelte seine Schützlinge beim Training um sich: HSV-Coach Daniel Thioune (mit Mütze).

Versammelte seine Schützlinge beim Training um sich: HSV-Coach Daniel Thioune (mit Mütze). imago images

Seinen HSV und den aus Hannover eint, dass nicht nur die Ansprüche groß sind, sondern auch die Diskrepanz zwischen diesen und den jüngst gezeigten Leistungen. Das Nord-Duell wird deshalb zum Krisen-Derby.

Thioune ist neu in Hamburg. Und gibt sich doch nur bedingt überrascht von den Ausschlägen rund um seinen Klub. Vier sieglose Partien in Folge werden nicht nur medial als Krise wahrgenommen, sondern seit dem 2:3 in Heidenheim auch vom Trainer selbst.

Thioune: "Dass die Kritik lauter wird, ist völlig normal"

Deshalb hat er versucht, in dieser Trainingswoche an den Symptomen für den Rückfall in altbekannte Hamburger Krankheitsbilder zu arbeiten. "Ich bewerte die aktuelle Situation", sagt der 46-Jährige, "es wäre fahrlässig, das nicht zu tun. Ich war mir der Erwartungshaltung vorher bewusst, und dass die Kritik nun lauter wird, ist völlig normal." Er will sie jedoch ausdrücklich nicht als Hemmschuh für sich und seine Spieler verstanden wissen: "Der Druck von Außen ist nicht höher als der, den wir uns selbst machen."

Und Thioune hat den Druck in diesen Tagen merklich erhöht. Er hat klare Ansagen formuliert an seine Künstler Sonny Kittel ("Die Bereitschaft bei ihm ist da, der Wille darf ein bisschen wachsen") und Jeremy Dudziak ("Er darf gern wieder mehr machen und mehr zeigen"), hatte außerdem klare Botschaften an die Gruppe der Unzufriedenen wie Gideon Jung ("Ihm würde es vielleicht auch mal gut tun, eine andere Stadt und einen anderen Verein zu sehen"). Das Ziel dahinter formuliert er deutlich: "Ich will Veränderungen wahrnehmen, aber nicht unbedingt personell, sondern bei jedem Einzelnen."

Thioune: "Wir müssen mehr Resistenz zeigen"

Der Coach wünscht sich mehr Gier und Konzentration über längere Phasen als sein Team zuletzt anbot. "Wir müssen mehr Resistenz zeigen, wir müssen über 90 Minuten aktiver Fußball spielen. Die Momente der Energie müssen deutlich länger anhalten. Da müssen alle noch zulegen." Eine schonungslose Bestandsaufnahme, die nichts anderes bedeutet als: Es geht nicht allein um die taktische Ausrichtung und die Aufstellung, sondern um die Einstellung.

Um die Haltung bei Sven Ulreich macht sich Thioune keine Gedanken. Der Keeper hatte in Heidenheim mit einem kapitalen Aussetzer die Niederlage besiegelt. "Das", räumt der Trainer ein, "war kein Allerweltsfehler, aber Sven hat ja schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Er weiß mit Druck umzugehen. Ich hatte unter der Woche nicht das Gefühl, dass es ihn noch groß belastet. Es gab für ihn keine Sonderbehandlung und er wurde auch nicht in Watte gepackt." Dieses Prinzip, das unterstreichen die klaren Worte, hält Thioune dieser Tage bei keinem seiner Profis für angebracht.

Sebastian Wolff

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