Bundesliga

FC Bayern München: Thiagos Verwandlung vom Künstler zum Arbeiter

Bayern: Wie der Spanier nun um einen neuen Vertrag wirbt

Thiagos Verwandlung vom Künstler zum Arbeiter

Bei Bayerns Thiago hat ein Umdenken stattgefunden.

Bei Bayerns Thiago hat ein Umdenken stattgefunden. imago images

In den sozialen Netzwerken gibt es sie in Massen: Verehrer von Thaigo Alcantara; Bewunderer seiner filigranen Art und Weise, wie er den Ball behandelt; Fans seiner technischen Fähigkeiten, Anhänger seines tänzelnden Spiels. Doch dieser Thiago, der den Ball in der Vergangenheit am liebsten aus dem Fußgelenk halbhoch mit Schnitt zum Kollegen chippte - solche Pässe sind für den Empfänger ungut zu verwerten und kosten Zeit -, hatte große Probleme, das Spiel des FC Bayern zu prägen. Schön auszusehen alleine reicht nicht, um in München Eindruck zu hinterlassen.

Von einem Profi mit diesen Qualitäten und Begabungen wird mehr verlangt. Spieler wie Thiago sollen das Spiel im Mittelfeld mit klaren Aktionen dirigieren, leiten - mit Ball, aber auch ohne. Gefragt sind eben nicht nur schnuckelige No-look-Pässe. Es werden auch, so banal es klingt, die Basiselemente des Fußballs gefordert. Gerade in der Arbeit gegen den Ball, beim Pressing wie Gegenpressing, ob es nun Spaß macht oder nicht.

Flick konnte Thiago von der Defensive überzeugen

Schon die Ausnahmekönner Arjen Robben und Franck Ribery mussten vor der Triple-Saison von Jupp Heynckes von dieser defensiven Aufgabe überzeugt werden. Nun ist es dem aktuellen Trainer Hansi Flick gelungen, Thiago dafür zu begeistern. Als der vorherige Co-Coach das Amt des Chefs übernommen hat, setzte es für den Spanier zwei Pausen: In der Champions League gegen Piräus (2:0) und in der Liga gegen Dortmund (4:0) musste er auf die Bank. Es war ein Denkzettel, der fruchtete. Thiago wusste, er muss sein Spiel anpassen, wenn nicht sogar ändern.

Erste Veränderung im Trainingslager in Doha

Im Wintertrainingslager in Doha war dann schon ein neuer Thiago zu beobachten, ein unheimlich aggressiver Leader, der knallharte Zweikämpfe führte; ein Kämpfer, der den Ball auch mal zu treten und nicht nur zu streicheln wusste. Diese Eigenschaften nahm Bayerns Nummer 6 mit in die Rückrunde. Vom ersten Spiel an. Seither überzeugt der 28-Jährige, er brilliert auf der Acht als Gestalter und als defensiv cleverer Sechser.

Mehr Torbeteiligungen und ein deutlich besserer Notenschnitt

Thiago gewinnt statt 58,7 Prozent (bis zum Trainerwechsel) nun 65,4 Prozent seiner Zweikämpfe und fast zehn Prozent mehr Kopfballduelle. Hinzu kommt, dass er mit Joshua Kimmich einen Partner im Zentrum hat und höher stehen kann, dadurch ist er im letzten Drittel häufiger und intensiver eingebunden als zuvor. Sein Einfluss in der Offensive zeigt sich auch anhand der Torbeteiligungen. Spielte er unter Ex-Trainer Niko Kovac lediglich zwei Assists und zwei vorletzte Pässe, war er unter Flick bereits an zehn Treffern beteiligt: Drei erzielte er selbst, eines bereitete er vor, sechsmal fand sein Pass den Vorlagengeber.

Sein kicker-Notenschnitt verbesserte sich von 4,23 auf 2,53 (!) - in der Rückrunde hatte er nur einmal die Note 3, beim 3:2 gegen Paderborn, ansonsten war er immer besser. Schon viermal war er im Jahr 2020 "Spieler des Spiels". Dieser Thiago - der Arbeiter mit dem Hang zur Kunst, die ohnehin zu seinem Naturell gehört - steigert seinen Wert für den FC Bayern. Und wirbt mit diesen Leistungen und dieser Einstellung - nach einer schwächelnden Hinserie, die auch die Bosse registriert hatten - natürlich für eine Verlängerung seines im Sommer 2021 auslaufenden Vertrages.

Georg Holzner

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