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Seoane ist weg, die Probleme bleiben

Kommentar

Seoane ist weg, die Probleme bleiben

Stand am Ende ohne Argumente da: Gerardo Seoane.

Stand am Ende ohne Argumente da: Gerardo Seoane. Getty Images

Das war's. Die 0:2-Pleite in der Champions League beim FC Porto war die achte Niederlage für Bayer 04 im zwölften Pflichtspiel der laufenden Saison. Nach der Ankündigung von Klub-Boss Fernando Carro, der "sehr, sehr, sehr kurzfristig" Erfolge eingefordert und einen erneut blutleeren Auftritt wie beim 0:4 in München am Freitag als nicht akzeptabel eingestuft hatte, war das Aus für Trainer Gerardo Seoane trotz einer Steigerung nach der erneuten Enttäuschung in Porto unausweichlich wie sportlich zwingend.

Dass der Spanier und Simon Rolfes nun die Reißleine zogen, kann man den beiden Geschäftsführern nicht vorwerfen. Vielmehr stellt sich die Frage, ob sie zu lange gewartet haben. War es doch außergewöhnlich, wie viel Zeit die Bosse dem Schweizer gaben, um noch die Wende zu schaffen. Dafür hatte der 43-Jährige nahezu alle Register gezogen. Einen nachhaltigen Effekt hatten seine Maßnahmen in dieser Saison aber nie. Gerade auch, weil er zu oft etwas anderes versuchte.

War sein Vorgänger Peter Bosz zu stur, was seine Idee vom Ballbesitzfußball betraf, so bemühte Seoane seine von den Bossen so hoch geschätzte Flexibilität zu sehr - die Mannschaft verlor ihren Halt und fand ihn nie wieder.

Sein Nachfolger Xabi Alonso, als Spieler selbst immer Teamplayer und nie Egoist, wird es nicht einfach haben, dem individuell hochkarätigen, aber im Zusammenhalt nicht homogenen Kader Stabilität zu verleihen. Die hierarchische Struktur der Werkself bietet auch dem Neuen kaum Fixpunkte. Zu wenige echte Führungsspieler, die zudem größtenteils mit sich selbst zu kämpfen haben.

Bayer fehlt ein Arbeiter-Kern

Der Abgang der deutschsprachigen Köpfe wie den Bender-Brüdern, Kevin Volland und zuletzt auch Julian Baumgartlinger, der jetzt zumindest in der Kabine ein wertvolles Regulativ wäre, wurde nicht (adäquat) ersetzt. Bayer fehlt ein solcher Arbeiter-Kern mehr denn je, der diese ohnehin seit Jahren wankelmütige Ansammlung fußballerischer Feingeister bei Wellengang auf Kurs halten kann. Faktoren, die in der Krise doppelt und dreifach durchschlagen.

Gelingt unter Xabi Alonso gegen limitierte Schalker nicht direkt ein überzeugender Sieg, der für die Mannschaft zum Befreiungsschlag werden kann und muss, droht Bayer auch mit neuem Steuermann die Fortsetzung der Irrfahrt auf rauer See. Denn: Seoane ist weg, aber viele Probleme bleiben.

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