Bundesliga

Pizarro-Abschied: Emotionen, Tränen - und die Freude über Micoud

"Ich werde das nie in meinem Leben vergessen"

Pizarro-Abschied: Emotionen, Tränen - und die Freude über Micoud

Das ein oder andere Tränchen wurde verdrückt: Claudio Pizarro bei seiner emotionalen Abschiedsrunde.

Das ein oder andere Tränchen wurde verdrückt: Claudio Pizarro bei seiner emotionalen Abschiedsrunde. IMAGO/Eibner

Familie, Freunde, ehemalige Weggefährten - sie alle waren gekommen am Samstag ins Bremer Weserstadion. Wenn einer wie Claudio Pizarro anruft, dann ist man beim Abschiedsspiel dabei, Ehrensache. "Claudios Abschiedsspiel hier in Bremen war für alle Beteiligten ein schönes Erlebnis und ein würdiger Abschied. An Claudio habe ich durchweg positive Erinnerungen. Er als Typ hat sich nie verstellt. Er war immer sehr offen, sehr herzlich, ob im privaten Umfeld oder beim Fußball. Er hatte immer eine gewisse Ruhe und Gelassenheit auf dem Platz, die auch geholfen hat", wird Max Kruse auf der Bremer Vereinswebsite zitiert.

Und Kruse gab im Grunde genommen das wieder, was alle über den Peruaner sagten. Er war immer freundlich, hatte immer einen Spruch parat und verstand es wie kaum ein Zweiter, auch in Drucksituationen die nötige Lockerheit an den Tag zu legen. "Er ist ein grandioser Fußballer mit einem großen Herzen. Claudio war ein extrem gefährlicher Stürmer, der immer für Tore gesorgt hat. Er hat immer 100 Prozent gegeben. Er war ein Vorbild und ein Publikumsliebling", beschreibt Naldo seinen ehemaligen Mitspieler. 

Vier Treffer zum Abschied

Auf dem Rasen boten die Protagonisten eine tolle Show, bei der natürlich der Fokus auf Pizarro lag. Der Stürmer, der in der Bundesliga in 490 Spielen 197-mal traf und Bremer Rekordtorschütze ist, war der einzige Spieler, der 90 Minuten durchspielte. Es gab drei Spiele mit je 30 Minuten, die Bremer Auswahl, die Bayern-Mannschaft und "Claudios Amigos" spielten je einmal gegeneinander. 

Pizarro traf insgesamt viermal und stellte damit seinen Torriecher auch im Alter von 43 Jahren noch einmal unter Beweis. Und auch in ungewohnter Rolle trat der Stürmer auf den Plan, er parierte nämlich einen Elfmeter. Wenngleich natürlich dazugesagt werden muss, dass Keeper Jörg Butt, der eigentlich eiskalte Elfmeterschütze, dem Offensivmann im Kasten durchaus eine faire Chance ließ. 

Pizarros Freude über "Le Chef"

Kurz vor dem Ende wurde es dann emotional, als Bremens Double-Trainer Thomas Schaaf die Auswechseltafel mit der Nummer 14 nach oben hielt. Feierabend für "Piza". Und diesmal endgültig. Er ging zu seinen Eltern, Freunden, das Weserstadion erhob sich, der Applaus ebbte nicht ab. "Es war sehr emotional mit der ganzen Familie, meinen Freunden, die ganze Stimmung. Das war etwas sehr besonderes für mich. Das perfekte Finale", sagte Pizarro, der die ein oder andere Träne verdrückte, nach der Partie. "Ich wollte einfach Spaß haben mit Freunden und das Event genießen, das heute geht wirklich in mein Herz. Ich werde das nie in meinem Leben vergessen und kann nur Danke sagen." 

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Dass das Event im Weserstadion stattfand, war für Pizarro gleich klar. Fünfmal (1999 bis 2001, 2008 bis 2009, 2009 bis 2012, 2015 bis 2017 und schließlich von 2018 bis zu seinem Karriereende 2020) spielte er für Werder, hat viele unvergessliche Momente in Bremen erlebt. Ein ausverkauftes Stadion zeigte, dass es genau die richtige Location war. "Das ist wirklich der Wahnsinn. Ich fühle mich geehrt, das fühlt sich unglaublich gut an", sagte ein überglücklicher Pizarro, der sich dann auch noch auf einen Moment des Abends festlegen sollte. "Das Spiel insgesamt natürlich, die Ehrenrunde, meine Eltern zu sehen oder mit meinem Bruder zu spielen, ich habe nie mit ihm auf demselben Rasen gespielt, das war schon besonders. Dazu war auch mein Sohn die ganze Zeit da", konnte sich der Stürmer nicht auf eine Sache festlegen, hob dann aber einen der gekommenen Gäste hervor: "Mit Micoud auf dem Platz zu stehen war toll, ich habe noch nie mit ihm gespielt, heute war er da."

Der Franzose kann es immer noch

Die Rede ist natürlich von Johan Micoud, dem genialen Strategen aus der Double-Saison 2004. 123-mal spielte der 49-Jährige in der Bundesliga für Bremen, 31 Tore schoss er dabei. In Diskussionen über den besten SVW-Spieler aller Zeiten fällt nicht selten der Name des Franzosen - oder eben der von Pizarro, der den Fans der Grün-Weißen unglaublich viel gegeben hat. Micoud ließ seine ganze Klasse im Übrigen noch einmal aufblitzen, als er einen Traumpass in die Gasse auf Zlatko Junuzovic spielte, der dann für Ailton auflegte. Dann musste der Mittelfeldmann, der in Bremen auch "Le Chef" genannt wird, allerdings früher als geplant passen. "Es ist mir in die Wade geschossen", erklärte Micoud auf Nachfrage der "Deichstube": "Ich hätte gerne weitergespielt, aber es ging nicht. Trotzdem hat es ganz viel Spaß gemacht."

Spaß hatten am Samstagabend alle, um einen der besten Bundesliga-Spieler der vergangenen Jahrzehnte zu verabschieden. 'Claudios Fiesta' - sie wurde ein voller Erfolg!

mst

Claudio Pizarro, das "Phänomen" - Ehrenpreis für den ältesten Torschützen

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