Bundesliga

Karazor kommt aus der U-Haft frei

Zukunft des VfB-Mittelfeldspielers ist allerdings offen

Karazor kommt aus der U-Haft frei

Kommt auf Kaution frei: Stuttgarts Atakan Karazor.

Kommt auf Kaution frei: Stuttgarts Atakan Karazor. IMAGO/Sportfoto Rudel

Lange war vom 25-Jährigen, der Anfang Juni in seinem Urlaub auf Ibiza verhaftet worden war, nichts zu hören, nachdem ihn eine 18-jährige Spanierin der Vergewaltigung bezichtigt und angezeigt hatte. Seither saß Atakan Karazor gemeinsam mit einem Freund auf der Balearen-Insel in Untersuchungshaft. Nur seine Anwälte und sein Bruder hatten regelmäßig Kontakt zu ihm.

In den vergangenen Wochen war es immer stiller um den Fußballprofi geworden und die Nachrichtenlage dünn. Heute verkündet eine Sprecherin des Balearischen Gerichts, dass sowohl Karazor als auch sein Freund die Untersuchungshaft sowie Ibiza verlassen dürfen. Die Kautionssumme beträgt 50.000 Euro, Karazor muss sich regelmäßig bei den Behörden melden und der spanischen Gerichtsbarkeit jederzeit zur Verfügung stehen. Außerdem wurde ein Kontaktverbot zur Klägerin erlassen.

"Bislang gab es keinen persönlichen Kontakt"

Dass der gebürtige Essener auf freien Fuß kommt, bestätigen auch die Stuttgarter. "Das entspricht auch unserer Kenntnis", lassen die Schwaben verlauten. Die Frage, wie es jetzt weitergeht, wann Karazor zur Mannschaft stößt oder ob er das überhaupt auf absehbare Zeit tun kann und will, könne man dagegen noch nicht beantworten. "Bislang gab es keinen persönlichen Kontakt", so ein Klubsprecher weiter. "Sobald dieser erfolgt ist, werden wir uns über das weitere Vorgehen abstimmen."

Nach vielen Monaten als Ergänzungsspieler war Karazor im Lauf der vergangenen Rückrunde zu einem Leistungsträger im Team von Pellegrino Matarazzo aufgestiegen und hatte mitgeholfen, in wortwörtlich letzter Minute den Klassenerhalt zu schaffen. Wataru Endos Kopfballtreffer in der Nachspielzeit der Partie am 34. Spieltag gegen den 1. FC Köln zum 2:1 rettete den VfB, dessen Trainer auch in der neuen Saison auf Karazor bauen wollte.

Am 19. Mai hatte der Defensivmann seinen Vertrag bis 2026 verlängert und auf eine Zukunft als Stammspieler gehofft. Dann kam die Nacht vom 8. auf den 9. Juni, die sein ganzes Leben und das der jungen Frau auf den Kopf stellen sollte.

Kann der VfB Karazor so einfach reintegrieren?

Man darf gespannt sein, wie die Stuttgarter reagieren werden. Zwar verweisen alle Verantwortlichen, zuletzt im Trainingslager in Weiler in Person von Sportdirektor Sven Mislintat und Vorstandsboss Alexander Wehrle, zurecht auf die Unschuldsvermutung. Dennoch wird die Entscheidung, ob der Klub, der sich soziale und gesellschaftliche Werte auf die Fahnen geschrieben hat, so einfach Karazor reintegrieren kann, so lange der Fall nicht geklärt ist, keine einfache werden.

George Moissidis

Die teuersten Verkäufe der Bundesliga-Geschichte