2. Bundesliga

Hecking? Schmedes? Es kann wohl nur einen geben!

Der Aufsichtsrat des FCN will den neuen Sportvorstand Ende der Woche vorstellen

Hecking? Schmedes? Es kann wohl nur einen geben!

Benjamin Schmedes (l.) und Dieter Hecking

Wer übernimmt den Posten als Sportvorstand? Benjamin Schmedes (l.) und Dieter Hecking werden in Nürnberg gehandelt. imago images

Das bestimmende Thema beim FCN? Klar, die Suche nach einem Sportvorstand - und da scheint Dieter Hecking der Favorit zu sein. Kraft seines Namens so zu sagen. Der besitzt einen derart guten Klang, dass sich die Lösung für den FCN nahezu aufdrängt.

Hier der renommierte, erfahrene Fußballexperte, der Ruhe, Gelassenheit wie auch eine verbindende Autorität ausstrahlt und zugleich über Club-Insiderwissen verfügt, dort der in seinen Grundfesten mal wieder heftig erschütterte Traditionsverein, der dringend Halt und Orientierung braucht. Kurzum: Hecking, wer sonst!

Auch der Aufsichtsrat lässt das Ausrufezeichen stehen, setzt dahinter aber zugleich ein Fragezeichen. Dazu ist er erstens verpflichtet, er muss mehrere Optionen prüfen. Und zweitens gibt es bei Hecking bei alldem, was für ihn spricht, auch einiges, worüber es zu diskutieren gilt. Und damit ist nicht der Umstand gemeint, dass er im Dezember 2012 von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch machte und zum VfL Wolfsburg wechselte. Dies war sein ihm vertraglich zugestandenes Recht und ist zudem so was von uralt, dass man nicht mal mehr vom Schnee von vorvorgestern sprechen kann.

Insiderwissen als Minuspunkt

Als Minuspunkt indes könnte zum Beispiel sein Insiderwissen werten. Klingt komisch, denn eigentlich ist es ja ein Plus. Andererseits bräuchte der zuletzt zu häufig um sich selbst drehende Club ja vielleicht auch dringend einen neuen Impuls. Zudem ist der 55-Jährigen zwar mit allen Profi-Fußballwassern gewaschen, in der Rolle des Sportvorstands allerdings ein Rookie. Er hat noch nie für einen Verein eine nachhaltige, stimmige Perspektive entwickeln müssen.

Schmedes kann vieles vorweisen

Anders der um 20 Jahre jüngere Benjamin Schmedes. Der ehemalige U-19-Kapitän des SV Werder Bremen ist beim HSV in der Führungsebene acht Jahre in die Lehre gegangen, ohne Lehrling zu sein. Er hat unter anderem die Ausgliederung der Profis maßgeblich mitgestaltet, zudem war er Chef-Scout, um dann den nächsten schlüssigen Entwicklungsschritt zu gehen. Beim VfL Osnabrück, den er in der 3. Liga auf dem absteigenden Ast übernahm, mit ganz bescheidenen Mitteln zurück in die 2. Liga führte und zudem die Strukturen des Vereins auf ein anderes Level hob.

Bereits vor gut einem Jahr nahm der Club bei seiner damaligen Suche nach einem Sportvorstand Kontakt zu ihm auf, doch Schmedes sagte ab, ohne dass es zu weiterreichenden Gesprächen kam. Der Grund: Der VfL steckte mitten im Aufstiegskampf. Kurzum: Schmedes hat Etliches vorzuweisen. Dies wird im FCN-Aufsichtsrat ebenso gesehen, deswegen kommt es nun auch zu konkreten Gesprächen.

Wobei: Es müsste ja auch nicht Hecking oder Schmedes heißen. Ersterer hat ja schon betont, dass er beim FCN einen Sportdirektor holen wird, sollte die Wahl auf ihn treffen. Warum nicht Schmedes? Zu dieser auf dem Papier denkbare Variante wird es in der Praxis garantiert nicht kommen. Wenn der 35-Jährige den VfL verlässt, dann nur, wenn er die nächste Stufe auf seiner Karriereleiter erklimmen kann. Somit ist es für ihn keine Perspektive, beim FCN unter einem Sportvorstand zu arbeiten. Und ebenso unvorstellbar ist es für Hecking, unter Schmedes als Sportdirektor zu arbeiten.

Oder eine gemeinsame Lösung, die den Club strukturell weiterbringt?

Und doch könnte es eine Lösung Hecking/Schmedes geben - noch dazu eine, die den Club auch strukturell weiterbringen würde. Die Satzung erlaubt es nämlich, drei Vorstände zu benennen. So könnte Hecking zum Beispiel als Vorstand Sport fungieren und Schmedes als Vorstand Fußball - beide wären gleichberechtigt. Bei dieser Konstellation hätte es zum Beispiel die unselige Situation im Februar 2019 nicht gegeben.

Zur Erinnerung: Der Aufsichtsrat legte dem damaligen Sportvorstand Andreas Bornemann die Entlassung von Trainer Michael Köllner nahe, er weigerte sich, und der Aufsichtsrat machte von seinem Recht Gebrauch, Vorstände abzuberufen. Im Nachgang entließ dann der kurzfristig zum Interims-Sportvorstand ernannte Marketingchef den Trainer, und der Club stand praktisch über Nacht ohne sportliche Führung da. Hätte es neben Bornemann einen weiteren Sportvorstand gegeben, wäre dies nicht passiert. Der ehrenamtliche Aufsichtsrat hätte selbst dann auch keinen Sportvorstand suchen müssen, sondern nur die Ergebnisse bewerten müssen, die ihnen der zweite für den Sport zuständige Vorstand vorlegt.

So gut wie sich diese Variante auf den ersten Blick ausmacht, so sehr hängt sie davon ab, dass die beiden sie sich auch vorstellen können. Und dies wiederum scheint nicht der Fall zu sein, sodass es doch auf die Frage Hecking oder Schmedes hinausläuft. Mit Hecking als Favoriten, unter anderem auch, weil für den bis 2021 beim VfL unter Vertrag stehenden Schmedes eine Ablöse fällig werden würde. Doch Favorit hin oder her, entschieden ist dennoch nichts. Am Ende dieser Woche sollte Klarheit herrschen, so der Fahrplan des FCN.

Chris Biechele

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