Bundesliga

Bundesliga, Stuttgart: "Dietrich-raus-Rufe" - VfB droht Führungskrise

Stuttgarter Aufholjagd übertüncht so manches

"Dietrich-raus-Rufe" - VfB droht Führungskrise

Die Anhänger des VfB Stuttgart protestieren gegen den Vereinspräsidenten Wolfgang Dietrich.

Die Anhänger des VfB Stuttgart protestieren gegen den Vereinspräsidenten Wolfgang Dietrich. imago

Flankiert von entsprechenden Bannern ("Dietrich raus" und "Spalter") hallen die Rufe gegen Wolfgang Dietrich aus der Cannstatter Kurve, begleitet von gellenden Pfiffen. "Dass unsere Fans, die uns immer phantastisch unterstützt haben, nach einem 0:3 zu Hause gegen Mainz sauer sind und dann auch mal ihren Unmut kundtun, ist verständlich", versucht Sportvorstand Michael Reschke nach Schlusspfiff, die Situation zu entschärfen. Doch bei gleich- und damit ausbleibendem sportlichen Erfolg wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis sich die Enttäuschung noch heftiger Bahn bricht.

VfB verpasste knapp ein Fußballwunder

Die beiden Treffer durch Nicolas Gonzalez und Marc-Oliver Kempf übertünchen in der Endabrechnung gegen den FSV vieles. So wird aus unterirdischen 45, verhaltenen 30 und kämpferisch-wilden, dynamischen 15 Minuten im Nachhinein ein nur knapp verpasstes Fußballwunder, mit dem sich leicht Augenwischerei betreiben lässt. Dabei dürften sich die VfB-Anhänger auf den Rängen in Durchgang eins wie Katastrophentouristen vorgekommen sein.

VfB Stuttgart - Vereinsdaten
VfB Stuttgart

Gründungsdatum

09.09.1893

Vereinsfarben

Weiß-Rot

Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Borussia Dortmund Borussia Dortmund
45
2
Bayern München Bayern München
39
3
Bor. Mönchengladbach Bor. Mönchengladbach
36

51.881 Zuschauer strömten am Samstag nach Cannstatt, 54.950 sind es im Schnitt - das ist Rang vier in der Bundesliga (hinter dem BVB, dem FC Bayern und Schalke 04) und angesichts der Darbietungen der Schwaben aller Ehren wert. Doch diese Masse, die zum Trumpf im Abstiegskampf werden kann, weil sie mit Wucht und Lautstärke eine Mannschaft nach vorne peitscht, äußert nun ihren Unmut - angesichts des Geschehens auf dem Rasen zurecht.

Dietrich rückt in den Fokus der Kritik

Dass nun Dietrich, also der Kopf des Vereins und des Aufsichtsrats der ausgegliederten VfB-AG, in den Fokus der Kritiker rückt, obgleich er mit dem Sportlichen nur bedingt zu tun hat, hat eine Vorgeschichte. Schon seine Wahl zum Präsidenten des e.V. fiel 2016 mit 57,2 Prozent ausnehmend knapp aus, wohlgemerkt ohne Gegenkandidat. An dem Unternehmer scheiden sich bei den Stuttgarter Anhängern die Geister. Was seit jeher unter anderem an seiner einstigen Tätigkeit als Sprecher des Reizprojektes "Stuttgart 21", sowie an seinen früheren Engagements bei den auf Fußball spezialisierten Finanzdienstleistern Ventric und Quattrex liegt. Sollte die sportliche Krise sich ausweiten, droht beim VfB eine Führungskrise.

Benjamin Hofmann